OeNB - Die öst.Zahlungsbilanzstatistik ab Jän.1998 in neuer Form

Wien (OTS) Wie auch aus Medienberichten bekannt, sind
aufgrund der Intensivierung der internationalen
Handelsbeziehungen sowie der engen Verflechtung der
Finanzmärkte die Anforderungen an Statistiken hinsichtlich Genauigkeit, Detaillierung und Aktualität gestiegen. Zusätzlich wurden auf internationaler und europäischer Ebene die Arbeiten
auf dem Gebiet der Statistiken unter dem Blickwinkel der Harmonisierung verstärkt.

Aus der Sicht einer Zahlungsbilanzstatistik können folgende
zwei Beispiele genannt werden: Ein vom IWF geforderter "Datenstandard", auf dessen Basis verbesserte Informationen
über ein Land zur Verfügung stehen sollen, und jene
Anforderungen, die sich aus den Vorbereitungsarbeiten für die
3. Stufe der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion
ergeben. In beiden Fällen wird eine verbesserte
Vergleichbarkeit von Statistiken angestrebt.

Die Umstellung der österreichischen Zahlungsbilanzstatistik erfolgt mit Beginn des Jahres 1998. In Zukunft werden neben monatlichen Zahlungsbilanzdaten, die eine verkürzte, schnelle Information bieten, auch quartalsweise Zahlungsbilanzdaten, die
mehr Information enthalten, der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Eine Rückrechnung der Vergangenheitsdaten nach dem
neuen Konzept stellt sicher, daß Analysen nicht durch
statistische Effekte wie Datenbrüche beeinträchtigt werden.

Der Schwerpunkt der Qualitätsverbesserung liegt in der Erstellung und Veröffentlichung einer quartalsweisen Zahlungsbilanzstatistik. Diese Darstellung der außenwirtschaftlichen Transaktionen ist periodenrichtig. Verzerrungen durch leads and lags werden vermieden und nachträgliche Meldungen sind periodenrichtig enthalten. Der gegenüber der monatlichen Information erhöhte
Detaillierungsgrad unterstützt die internen und externen analytischen Arbeiten.

Die Umstellung besteht sowohl in einer Veränderung der Präsentationsformen der Zahlungsbilanzstatistik als auch in geänderten inhaltlichen Abgrenzungen einzelner Zahlungsbilanzpositionen. Diese Änderung inhaltlicher
Abgrenzungen wirkt sich auch auf die großen Teilaggregate "Leistungsbilanz" und "Kapitalbilanz" aus.

Basierend auf internationalen und EU weiten Konventionen
ist die "Leistungsbilanz" als Indikator für
"Leistungen an das / vom Ausland" (Einkommen) darzustellen.
Deshalb wird die österreichische Leistungsbilanz in Hinkunft
auch die reinvestierten Gewinne aus Direktinvestitionen
enthalten. In vielen europäischen Ländern wurde dieses Konzept bereits umgesetzt, wie z.B. in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien, Finnland aber auch in großen überseeischen OECD Ländern wie USA, Kanada und Japan. Dabei handelt es sich um
jene Erträge, die nicht an den Investor ausgeschüttet, sondern
als Stärkung des Eigenkapitals im Unternehmen verbleiben.
Bisher wurden in der österreichischen Leistungsbilanz nur die tatsächlich ausbezahlten Gewinne gezeigt, d.h. die an das bzw.
aus dem Ausland überwiesenen Erträge. Umgekehrt werden jene Komponenten aus der Leistungsbilanz herausgenommen, die mit
keiner Leistung in Verbindung stehen. Als Beispiel können hier Schenkungen, Erbschaften, Effekte der Ein- / Auswanderung
genannt werden, ebenso wie Rückflüsse aus der EU, die der Strukturverbesserung dienen, wie die Förderung von Ziel - 1 -Gebieten. Die genannten Transaktionen findet man im neuen Teilaggregat "Vermögensübertragungen".

Die "Kapitalbilanz" zeigt in Zukunft unter der Position "Direktinvestitionen" in einer Gegenbuchung die Veranlagung der reinvestierten Gewinne. Eine weitere wesentliche die
Veränderung der inhaltlichen Abgrenzung ergibt sich aus der Einbeziehung der "Veränderung der offiziellen Währungsreserven"
in die Kapitalbilanz. Die neue Kapitalbilanz mißt somit die
gesamte transaktionsbedingte Veränderung der Internationalen Vermögensposition Österreichs (Bestand an Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland). Auch diese
Vorgangsweise geht auf internationale Anforderungen zurück.

Da die entsprechenden Arbeiten mit zusätzlichem Aufwand verbunden sind, werden die Quartalsdaten mit einer
Zeitverschiebung von 3 Monaten zur Verfügung stehen. Auch dies steht im Einklang mit internationalen Vorgaben.

Die gemeinsam mit dem Europäischen Währungsinstitut erarbeiteten "Statistischen Anforderungen für die 3. Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion" sehen eine aktuelle, monatliche Zahlungsbilanzstatistik des EURO Gebietes vor, die aus den nationalen Daten der Mitgliedsländer errechnet wird. Sie dient
als statistische Basis für währungspolitische Entscheidungen.

Diese Anforderung wird in Österreich durch die Erstellung
einer monatlichen Zahlungsbilanz 6 Wochen nach dem
Berichtsmonat erfüllt. Da Aktualität und Qualität nicht in gleichem Ausmaß erfüllt werden können, handelt es sich bei
dieser Statistik um eine sogenannte Cash-Bilanz. Sie basiert weitgehend auf Zahlungsströmen und weist einen geringeren Detaillierungsgrad auf. Dies hat zur Folge, daß die Summe aus
drei Monaten nicht den entsprechenden Quartalswert der Zahlungsbilanz ergibt.

Um für die interessierten Österreicher denselben Informationsstand wie für die Europäische Zentralbank sicherzustellen, wird diese monatliche Statistik auch in
Österreich veröffentlicht.
Ein ausführlicher Bericht über die Umstellung der Zahlungsbilanzstatistik wird in den Monatsberichten 3/1998 der
OeNB (Erscheinungstermin Mai 1998) publiziert.

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