Verbund-Jahresabschluß 1997

Endgültige Zahlen bestätigen ein erfolgreiches Geschäftsjahr

Wien (OTS) - Der Sprecher des Vorstandes, Dipl.-Ing. Hans
Haider, setzt sich mit dem ElWOG-Entwurf auseinander und
fordert faire Wettbewerbsbedingungen - Finanzvorstand Dr.
Michael Pistauer verweist auf die deutliche Steigerung des Betriebserfolges im Zeichen gestiegener Umsatzerlöse und Rationalisierungserfolge - Vorstandsdirektor Dipl.-Ing. Dr.
Herbert Schröfelbauer: nach minus 100 Mio. ATS bei Betrieb und Erhaltung weitere 200 -Mio.-Reduzierung angepeilt - Verbund-Vorstand Dr. Johann Sereinig: bescheidenem Nachfragewachstum
mit Intensivierung der Kundenorientierung und verstärkter Marktnähe erfolgreich gegengesteuert ****

Haider verwies bei der Präsentation des Jahresabschlusses
1997 auf das gute Ergebnis und meinte:
,Reorganisationsmaßnahmen im Konzern und straffes
Kostenmanagement haben die Wettbewerbsfähigkeit des Verbund
weiter gestärkt. Was uns gegenwärtig Sorge bereitet, ist die Änderung der äußeren Rahmenbedingungen in Form des Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetzes. Wir
laufen Gefahr, Wettbewerbsvorteile, die wir uns im Unternehmen
hart erarbeitet haben, durch äußere Einflußfaktoren zu verlieren".

Kritik am ElWOG-Entwurf

Haider kritisierte am ElWOG-Entwurf, daß dieser den Verbund
als einziges EVU Österreichs zu 100 Prozent dem Wettbewerb aussetzt. Andere EVU dagegen würden vorerst größtenteils den Schutz ihrer Märkte beibehalten. Außerdem habe der Verbund Milliardenwerte in den Ausbau erneuerbarer Energien,
insbesondere in die Wasserkraft, investiert. Die Wasserkraft
sei aber im ElWOG-Entwurf unzureichend geschützt. Die Kosten
für die hohen Investitionen könnten unter heutigen Wettbewerbsbedingungen nicht mehr in ausreichendem Maße
verdient werden. Daher, so Haider, sehe sich der Verbund
Stranded Investments in Milliardenhöhe gegenüber.

Sie müßten in einem angemessenen Ausmaß abgegolten werden.
Er gehe davon aus, daß die volkswirtschaftliche Bedeutung von
Strom aus Wasserkraft in der endgültigen Fassung des ElWOG entsprechend berücksichtigt wird. ,Im Rahmen fairer Wettbewerbsbedingungen werden wir auch in einem liberalisierten Strommarkt als wettbewerbsstarkes Unternehmen erfolgreich
bestehen", meinte Haider.

Kooperation STEG-KELAG-VEG

Selbstverständlich, so Haider, setze man im Verbund die Optimierungsbestrebungen fort. Jüngstes Ergebnis sei der Start eines Kooperationsprogramms STEG, KELAG und VERBUND Elektrizitätserzeugungs GmbH (VEG). Ausgangspunkt der
Überlegungen sei die erfolgreiche Führung von Kraftwerken im Rahmen der VEG. Dieses Erfolgsmodell werde nun auch bei der Kooperation zwischen STEG und KELAG angewandt. Die VEG werde
die Betriebsführung von Kraftwerken der STEG und der KELAG übernehmen. Sonstige Betriebsführungsaufgaben der STEG würden
von STEG und KELAG gemeinsam wahrgenommen. Die Gesellschaften behielten aber ihre rechtliche Selbständigkeit.

Durch die Kooperation lassen sich in Zukunft
Synergiepotentiale realisieren. Dazu gehören unter anderem die Verringerung von Fremdleistungszukauf, die Verringerung der
Kosten im Instandhaltungsbereich durch die Poolung der
Kapazitäten und die Reduktion der Kosten im Betrieb durch die Zusammenfassung der Kraftwerke zu größeren Werksgruppen.

