Apotheker-Untergriff gegen Landbevölkerung

Millionenkampagne der Apothekerkammer täuscht an bedrohter Gesundheitsversorgung auf dem Lande nicht vorbei ?

Wien (OTS) - Empört reagierte Dienstag die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) auf die millionenschwere Inseratenkampagne der Apothekerkammer zur Verniedlichung der aktuellen Existenzbedrohung der Landärzte. Dabei ist den Apothekern, die sich immer als Experten im Gesundheitswesen bezeichnen, ein gravierender Fehler in der Einschätzung unterlaufen: Durch den Anschluß der bäuerlichen Krankenkasse an die Gebietskrankenkasse, die völlige Unbeweglichkeit der Sozialversicherungen und das Schließungsdiktat für ärztliche Hausapotheken sei die Gesundheitsversorgung der Landbevölkerunginsgesamt gefährde

Der geschäftsführende ÖÄK-Vizepräsident und zuständige Sprecher der Landärzte, Dr. Reiner Brettenthaler, fordert die Apotheker auf, "den engen Horizont ihres gesundheitspolitischen Schrebergartens zu verlassen. Es geht ja nicht um die Medikamentenversorgung auf dem Lande allein, es geht um die Gesundheitsversorgung einer an und für sich schon unterprivilegierten Bevölkerungsschicht. Wo keine Ärzte mehr existieren können, da ist auch kein Platz mehr für Apotheken."

Von der Schließung seien weit mehr als 50 ärztliche Hausapotheken bedroht, da sich öffentliche Apotheken aus wirtschaftlichen Gründen nur in Regionen niederlassen würden, wo zur Zeit drei bis fünf Ärzte Hausapotheken führen. Tatsächlich liegen bereits auch in kleinen Orten mit knapp 3.000 Einwohnern Öffnungsanträge vor, so Brettenthaler. Einer der ersten Anträge wurde beispielsweise von einem in einer Salzburger Schiregion etablierten Apotheker gestellt, dessen Familie bereits eine zweite Apotheke im Nachbarort führe und der nun beabsichtige, die Eröffnung einer dritten Apotheke in unmittelbarer Nähe zu betreiben. Brettenthaler: "Dadurch wird klar, daß das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes vorrangig dem bestehenden'Apothekeradel' nützt. Jungapotheker müssen sich dagegen dem wirtschaftlichen Wettbewerb stellen."

Die von der Apothekerkammer zitierte Ordinationszeit habe nichts mit den Betriebszeiten einer Ordination und der Erreichbarkeit des Arztes zutun. "Das Berufsethos der Ärzte geht weit über gesetzlich festgelegte Öffnungszeiten hinaus." In Niederösterreich hätten die Ärzte nach einer Erhebung aus dem Jahre 1994 durchschnittlich neun Stunden Patientenkontakte pro Tag, ohne Wochenenddienste und administrative Arbeiten. Ärzte sind daher für ihre Patienten meist auch an Wochenenden und in der Nacht erreichbar. Alle von der Apothekerkammer im übrigen gebrachten Argumente seien diffamierend und falsch, so Brettenthaler. Es sei offensichtlich, daß die Gefährdung der ärztlichen Versorgung auf dem Lande die Bevölkerung zu Gesundheitstourismus in die kilometerweit entfernten Kreisstädtezwinge.(Schluß)

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