Dormann: Wir sind auf dem Weg zu einem neuen Hoechst / Konzentration auf die Life Sciences kommt zügig voran / Vorbereitungen für einen gemeinsamen Börsengang von Celanese und Ticona

Frankfurt/M. (ots) - "Wir wollen ein neues Hoechst schaffen, das
in einem Wettbewerb bestehen kann, der von uns Schnelligkeit, Beweglichkeit, Offenheit und neues Wissen fordert, " sagte Jürgen Dormann, der Vorstandsvorsitzende der Hoechst AG, auf der Hauptversammlung am Dienstag in Frankfurt. Dazu setze Hoechst die Strategie fort, seine Ressourcen auf die Arbeitsgebiete Gesundheit und Ernährung, die sogenannten Life Sciences, zu konzentrieren und sich von den Geschäften der industriellen Chemie schrittweise zu trennen. "Wir können nicht bei allem, was wir machen, zu den weltweit führenden Anbietern gehören - und nur wer zur Spitze gehört, wird im Wettbewerb bestehen."

Als Gründe für diese Strategie führte Dormann einerseits den wachsenden Druck im Industriegeschäft durch neue Wettbewerber sowie durch sinkende Preise und Gewinnmargen an. Andererseits eröffne die Bio- und Gentechnologie neue Ansätze für innovative Produkte und biete die Möglichkeit, Gemeinsamkeiten und Verknüpfungen zwischen den einzelnen Life Sciences-Arbeitsgebieten zu nutzen. "Wir haben die Entscheidung getroffen, den Namen Hoechst mit den Arbeitsgebieten der Life Sciences zu verbinden", sagte Dormann. "Wir werden dies in Zukunft auch in den Namen der Konzerngesellschaften zum Ausdruck bringen." Zu den Life Sciences zählte Dormann Pharma und Diagnostika, Blutplasmaprodukte und Blutersatzstoffe, Saatgut, Pflanzenschutzmittel und Tiergesundheitsprodukte, Lebensmittelvorprodukte und -zusatzstoffe.

"Derzeit verdoppelt sich die Fähigkeit, genetische Informationen zu erkennen, alle 12 bis 24 Monate", sagte Dormann weiter. "Dieses exponentielle Wachstum verändert die Märkte von Gesundheit, Landwirtschaft und Ernährung." So ermögliche die Entschlüsselung von biochemischen Abläufen mit Hilfe der Gentechnik zum Beispiel bei Krebserkrankungen die Verbindung von Vorbeugung, Diagnoseverfahren und Therapien.

Hoechst prüft verstärktes Engagement bei Dade Behring

Um in der Lage zu sein, derartige Erkenntnisse übergreifend für seine Life Sciences-Aktivitäten nutzen zu können, prüfe Hoechst unter anderem die Möglichkeit, die Mehrheit an dem Diagnostika-Unternehmen Dade Behring zu erwerben. Zur Zeit hält Hoechst einen Kapitalanteil von 32,5 Prozent an dem Joint-Venture, das mit einem Umsatz von mehr als 2,5 Milliarden Mark weltweit der viertgrößte Anbieter ist. Das Unternehmen verfügt über starke Positionen in klassischen Diagnostika-Methoden für Herz-Kreislauf, Blutgerinnung und Medikamentenüberwachung. Die Hoechst AG hat die Option weitere fünf Prozent der Anteile von Dade Behring zu erwerben; für einen Erwerb der Mehrheit des Unternehmens besitzt Hoechst das Recht, das erste Angebot zu unterbreiten.

Täglich 11 Millionen Mark für die Pharmaforschung

In seiner Rede hob Dormann hervor, daß Hoechst seine Forschungsaktivitäten nicht zurückschrauben wolle - vielmehr gehe es um eine Konzentration der Anstrengungen, um im Interesse der Patienten, Mitarbeiter und Aktionäre neue Produkte zu schaffen und diese weltweit und schnell auf den Markt zu bringen. "Der Aufwand für unsere Pharmaforschung beträgt in diesem Jahr rund 2,5 Milliarden Mark, das entspricht etwa 17 Prozent des Umsatzes und 11 Millionen Mark täglich. Das ist mehr als die Max-Planck-Gesellschaft und die beiden größten deutschen Forschungszentren in Karlsruhe und Jülich zusammen aufwenden."

Hoechst Marion Roussel, das Pharma-Unternehmen von Hoechst, hat 1997 die Zahl seiner Forschungsgebiete und -projekte verringert und seine Forschungsaktivitäten neu ausgerichtet. Die Bündelung der Ressourcen, der Einsatz neuer Techniken und eine parallele Bearbeitung von verschiedenen klinischen Entwicklungsstufen soll den Prozeß der Arzneimittelinnovation und -zulassung erheblich beschleunigen. "Das Ziel dieser Neuausrichtung ist, die Entwicklungszeit neuer Medikamente von 10 bis 15 Jahren auf 6 bis 9 Jahre zu verkürzen," erklärte Dormann. Gleichzeitig soll der Anteil von neuen Produkten am Umsatz der Hoechst Marion Roussel im Laufe der nächsten fünf Jahre von derzeit rund 5 Prozent auf mehr als 20 Prozent gesteigert werden. Die Chancen dafür sind Dormann zufolge gut - eine Reihe von neuen Präparaten ist in einzelnen Länden bereits zur Zulassung eingereicht oder befindet sich in der letzten Entscheidungsphase. Hoechst Marion Roussel konzentriert sich auf patentgeschützte, verschreibungspflichtige Präparate in wesentlichen Indikationen wie Herz-Kreislauf, Infektionen, Stoffwechsel, Rheuma und zentrales Nervensystem.