Die Umsetzung des Synergieprogramms wird erleichtert durch
die Personalunion im Vorstand von STEG und KELAG. Die
bisherigen Vorstände der KELAG, Mag. Dr. Günther Bresitz und Dipl.-Ing. Dr. Hermann Egger, wurden in den Vorstand der STEG bestellt. Der bisherige STEG-Vorstand wird neue Aufgaben im
Verbund übernehmen.

Österreich-Konsortium

Seit Jahresbeginn führen Verbund, EVN und Wiener Stadtwerke Gespräche über eine Vertiefung der Kooperation. Die Partner
wollen im Stromhandel und im Endkundengeschäft
zusammenarbeiten. Ebenso wird an einer gemeinsamen Kooperation
im Kraftwerksbereich gearbeitet.

Partner für tele.ring

Aus dem Bereich Telekommunikation hob Haider den
beabsichtigten Einstieg von Mannesmann Eurokom bei tele.ring
hervor. tele.ring, derzeit je zur Hälfte im Eigentum von ÖBB Telekom Service und Verbund Telekom Service wird künftig zu
74,8 % Mannesmann gehören, je 12,6 % behalten Verbund und ÖBB. Nach Hereinnahme des internationalen Partners wird tele.ring in
der zweiten Hälfte dieses Jahres aktiv am Markt auftreten.
,Ziel ist es", so Haider, ,als alternativer Telekom-Anbieter im Spitzenfeld der Mitbewerber zu agieren".

Bilanz nach HGB:
Deutliche Steigerung des Betriebserfolges

,Infolge der gestiegenen Umsatzerlöse und der erzielten Einsparungen bei Personal, Betrieb und Erhaltung sowie einer Verringerung der Brennstoffaufwendungen stieg der
Betriebserfolg um 44,4 % auf 4.132 Mio. ATS", erläuterte Finanzvorstand Dr. Michael Pistauer.

Die Umsatzerlöse des Verbund betrugen 1997 20.434 Mio. ATS.
Das ist eine Steigerung von 2 % gegenüber 1996. ,Die Umsatzsteigerung ist vor allem auf einen Anstieg der
Stromerlöse zurückzuführen. Diese standen im Zeichen einer 24prozentigen Erlössteigerung im Export", verwies Pistauer auf Erfolge im Stromgeschäft.

Der Personalstand im Konzern sank im Jahresdurchschnitt 1997
um 4,1 %. Im Zuge dieses Rationalisierungserfolges sanken auch
die Personalaufwendungen um 4,2 %, obwohl der Kollektivvertrag
um 1,9 % angehoben wurde.

Finanzerfolg

Der Finanzerfolg stand im Zeichen der bewertungsbedingten Vorsorgen für die Schweizer-Franken-Verbindlichkeiten. Es
mußten Kursvorsorgen im Ausmaß von 588 Mio. ATS gebildet
werden. (Diesen stehen bewertungsbedingte Kursgewinne von 816
Mio. ATS aus dem Jahr 1996 gegenüber). Das Finanzergebnis, eingeschlossen die genannten Vorsorgen, betrug -2.563 Mio. ATS (1996: -1.337 Mio. ATS). Bereinigt man das Finanzergebnis um
die bewertungsbedingten Vorsorgen, so ergibt sich eine
Verbesserung im Jahr 1997 von 8,3 %.

EGT auf hohem Niveau

Pistauer: ,Das EGT erreichte 1997 1.569 Mio. ATS (nach 1.524
im Jahr 1996) und stieg damit um 2,9 %. Der Jahresüberschuß
liegt mit 1.311 Mio. ATS um 0,8 % über dem des Jahres 1996,
wobei sich hier ein gestiegener Steueraufwand zu Buche
schlägt".

Bilanz nach IAS-Richtlinien

Der Verbund hat wie auch für 1996 im Rahmen seiner
Bemühungen um mehr Transparenz für 1997 eine testierte Bilanz
nach IAS-Richtlinien vorgelegt. Das operative Ergebnis nach IAS
ist gegenüber dem Vorjahr um 26 % auf 4.446 Mio. ATS gestiegen (1996: 3.533 Mio. ATS). ,Das gute Ergebnis", betonte Pistauer, ,wurde durch gestiegene Umsatzerlöse, geringere Abschreibungen
und fortgesetzte Einsparungen bei Betrieb und Erhaltung
erzielt. Der höhere Aufwand für Strombezug konnte die positive Entwicklung des operativen Ergebnisses nicht ernsthaft beeinflussen".

