Europaparlament kapituliert gegen den Ministerrat und die Pharmaindustrie

Wien (OTS) - Das Tierhilfswerk Austria ist zutiefst enttäuscht
und beunruhigt, denn wieder einmal beweist sich, daß wirtschaftliche Interessen mehr für die Europäische Union zählen als Leben!

Das Europäische Parlament nahm heute, den 12. Mai 1998, mit großer Mehrheit die höchst kontroverse Richtlinie zum Schutz biotechnologischer Erfindungen, besser bekannt als "Patent auf Leben"- Richtlinie, an, da sie die Patentierung von Lebewesen ermöglicht.

1995 lehnte das EP eine beinahe idente Fassung der Richtlinie aus ethischen Gründen ab. Heute, nach einer der größten Lobbying-Kampagnen der multinationalen Pharmaindustrie, wechselte das EP die Seiten - und stimmte dafür!

Dadurch ignoriete das EP all die zahlreichen Stimmen, die vor den Konsequenzen einer solchen Gesetzgebung warnten. Stimmen von den verschiedensten medizinischen Vereinigungen (z.B. die Weltgesundheitsorganisation WHO), von vielen Patientengruppen, Landwirten, Tier- und Pflanzenzüchtern, verschiedenste religiöse Institutionen, wie z.B. der evangelischen Kirche, Entwicklungsländer erhoben Einspruch, bedrohte durch die sogenannte "Biopiraterie", sowie Tier- und Umweltschutzorganisationen, wie das Tierhilfswerk Austria.

Das EP entschied sich für eine der schlechtesten Gesetzgebungen, die in sich unlogisch ist, im Widerspruch gegen das europäische Patentrecht steht, stellt sich gegen die Konvention der Biodiversität und wird voraussichtlich vor dem Europäischen Gerichtshof landen.

Das Tierhilfswerk Austria ist zutiefst enttäuscht, denn wieder einmal bestätigt sich, daß wirtschaftliche Interessen über ethische Aspekte und Leben an sich gestellt wird.

Rückfragehiweis: Monika Zöhrer
THWA
Tel. 02243/22964 16

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