Junge Wirtschaft: Vom Tag der Arbeit zum Jahr der Gründer

Helmel: "Wer auch künftig den 1. Mai feiern will, muß etwas für Gründer tun"

PWK - "Nicht nur die politischen Rituale zum 1. Mai, sondern auch der Inhalt dieser Veranstaltungen ist in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit in Europa überholt - hier gibt's nichts mehr zu feiern. Es nützt auch nichts, gegen Arbeitslosigkeit zu demonstrieren und von der Politik künstliche und daher nutzlose Beschäftigungsprogramme zu verlangen", erklärt der Bundesgeschäftsführer der Jungen Wirtschaft Österreich, Alfons Helmel in einer Aussendung der Wirtschaftskammer Österreich. Wer auch künftig den Tag der Arbeit feiern will, der müsse etwas für die Betriebsgründer in diesem Land tun. Denn das einzige wirksame Instrument für mehr und vor allem für nachhaltige Beschäftigung sind mehr Unternehmensgründungen. ****

Im bundesweiten Durchschnitt schafft eine Gründung in Österreich drei bis vier neue Arbeitsplätze, nach fünf Jahren sind es bereits sieben neue Jobs. Teamgründungen bringen im selben Zeitraum durchschnittlich 20 neue Arbeitsplätze. Die Erfolgsquote österreichischer Gründungen liegt bei rund 75% nach den ersten fünf Jahren. Mit seiner Selbständigenquote liegt Österreich im OECD-Vergleich an vorletzter Stelle, über 140.000 Neugründungen wären erforderlich, um die durchschnittliche Selbständigenrate der OECD-Länder zu erreichen.

"Diese Zahlen zeigen, wie hoch das Jobpotential von Gründungen ist. Daß es in Österreich nicht genutzt wird, dafür trägt die Bundesregierung die Verantwortung. Sie spricht zwar schon seit langem von einer Gründungsoffensive, zu einer Verbesserung der konkreten Rahmenbedingungen für Gründer - wie dies in anderen Ländern der Fall ist - konnte sie sich leider nicht durchringen", kritisiert Helmel.

Zum Vergleich: In Frankreich wurden zentrale Anlaufstellen für Gründer eingerichtet, die eine deutliche Vereinfachung und rasche Verfahren bringen. Großbritannien schaffte die Erbschaftssteuer - ein wichtiger Grund für das Scheitern von Nachfolgern - gänzlich ab, Spanien und Belgien senkten sie auf 5%. Um junge KMUs nicht durch Zahlungsverzögerungen in ihrer Existenz zu gefährden, verdoppelten Großbritannien, Frankreich und die skandinavischen Staaten die Verzugszinsen per Gesetz. In Schweden und Norwegen brachte dies eine Reduzierung der Zahlungszeit auf die Hälfte.

"Die meisten dieser Initiativen sind auf die entsprechenden Empfehlungen der EU-Kommission zurückzuführen. Es wäre ein Leichtes, sie auch in Österreich umzusetzen. Mir ist nicht ganz klar, wie sich Österreich im Rahmen seiner EU-Präsidentschaft ernsthaft als europäischer Musterschüler darstellen will, wenn man die unbestritten richtigen Empfehlungen der EU nicht einmal ignoriert", so Helmel.

Die Junge Wirtschaft hat vor einem Jahr ein umfassendes Konzept für eine echte Gründungsoffensive in Österreich vorgelegt - mit Schwerpunkten in den Bereichen Imageverbesserung, Bürokratieabbau und neue Eigenkapitalinstrumente. Denn das sind entscheidende Faktoren, wenn es um vernünftige Rahmenbedingungen für mehr Gründungen geht.

"Das, was wir aus eigener Kraft realisieren bzw. initiieren konnten, ist bereits umgesetzt, wie etwa das Gründungssparen, die Gründerwochen zur Bewerbung der Selbständigkeit, den neuen Gründerfonds oder die JW-Börse. Die Bundesregierung hat ihre Hausaufgaben bislang verschlafen. Das wird auch für die Beschäftigung in Österreich nicht ohne Konsequenzen bleiben", so Helmel. Was nach Auffassung der Jungen Wirtschaft jetzt zu tun ist, sind Schwerpunktmaßnahmen in drei Bereichen: Die Selbständigkeit muß als attraktive Berufsalternative beworben werden. Dafür fordert die Junge Wirtschaft eine bundesweite Imagekampagne unter Federführung der Bundesregierung. "1998 muß das Jahr der Gründer werden. Ich erwarte mir, daß dies endlich auch am Tag der Arbeit klar und deutlich gesagt wird", fordert Helmel. Weiters müssen die bürokratischen Hürden bei Gründungen radikal reduziert werden. Die Junge Wirtschaft schlägt dafür die Einrichtung zentraler Anlaufstellen auf Bezirksebene vor. Darüber hinaus sollen die Risikokapitalinstrumente für Gründer und Jungunternehmer erweitert werden. "In diesem Bereich gibt es neue Impulse, etwa durch den Gründerfonds und geplante Fonds auf Landesebene. Aber um die österreichische Risikokapitalkultur ist es nach wie vor schlecht bestellt. Nach wie vor prägen Kredite zur Gründungsfinanzierung das Bild. Das hat im internationalen Vergleich höchstens Unterhaltungswert. Hier rufe ich auch Österreichs Kreditinstitute auf, weitere Aktivitäten zu setzen", schloß Helmel. (Schluß) MH

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