Verbund/Anerkennung von stranded investments

Verbund fordert Anerkennung von stranded investments

Wien (OTS) - Für die Anerkennung von stranded investments
sprach sich Verbund-Vorstandsdirektor Dipl.-Ing. Dr. Herbert Schröfelbauer heute bei einer ieu-Veranstaltung zum Thema
aus.****

Am Vorabend der Liberalisierung des europäischen
Strommarktes sieht sich der Verbund einer schwierigen
Situation gegenüber: ,Die Milliarden, die wir jahrzehntelang gemäß unserem gesetzlichen Auftrag in den Ausbau der
Wasserkraft investiert haben, können unter den neuen Wettbewerbsbedingungen nicht mehr so ohne weiteres eingebracht werden. Wir sehen uns daher stranded investments in der Höhe
von 42 Mrd. Schilling gegenüber." Das sei, so Schröfelbauer,
zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts Ungewöhnliches. ,Mit diesem Problem stehen wir in der EU keineswegs alleine da. In vielen anderen Staaten haben Stromerzeuger stranded investments in beträchtlicher Höhe gemeldet", so Schröfelbauer. Anders als in anderen EU-Ländern sei in Österreich die Anerkennung von
stranded investments jedoch immer noch umstritten. ,Aber ohne
die klare Anerkennung von stranded investments haben wir im
freien Markt von vornherein eine schlechtere Startposition," kritisiert Schröfelbauer die Haltung der Verantwortlichen.

Vorbild USA

Stranded investments sind nicht nur in Europa ein Thema. ,
Sogar im liberalsten, wettbewerbsorientiertesten Land der Welt,
den USA, werden stranded investments selbstverständlich
anerkannt," berichtet Schröfelbauer und bringt ein Beispiel aus Kalifornien: ,Dort ist eine Verrechnung von 100 % der stranded investments innerhalb der nächsten vier Jahre erlaubt." Ein
Modell, das auch in Österreich funktionieren könnte, bewährt
sich in Massachusetts, wo die Kosten auf die Übertragungs- und Verteilkosten aufgeschlagen werden. Dort wird der Aufschlag wahrscheinlich bei 20g/kWh bis 38 g/kWh liegen. Schröfelbauer:
,Würde man die vom Verbund ermittelten und an das Ministerium gemeldeten stranded investments in Höhe von rund 42 Mrd. ATS
wie in Massachusetts für die nächsten 10 Jahre auf die derzeit diskutierte Netzgebühr aufschlagen, wären das vergleichsweise niedrige
12 g/kWh".

Für den Verbund ist vor diesem internationalen Hintergrund
die derzeit in Österreich geführte Diskussion über stranded investments nicht nachvollziehbar. Konkret fordert
Schröfelbauer ,eine möglichst rasche und vollständige
Anerkennung der vom Verbund gemeldeten und auch klar
begründeten stranded investments sowie eine rasche Regelung für die Verrechnung dieser Kosten." Ein Aufschlag auf die
zukünftige Netzgebühr, der gesondert ausgewiesen wird, sei
dabei ein gangbarer Weg.

Start mit Hindernissen

Nach Meinung Schröfelbauers ist auch der zu Zeit vorliegende Entwurf zum Elektrizitätswirtschafts- und -
organisationsgesetztes für den Verbund ein schweres Handikap
für den Start im liberalisierten Strommarkt. ,Das ElWOG setzt
uns als einziges EVU in Österreich zu 100 Prozent dem
Wettbewerb aus, da alle unsere Kunden ab Inkrafttreten des
Gesetztes ,zugelassene Kunden" werden, und damit ihren Stromlieferanten frei wählen können. Die anderen EVU bewegen
sich aber nach wie vor in geschützten Märkten." Was den Grad
der Marktöffnung angehe, übertreffe das ElWOG bei weitem die
von der EU geforderten Maßnahmen. ,Damit öffnet man
ausländischen EVU Tür und Tor. Sie können in Österreich in
jenem Verdrängungswettbewerb mitmischen, von dem sie selbst in ihren Heimatländern weitgehend verschont sind."

Absage an umweltfreundliche Energie?

Mit den Entwurf zum ElWOG versetzt man jedoch nicht nur dem Verbund, sondern auch dem Umweltschutzgedanken einen Dämpfer. Schröfelbauer: "Wir haben Milliarden in den Ausbau der
Wasserkraft, einen erneuerbaren und umweltverträglichen Energieträger, gesteckt. Nun wird unsere Forderung nach Schutz dieser Wasserkraft nicht im nötigen Maße berücksichtigt. Damit stehen wir ab 1999 mit unserem sauberen Wasserkraftstrom in
direkter Konkurrenz zum Atomstrom. In einem Land, das der Kernenergie eine Absage erteilt hat, ist das geradezu absurd."

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