Innovative Beteiligunginvestitionen von AgrEvo

Nachdem AgrEvo, das Gemeinschaftsunternehmen von Hoechst und Schering für Pflanzenschutz und Saatgut, bereits durch den Erwerb verschiedener Unternehmen Zugang zu Innovationen in der Biotechnologie erhalten hat, seien nun weitere Akquisitionen geplant, kündigte Dormann an. Darüber hinaus beabsichtige AgrEvo, rund 45 Millionen Mark in einen Technologiefonds zu investieren, der mit insgesamt 180 Millionen Mark kleine Forschungsunternehmen in der Agrar-Biotechnologie fördern soll. "Im Gegenzug erhält AgrEvo frühzeitig Zugang zu den dort entwickelten Ideen und Kontakt zu innovativen Firmen", faßte Dormann die Vorteile für das Agro-Unternehmen zusammen.

Gemeinsamer Börsengang von Celanese und Ticona in Vorbereitung

"Die bisherigen Ausgliederungen unseres Industriegeschäfts waren erfolgreich," sagte Dormann zu der Umstrukturierung von Hoechst in den vergangenen Jahren. Nun seien unter anderem auch für die Konzerngesellschaften Celanese und Ticona neue Strukturen notwendig, um zu wachsen und ihr Wertpotential voll ausschöpfen zu können. "Wir halten einen gemeinsamen Börsengang dieser beiden Unternehmen für eine attraktive Option," erklärte Dormann. Die entsprechenden Vorbereitungen sollen noch im laufenden Jahr abgeschlossen sein, um die Möglichkeit zu haben, Celanese und Ticona - je nach Marktverfassung - in mehreren Schritten an den Kapitalmarkt abzugeben.

Unter dem Namen Celanese hat Hoechst das weltweite Geschäft mit organischen Grundchemikalien und mit Celluloseacetatfasern zusammengefaßt. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 19 Prozent auf 8,6 Milliarden Mark, das Betriebsergebnis erhöhte sich um 12 Prozent auf 816 Millionen Mark; die Celanese beschäftigt weltweit mehr als 12.200 Mitarbeiter. Ticona ist einer der weltweit führenden Hersteller von technischen Kunststoffen und erzielte im vergangenen Jahr mit 2.356 Beschäftigten bei einem Umsatz von 1,45 Milliarden Mark ein Betriebsergebnis von 160 Millionen Mark.

Auch für die anderen Industrieaktivitäten von Hoechst gelte es, wertsteigernde Optionen wahrzunehmen, führte Dormann weiter aus: Bei Trevira sei dies durch die Veräußerung an leistungsfähige Partner vorgesehen, die die Polyesteraktivitäten als Kerngeschäft betrachten. Für das Industriegas-Unternehmen Messer und das Lack-Unternehmen Herberts würden verschiedene Möglichkeiten der Weiterentwicklung geprüft.

Beteiligung aller Mitarbeiter an der Wertsteigerung von Hoechst vorgesehen

"Die Wertsteigerung des Unternehmens im Interesse der Aktionäre, der Mitarbeiter und des Gemeinwesens bleibt unser oberstes Ziel," erklärte Dormann. Dies schließe auch eine Beteiligung aller Mitarbeiter an der Wertsteigerung ein. In diesem Zusammenhang dankte er den Mitarbeitern ausdrücklich für ihre außergewöhnliche Leistung, nachdem im vergangenen Jahr der Umbau von Hoechst zügig vorangebracht wurde und gleichzeitig der Geschäftserfolg auf nahezu allen Gebieten gesteigert werden konnte.

Verhaltener Start im ersten Quartal 1998

"Wie erwartet hat das erste Quartal verhalten begonnen", berichtete Dormann über die Geschäftsentwicklung. "Der Umsatz erreichte 11,3 Milliarden Mark gegenüber 13,2 Milliarden Mark im Vorjahr. Das Betriebsergebnis beträgt 888 Milliarden Mark, das sind 14 Prozent weniger als im Vorjahr." Vergleichbar gerechnet, das heißt ohne Sonderfaktoren wie Strukturaufwendungen und Ausgliederungen, liegt das Ergebnis auf Vorjahresniveau. Der Gewinn vor Ertragssteuern beläuft sich im ersten Quartal auf 849 Millionen Mark, das ist ein Zuwachs von 6 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 1997. "Insgesamt bleiben wir zuversichtlich, ein operatives Ergebnis erreichen zu können, das vergleichbar auf Höhe des Vorjahres liegen wird", sagte Dormann.

ots Originaltext: Hoechst Aktiengesellschaft
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