"Gesundheitsförderung in Österreich" - Was die private Krankenversicherung tut" 3

Statement von Hofrat Prim. Dr. Alfred Huber, Facharzt für Chirurgie und Leiter des proktologischen Zentrums der Confraternität

Erfahrungen des Vital-Club-Vorsorgeprogramms im Austria-Gesundheitszentrum Confraternität/Privatklinik Josefstadt:

Wir haben bisher im Proktologischen Zentrum der Confraternität insgesamt 160 Personen einer proktologischen Vorsorgeuntersuchung unterzogen. Bemerkenswert erscheint uns, daß nur etwa ein Viertel der Probanden zum Zeitpunkt der Untersuchung beschwerdenfrei waren. Drei Viertel kamen wegen mehr oder weniger starker Beschwerden zur Untersuchung. Die Erklärung dafür liegt wohl in dem anfangs erwähnten Umstand begründet, daß die Analregion zu den Tabuzonen des Körpers zählt. Beschwerden in diesem Bereich werden oft viel zu lang selbst behandelt (in der Meinung, es könnten ohnehin nur Hämorrhoiden sein -was tatsächlich oft, aber nicht immer der Fall ist) und leider auch von Ärzten nicht immer genug ernst genommen wird. Bei einem Viertel der Probanden war keine weitere Behandlung notwendig, bei der Hälfte genügten konservative Maßnahmen. Ein Viertel der Probanden mußte einer operativen Behandlung zugeführt werden. Alle entnommenen Gewebsproben wurden ausnahmslos mikroskopisch untersucht. Einmal fanden wir einen fortgeschrittenen Mastdarmkrebs, der eine Radikaloperation notwendig machte. Fünfmal bestanden Mastdarmpolypen in Umwandlung zum Krebs. Allerdings war der Zeitpunkt ihrer Entdeckung so günstig, daß diese bösartig veränderten Polypen ohne größere Schwierigkeiten und mit relativ kleinen Eingriffen entfernt werden konnten. Die vielen restlichen Gewebsproben bei allen anderen operativen Patienten waren ausnahmslos gutartig.

Wir glauben, daß die klinischen Erfahrungen bei der Durchführung des proktologischen Vorsorgeprogrammes dessen Sinnhaftigkeit unter Beweis stellen.

Die Vorsorgemedizin hat die Aufgabe, eine möglichst große Zahl von Gesundheitsstörungen zu verhüten und in einem noch gut behandelbaren Stadium zu entdecken. Aufgrund begrenzter Geldmittel in der Vorsorgemedizin gilt es, mit einfachen Mitteln häufige Erkrankungen aufzufinden, die womöglich ein Vorstadium haben und für deren Behandlungsbeginn ein möglichst früher Zeitpunkt der Diagnosestellung nützlich ist. Ein regelmäßiges ungezieltes Screening mit Durchführung vieler Untersuchungsmethoden ist nicht nur aufwendig, sonder auch ineffizient, weil das Aufspüren bestimmter Krankheiten dem Zufall überlassen ist. Es empfiehlt sich deshalb, die Etablierung von Vorsorgeprogrammen für gefährdete Personengruppen mit erfolgsversprechenden und einfachen Untersuchunsmethoden.

Ein solches Programm stellt die Proktologievorsorge dar. Die Proktologie beschäftigt sich mit der Diagnose und Therapie der Erkrankungen des Mastdarms und des Afters. Diese Region bedeutet für viele Menschen eine Tabuzone, über Beschwerden zu sprechen, gilt als peinlich. Das häufigste Leiden stellt das Hämorrhoidalleiden dar. Es gibt hier aber noch andere Krankheitsbilder, von denen besonders der Mastdarmkrebs zu nennen ist. Dieser Krebs macht in seinem Anfangsstadium oft die gleichen Beschwerden wie das Hämorrhoidalleiden. Die zweite nennenswerte Eigenart dieser Krebsform ist es, daß sie häufig aus primär gutartigen Polypen entsteht, die sich oft viele Jahre lang harmlos und unentdeckt im Mastdarm befinden. Dort nehmen sie langsam an Größe zu, bis sie - oft erst nach Jahren - zu einem Krebs entarten. Es besteht also, wie kaum bei einer anderen Krebsform, die Möglichkeit, innerhalb eines relativ großen Zeitraumes das gutartige Vorstadium eines Mastdarmkrebses durch einen kleinen Eingriff zu entfernen, bevor der Krebs überhaupt entstehen kann. Damit erfüllt diese proktologische Vorsorgeuntersuchung drei wichtige Prämissen: Sie ist einfach durchzuführen, relativ billig und äußerst effizient.

Was geschieht bei der Proktologievorsorge?

1. Es wird eine genaue Anamnese erhoben
2. Der Blutsuchtest wird ausgewertet
3. Der untere Mastdarm und der After wird mit dem behandschuhten Finger untersucht (digitale Untersuchung)
4. Der Mastdarm wird mit einem Gerät schmerzlos ausgeleuchtet (Rektoskopie)
5. Gewebsproben werden bei Bedarf entnommen bzw. kleine Polypen abgetragen.

Wer soll sich einer proktologischen Untersuchung unterziehen?

Alle Personen mit Beschwerden wie Afterjucken, Stuhlunregelmäßigkeiten, Abgang von Stuhl und/oder Schleim. Bei Beschwerdefreiheit empfiehlt sich die Untersuchung bei über 50-jährigen Männern und Frauen alle 2 bis 3 Jahre.

Dr. Alfred Huber

24.9.1929 in Wien geboren

1947 Matura, Inskription an der Universität Wien, medizinische Fakultät

1954 Promotion an der Universität Wien

1954 - 1955 Hilfsarzt im Unfallkrankenhaus Linz

1955 - 1956 Sekundararzt an der Neurochirurg. Abteilung Bad Ischl

ab 1956 Hanuschkrankenhaus der Wiener Gebietskrankenkasse, Fachausbildung für Chirurgie

1961 Facharzt für Chirurgie

1964 Eröffnung einer Kassenpraxis für Chirurgie in Wien, 20.

1970 Ärztlicher Leiter des Ambulatoriums Nord der Wiener Gebietskrankenkasse

1977 Vorstand der 2. Chirurg. Abteilung der Krankenanstalt Rudolfsstiftung

1979 Ärztlicher Direktor der Krankenanstalt Rudolfstiftung und Direktor der Krankenpflegeschule

1982 Verleihung des Titel Hofrat

1987 Goldenes Ehrenzeichen der Ärztekammer für Wien

1987 - 1992 Mitglied des Obersten Sanitätsrats

Ende 1996 Emeritierung

seit 1993 freier Mitarbeiter der Humanomed. Management Gesellschaft

seit 1995 freier Mitarbeiter des Boltzmann-Instituts für Krankenhausorganisation

seit 1996 Lektor an der Wirtschaftsuniversität Wien

Jänner 1997 Goldenes Ehrenzeichen der Stadt Wien
(Forts)

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