Der Gewinn vor Ertragsteuern liegt deutlich unter dem von
1996: 1.537 Mio. ATS (1996: 2.538 Mio. ATS). Der Unterschied
zum HGB-Abschluß liegt vor allem in der unterschiedlichen
Bewertung der Fremdwährungsverbindlichkeiten (niedrigeres Finanzergebnis). Der Gewinn nach Ertragsteuern beträgt 747 Mio.
ATS (1996: 1.792 Mio. ATS). Er steht im Zeichen einer Steuernachbelastung, die maßgeblich auf den STEG-Erwerb zurückzuführen ist (380 Mio. ATS).

Kostensenkung bei Betrieb und Erhaltung

Im Geschäftsfeld Erzeugung wurden die Kosten massiv
reduziert. Der stellvertretende Sprecher des Vorstandes, Dipl.-
Ing. Dr. Herbert Schröfelbauer, stellte dazu fest: ,Im Sinne
einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit ist die Reduzierung
der Kosten in der Stromerzeugung ein wesentlicher Faktor.
Innerhalb der Erzeugungskosten ist es die Position Betrieb und Erhaltung, bei der uns eine wesentliche Kostensenkung gelungen
ist". Der Verbund wandte 1997 1,25 Mrd. ATS für Betrieb und Erhaltung auf. Das sind um 8 % weniger als im Jahr davor.

Man habe, so Schröfelbauer, diese signifikante Kostensenkung
mit Unterstützung einer zustandsorientierten Instandhaltungsstrategie, die im Verbund entwickelt wurde, realisieren können. Ziel für 1998 bleibt die Senkung der Kosten
in diesem Bereich um weitere
200 Mio. ATS oder 15 %.

Aus der Forschung und Entwicklung im Verbund hob
Schröfelbauer die weltweit erste, großtechnische Biomasse-Vergasungsanlage zur Stromerzeugung im Dampfkraftwerk Zeltweg hervor. Das gemeinsam mit internationalen Partnern errichtete 64-Millionen-Projekt wurde von der Europäischen Kommission mit
18 Mio. ATS gefördert.

Stromerlöse auf hohem Niveau stabilisiert

Trotz ungünstiger Rahmenbedingungen und schwieriger
werdender Märkte ist es dem Verbund gelungen, sein Kerngeschäft leicht auszuweiten, betonte der für das Stromgeschäft
zuständige Vorstand Dr. Johann Sereinig. Sereinig verwies in
diesem Zusammenhang auf das bescheidene Nachfragewachstum, die außergewöhnlich milde Witterung, die wachsende industrielle Eigenerzeugung und den zunehmenden Preisdruck im Vorfeld der Marktliberalisierung. ,Der Verbund hat", so Sereinig, ,mit
einer Intensivierung der Kundenorientierung und mit verstärkter Marktnähe gegengesteuert."

Das ist auch die Voraussetzung, um im europäischen
Wettbewerb bestehen zu können, erklärte Sereinig: ,Unser Ziel
ist es gemeinsam mit unseren Partnern die Wettbewerbsfähigkeit
des Wirtschaftsstandortes Österreich zu stärken."

Auslandsgeschäft entwickelte sich überdurchschnittlich

Einen wichtigen Ergebnisbeitrag steuerte im Berichtsjahr das Auslandsgeschäft des Verbund bei. Mit einer geplanten Exportoffensive gelang es unter den Bedingungen schärfster internationaler Konkurrenz, den Auslandsumsatz deutlich zu
steigern. Sereinig verwies darauf, daß vor allem in den benachbarten Reformländern die Marktposition weiter verbessert werden konnte. Zufrieden zeigte sich Sereinig auch über den
Verlauf des kurzfristigen internationalen Handelsgeschäftes.
Dabei konnten 1997 nicht nur die Volumina, sondern auch die Handelsspannen verbessert werden.

Inlandskunden sichern, Auslandsgeschäft intensivieren

Für das Jahr 1998 nannte Sereinig abschließend drei Ziele
für das Verbund-Stromgeschäft: ,Unser Hauptaugenmerk muß der Sicherung unserer Inlandskunden gelten. Daneben werden wir
unseren Marktauftritt im Ausland intensivieren und das internationale Stromhandelsgeschäft forcieren."

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