Entwurf zum WTBG übertrifft schlimmste Befürchtungen

Unternehmensberater sollen massiv in ihrer Tätigkeit eingeschränkt werden

Wien (PWK) - Die von Wirtschaftsminister Farnleitner geplante Ausweitung der Rechte für Wirtschaftstreuhänder übertrifft nicht nur die schlimmsten Erwartungen der Wirtschaft, sondern greift auch massiv in die Tätigkeiten der Unternehmensberater ein. Die Auswirkungen kämen einem Desaster gleich, hunderten Betrieben würde der Boden unter den Füßen weggezogen werden, befürchtet Hans-Jürgen Pollirer, Vorsteher des Fachverbandes der Unternehmensberater und Datenverarbeiter in der Wirtschaftskammer Österreich. ****

Im Entwurf zum Wirtschaftstreuhandberufsgesetz hat Minister Farnleitner vorgschlagen, den Berechtigungsumfang des Steuerberaters unter anderem durch ein Vorbehaltsrecht auszuweiten, mit dem sie sämtliche Tätigkeiten im Zusammenhang mit dem betrieblichen Rechnungswesen exklusiv durchführen dürfen. Dies würde bedeuten, daß Unternehmensberater aus diesem Geschäftsfeld definitiv ausgeschlossen wären. Die Vertretungsbefugnis der Wirtschaftstreuhänder soll sogar auf die unabhängigen Verwaltungssenate und den Verwaltungsgerichtshof ausgedehnt werden.

Die geplanten Erweiterungen des Berechtigungsumfanges von Wirtschaftstreuhändern stellt für den Fachverband ohne Zweifel einen massiven Eingriff in Tätigkeiten dar, die großteils den gewerblichen Unternehmenberatern zuzuordnen sind und mit dem bisherigen Selbstverständnis von Wirtschaftstreuhandberufen nichts zu tun haben. Spätestens nach Inkrafttreten des Gesetzes würden hunderte Unternehmensberater, zu deren Kerngeschäft die Beratung im betrieblichen Rechnungswesen gehört, entweder ihre bisherige selbständige unternehmerische Tätigkeit aufgeben oder die Steuerberatungsprüfung ablegen müssen, was zu einem enormen Kostenschub für die auftraggebende Wirtschaft führen würde.

Angesichts der für die Unternehmensberater existenzbedrohenden Monopolrechte, die den Wirtschaftreuhändern im Entwurf zum WTBG eingeräumt werden sollen, fordert der Fachverband:

- Die Einführung eines neuen Buchhaltungsgewerbes im Gewerberecht mit einem attraktiven Berechtigungsumfang, d.h. einschließlich Lohn-und Gehaltsverrechnung, Umsatzsteuervoranmeldung etc.

- Das Nebenrecht der Buchhaltungstätigkeit für Unternehmensberater und Datenverarbeiter

- Keine Vorbehaltsrechte der Wirtschaftstreuhandberufe im Bereich der Erstattung von Sachverständigengutachten auf den Gebieten des Buchführungs- und Bilanzwesens

- Eine Ausweitung der Gewerberechte auch für Unternehmensberater in steuerlichen Angelegenheiten nach dem Prinzip 'Leistung aus einer Hand', sofern diese in einem wirtschaftlichen Zusammenhang mit den Kerntätigkeiten von Unternehmensberatungen stehen.
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