Handelsumsätze 1998: Licht am Ende des Tunnels

Sektionsobmann Lemler optimistisch, daß Konsumflaute zu Ende geht - Umsatzwachstum im ersten Quartal von 1 bis 2 Prozent

Wien (PWK) - "Wir sehen jetzt schön langsam Licht am Ende des Tunnels, aber wir werden noch einige Zeit Gas geben müssen, bevor wir ins Freie kommen", kommentiert der Obmann der Bundessektion Handel in der Wirtschaftskammer Österreich, Erich Lemler, die leicht positive Umsatzentwicklung im österreichischen Handel. Die Zahlen über die Geschäftsentwicklung des 1. Quartals 1998 würden zwar Anlaß zu einem gewissen Optimismus geben, daß die Konsumflaute zu Ende gehe, die schlechten Ergebnisse der vergangenen Jahre könnten damit aber noch nicht kompensiert werden. ****

Nach den Erhebungen des Instituts für Handelsforschung verzeichnete der Facheinzelhandel (Einzelhandel ohne Diskonter und große Filialisten) in den ersten drei Monaten des heurigen Jahres gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres einen nominellen Umsatzrückgang von minus 1 Prozent. Berücksichtigt man jedoch, daß 1997 Ostern Ende März, 1998 jedoch Mitte April war und daher das für manche Branche wichtige Ostergeschäft im ersten Quartal, nicht berücksichtigt werden konnte, so dürfte im ersten Quartal 1998 ein leichtes Umsatzplus im Facheinzelhandel von 1 bis 2 Prozent erzielt worden sein. Diese Tendenz wird auch von den Ziffern des Statistischen Zentralamtes über die Umsatzentwicklung des Gesamthandels für Jänner und Februar 1998 unterstützt: So errechnete das ÖStat im Jänner ein nominelles Umsatzplus von 1,0 und im Februar von 3,9 Prozent plus.

Je nach Branche verlief die Entwicklung im ersten Quartal dieses Jahres durchaus unterschiedlich. Nach den Beobachtungen des Handelsforschungs-Instituts verzeichneten beim Facheinzelhandel Parfumeriewaren und Textilien ein Minus von je 4 Prozent, der Radio-und Elektrohandel ein Minus von 3 und der Möbelhandel ein Minus von 2 Prozent. Dazugewinnen konnten Lederwaren (plus 3 Prozent), Sportartikel sowie Papier und Schreibwaren (je ein Prozent).

1997 stagnierten laut ÖStat die Umsätze des Einzelhandels real auf dem Niveau von 1996 (nominell -0,1 Prozent); nur der Großhandel konnte nach einem Umsatzminus 1996 ein deutliches Umsatzplus erzielen. Die Umsätze (exklusive Umsatzsteuer, nominell) stiegen im Großhandel von 1996 auf 1997 von 907,4 auf 933,4 (plus 2,7 Prozent) Milliarden Schilling. Im Einzelhandel sanken sie von 493,2 auf 492,6 Milliarden, was einem Rückgang von 0,1 Prozent entspricht. Besonders negativ betroffen waren der Schuh-, Textil- und Sportartikelhandel.

Der Facheinzelhandel dagegen mußte im Vergleich zum stagnierenden Umsatz der gesamtstatistischen Auswertung laut Erhebungen des Instituts für Handelsforschung im Vorjahr ein Umsatzminus von nominell 2,4 Prozent hinnehmen. In diesen Zahlen spiegelt sich der unveränderte Trend der Konzentration im Einzelhandel (höherer Filialisierungsgrad) ebenso wider wie das Neueindringen ausländischer Handelskonzerne.

Die schlechte Geschäftsentwicklung im Vorjahr spiegelt sich sowohl in der Zahl der Arbeitgeberbetriebe als auch in der Beschäftigten-Statistik wider, erläuterte Lemler. Insgesamt war Anfang 1998 ein Beschäftigtenrückgang von 2,6 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresdatum zu verzeichnen. Allerdings konnte im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs an Lehrlingen im ersten Lehrjahr von plus 7 Prozent von 6.221 auf 6.664 erreicht werden. Per 31. Jänner 1998 waren 474.514 Personen im Handel beschäftigt.

Am 31. Jänner 1998 wurden 55.930 Arbeitgeberbetriebe (mindestens ein Arbeitnehmer) im Handel Österreichs gezählt, allein 30.215 oder 54 Prozent im Einzelhandel. Im Vergleich zum Vorjahresstichtag waren dies um 0,5 Prozent weniger, wobei der stärkste Rückgang in Wien mit einem Minus von 2,8 Prozent zu bemerken ist.

Lemler: "Das alles zeigt, daß es völlig richtig war, die Einkaufszentrenverordnung in der Gewerbeordnung zu verlangen und durchzuziehen, will man eine weitere Verödung der Innenstädte ebenso einbremsen wie eine weitere Konzentration im Handel und die Flächenexplosion auf der grünen Wiese." Er betonte aber, daß auch der Handel selbst gefordert sei, zur Belebung der Innenstädte aktiv etwas beizutragen. Hier sei der Handel aber bereits in der Offensive, verwies Lemler auf entsprechende Initiativen in Kärnten und Niederösterreich.
(Schluß) RH

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