Fischler: Von der Osterweiterung werden beide Seiten profitieren

Nur die Integration der Beitrittsländer kann Lohn- und Standardgefälle gegenüber EU beseitigen

Wien (PWK) - Österreich soll die Chancen im Vorfeld der EU-Osterweiterung optimal nutzen, empfahl EU-Kommissar Franz Fischler bei einem Vortrag vor dem Club Internationale Wirtschaft in Wien. Seiner Ansicht nach sei nicht so sehr die Diskussion um das Datum der Erweiterung vordringlich, als vielmehr die Frage: was hat alles in der Vorbreitungsphase zu geschehen? Die Kandidatenländer müssen ihre Wirtschaft auf EU-Standard anheben. Dazu seien viele Investitionen und der Ausbau der Infrastrukturen nötig. Österreich könne hier als Know-How-Geber und Berater auftreten. ****

Die EU beabsichtigt, das Mittel- und Osteuropaprogramm PHARE auch nach dem Jahr 2000 weiterzuführen, so Fischler. Die derzeitigen Mittel von 1,5 Mrd. Ecu (rund 20,8 Mrd. S) pro Jahr sollen jährlich durch eine Mrd. Ecu für Strukturfonds und ein halbe Mrd. Ecu für die Landwirtschaft ergänzt werden.

Österreich werde jetzt seine Rolle als Brücke zu Mittel- und Osteuropa besonders unter Beweis stellen können, was im Hinblick auf die bevorstehende EU-Präsidentschaft sehr wichtig sei. "In Brüssel glaubt man an die Brückenfunktion Österreichs" (Fischler).

Zu den Klagen, österreichische Produkte seien gegenüber Erzeugnissen aus den Beitrittsländern wegen dem Lohn- und Standardgefälle benachteiligt, meint Fischler, daß diese Nachteile am besten durch die EU-Integration zu beseitigen seien. Fischler:
"Sobald diese Länder EU-Mitglieder sind, sind sie auch gezwungen, die Unterschiede gegenüber den anderen EU-Ländern zu harmonisieren". Im Falle der "Nicht-Erweiterung" würde hingegen für westliche Unternehmer der Anreiz, in die MOEL abzuwandern, bestehen bleiben.

Für die Erhaltung der globalen Wettbwerbsfähigkeit des europäischen Standortes mißt die EU-Agenda 2000 dem Bereich Forschung und Entwicklung vorrangige Bedeutung zu, betont Fischler. Wenn Österreich seinen Standortvorteil sichern will, müsse es sich verstärkt in modernen Technologien engagieren. Es dürfe nicht nur darum gehen, die betreffenden EU-Fonds auszunützen, sondern um die Entscheidung, auf welche Zukunftstechnologien Österreich setzen will.
(Schluß) RL

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