Stahlindustrie lief 1997 zur Höchstform auf

Produktion konnte um 16,6% auf 5,2 Mio t gesteigert werden

Wien (PWK) - Die österreichische Stahlindustrie lief 1997 zur bisherigen Höchstform auf. Die Rohstahlproduktion konnte um 16,6% gesteigert werden und erreichte mit 5,2 Mio t einen Rekordwert. "Damit konnte das gute Ergebnis von 1995 sogar um fast 4% übertroffen werden", berichtete Hellmut Longin, Vorsteher des Fachverbandes Bergbau-Stahl, bei der Jahrespressekonferenz seines Verbandes. Die Produktion von Roheisen stieg um 16,1% auf 4 Mio t, die von Walzstahlprodukten um 17,7% auf 4,5 Mio t. Bei Langprodukten (+22,6%) war dabei ein deutlich stärkerer Anstieg als bei Flachprodukten (+16,2%) feststellbar. ****

Deutlich belebt hat sich die Nachfrage aus der Automobilindustrie, der Eisen und Metallwarenindustrie und der Maschinenindustrie. Die Lieferungen an die Bauindustrie lagen auf ähnlichem Niveau wie 1996. Der Stahlverbrauch im Inland erhöhte sich 1997 um 5,1% auf 3,2 Mio t. Bei den Auftragseingängen im unlegierten Bereich betrug der Zuwachs im Durchschnitt 13,4%. Obwohl in den meisten Bereichen Preiserhöhungen durchgesetzt werden konnten, waren auch die Unternehmen der Stahlindustrie gezwungen, weiter zu rationalisieren. Dementsprechend reduzierte sich der Beschäftigtenstand im EGKS-Bereich im vergangenen Jahr um 3,2% auf 12.467 Mitarbeiter.

Bei Qualitätsstahl konnten 1997 vor allem im Flachproduktebereich deutliche Zuwächse erzielt werden. Bedingt durch die gute Konjunktur der Automobilindustrie war eine Ausweitung des Absatzes von kaltgewalzten Produkten, im speziellen feuerverzinkter Bleche und Bänder, möglich. Besonders hohe Steigerungen konnten bei den Lieferungen von Flachprodukten in das Inland, nach Deutschland, Italien sowie nach Tschechien und in die Slowakei erzielt werden. Der hohe US-Dollarkurs förderte auch die Lieferung von Flachprodukten in die USA. Der Langproduktesektor entwickelte sich 1997 nicht überall zufriedenstellend. Die europäischen Schienenmärkte wurden zwar teilweise nach wie vor durch die staatlichen Sparmaßnahmen zur Erreichung der Maastricht-Kriterien negativ beeinflußt, die Situation verbesserte sich jedoch im Jahrsverlauf. Bei Walzdraht verlief die Nachfrage sowohl im Inland als auch seitens der Exportmärkte kontinuierlich steigend. Auch die Preisentwicklung gestaltete sich zufriedenstellend. Die Marktlage für Betonbewehrungsstahl hat sich 1997 gegenüber dem Vorjahr verbessert. Es konnte mit erhöhter Kapazitätsauslastung produziert werden. Auch die Exportsituation sowie die Preisentwicklung gestalteten sich zufriedenstellend.

Im Edelstahlbereich konnte 1997 eine Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr erreicht werden. Gute Auftragseingänge wurden vor allem in den Bereichen Kraftwerksbau, Werkzeug- und Maschinenindustrie, Luftfahrt und Automobilzulieferungen erzielt. Vor allem die Automobilindustrie in Deutschland und den USA zeigte starke Wachstumsimpulse, was sich sehr positiv auf den Verkauf von Schnellarbeits- und Werkzeugstahl auswirkte. Aber auch bei Sonderwerkstoffen, z.B. rostfreie Spezialitäten, konnte das hohe Niveau der Vorjahre noch gesteigert werden. Im Flachproduktesektor setzte ein Aufwärtstrend erst im 2. Quartal 1997 ein. In der 2. Jahreshälfte hat sich die Marktsituation vor allem in Nordamerika deutlich gebessert. Die Exportquote blieb gegenüber dem Vorjahr konstant. Der Langproduktebereich zeigte insgesamt eine gute Entwicklung. Während bei Stabstahl im gesamten Jahr steigende Absätze zu verzeichnen waren, konnte eine Belebung im Produktbereich Profil erst ab der Jahresmitte registriert werden. Auch im Langproduktebereich war die Exportsituation zufriedenstellend. Auf dem Schmiedesektor konnte eine weiter steigende Tendenz im Luft-fahrtbereich festgestellt werden. Die Luftfahrtindustrie befindet sich in einer Hochkonjunktur. Beim Turbinenbau war eine gedämpfte Nachfrage zu verzeichnen.

Nach einer Prognose des IISI wird der weltweite Stahlverbrauch 1998 um 0,7% auf 700 Mio t ansteigen. Innerhalb der Europäischen Union wird ein Anstieg des Stahlverbrauches um rund 2,0% erwartet. Der positive Trend bei der Nachfrage und den Preisen könnte sich jedoch während des 2. Quartales etwas abschwächen. Die guten allgemeinen Wirtschaftsaussichten der Europäischen Union werden 1998 in den stahlverarbeitenden Branchen, insbesondere in der Automobilindustrie, im Elektro- und sonstigen Gerätebau sowie im Metallwarenbereich zu einer Konjunkturbelebung und somit zu einer verstärkten Stahlnachfrage führen.

Trotz der erwarteten Konjunkturabschwächung dürfte sich auch der Stahlmarkt in den USA 1998 günstig entwickeln. In Japan wird 1998 mit einer leichten Ankurbelung des innerstaatlichen Stahlverbrauchs gerechnet. Gleichzeitig wird eine schwächere Präsenz des japanischen Stahls auf den Exportmärkten erwartet. In Österreich wird die Stahlproduktion 1998 voraussichtlich in etwa das gleiche Niveau erreichen wie 1997. Es wird ein Rohstahloutput von ca. 5 Mio t erwartet.
(Schluß) mh

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