Klestil sichert den Ländern Osteuropas bei der EU-Osterweiterung volle Unterstützung zu

EU-Osterweiterung schafft auch in Österreich neue Arbeitsplätze

Wien (OTS) - In seiner Eröffnungsrede zum zwei Tage dauernden RZB-Osteuropa-Forum "Europa ohne Grenzen" unterstrich Bundespräsident Dr. Thomas Klestil heute die Bedeutung bei der EU-Osterweiterung. Klestil: "Was immer über die österreichische Haltung zur EU-Erweiterung gesagt oder geschrieben wird, so gibt es für mich doch keinen Zweifel daran, daß wir diesen historischen Prozeß in vollem Ausmaß unterstützen werden. Das liegt in unserem eigenen Interesse und im Interesse Europas. Österreich spielt bei der zweiten Hälfte des Jahres, wenn Österreich die EU-Präsidenschaft innehabe, sei die Regierung dazu aufgerufen, eine konstruktive Rolle beim Vorantreiben der Erweiterung zu spielen. Klestil betonte, daß die Osterweiterung Österreich politisch und wirtschaftlich ins Zentrum Europas rücke. So habe Österreich durch den Beitritt der Länder Zentral- und Osteuropas viel zu gewinnen. Klestil warnte allerdings sowohl die Mitglieder der Europäischen Union als auch die Beitrittskandidaten davor, das Ausmaß der bevorstehenden Arbeit zu unterschätzen. Damit ein gemeinsames Europa kein Traum bleibe, sei es notwendig, nicht nur die Grenzbalken abzubauen, sondern auch die Barrieren in den Herzen zu überwinden.

Um die Länder Zentral- und Osteuropas in die Europäische Union zu bringen, seien Führung, Vorstellungsvermögen und Regeln erfoderlich. Die Erweiterung sei der einzig sichere Weg, die Spaltungen der Vergangenheit zu überwinden und ganz Europa Stabilität und Wohlstand zu bringen. Denn nach der Ostöffnung sei die Rückkehr von Gewalt und Zerstörung am Balkan ein harter Test für die europäische Idee. Klestil: "Österreich ist ein Tor nach Osteuropa. Wir müssenden Beitrittskandidaten unsere volle Unterstützung beweisen. Das starke Auftreten einer österreichischen Bank zeigt, daß wir einiges zu gewinnen haben. Ich glaube, daß die Geschichte unsere Generation daran beurteilen wird, welche Anstrengungen wir auf uns nehmen, um dieses vereinte und friedliche Europa zu errichten."

Dr. Walter Rothensteiner, Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank Österreich (RZB) betonte in seiner Eröffnungsansprache, daß die EU-Osterweiterung nun keine Illusion mehr sei. Rothensteiner:
"Wir wollen einen positiven Dialog zur Erweiterung führen. Die RZB hat Interesse an dieser Region. Seit zehn Jahren ist unsere Bank in Osteuropa vertreten. Zur Zeit betreiben wir in sieben Ländern 65 Bankstellen, die 2500 Mitarbeiter beschäftigen und in naher Zukunft werden zwei Töchter in der Ukraine und Rumänien die Arbeit aufnehmen. Das zeigt: Wir wollen in dieser Region sein."

In der ersten Diskussionsrunde besprachen EU-Kommissar Franz Fischler, Wirtschaftsminister Hannes Farnleitner und die ehemalige polnische Premierministerin und derzeitige Justizministerin Hanna Suchocka die bevorstehenden Chancen und Probleme der Osterweiterung.

Franz Fischler versprach im Namen der EU die Verhandlungen in den nächsten zehn Jahren voranzutreiben. Auf die Frage angesprochen, zu welchem Zeitpunkt er an die erste Aufnahme osteuropäischer Länder glaube, sagte Fischler: "Unser interner Plan sieht den Zeitraum von 2000 bis 2006 vor. Eine erste Erweiterung wird es wahrscheinlich 2003 geben." Österreich habe die Chance als Vermittler und Mediator aufzutreten. Prinzipiell glaube er, daß Österreich diese Chance bereits nütze, wenn auch vielleicht nicht intensiv genug. Fischler:
"Die Angst durch die Erweiterung an Lebensstandard zu verlierenist unbegründet. Ein fairer Wettbewerb bringt beiden Seiten Vorteile."

Die polnische Justizministerin Hanna Suchocka betonte, daß die Vorbereitungen Polens bisher sehr erfolgreich verlaufen seien. Suchocka: "Wir sind bereit den Herausforderungen des Marktes gegenüberzutreten. In der EU kann das Einkommensgefälle zwischen der EU und Osteuropa verringert werden. Polen wird viele Probleme vor einem Beitritt lösen, viele können aber erst danach gelöst werden. Österreich spielt seine Rolle als Vermittler gut. Wir spüren eine starke Unterstützung durch Österreich. Diese spüren wir auch gerade in diesem Augenblick."

Wirtschaftsminister Hannes Farnleitner mahnte die Länder Osteuropas ihre Hausaufgaben bei der Vorbereitung zum Beitritt rechzeitig zu erledigen. Farnleitner: "Wir sind die Nettogewinner der Erweiterung. Es muß aufgehört werden, Ängste zu schüren. Zur Zeit haben wir in den osteuropäischen Ländern hohe Preise und niedrige Löhne. Daher muß das Kapital in Bewegung versetzt werden, damit sich nicht die Menschen in Bewegung setzen."

RZB-Generaldirektor Dr. Walter Rothensteiner wies in seinem Beitrag auf die durch die Erweiterung entstehenden Chancen am österreichischen Arbeitsmarkt hin. Rothensteiner: "Ich darf Ihnen das Beispiel der RZB nennen: Wir haben durch unsere Aktivitäten in Osteuropa etwa 150 neue Jobs in unserer Zentrale in Wien geschaffen. Wir schaffen also zugleich Arbeitsplätze in Österreich und in Osteuropa."

Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, daß die EU-Osterweiterung eine Chance und keine Bedrohung darstelle undauf beiden Seiten neue Arbeitsplätze geschafft werden könnten. Farnleitner dazu: "Bereits jetzt hätten wir in Österreich ohne die osteuropäischen Joint Ventures tausende qualifizierte Jobs weniger. Durch die Joint Ventures haben wir in Österreich multinationale Unternehmen geschaffen." Um der Bevölkerung die Ängste vor einem sinkenden Lebensstandard zu nehmen, seien Problematisierung und Aufklärung notwendig. Wirtschaftsminister Farnleitner rief die Unternehmer dazu auf, ihre Mitarbeiter über die Chancen der EU-Osterweiterung zu informieren. Rothensteiner dazu: "Wir schaffen Indformation. In unserem Geschäft müssen wir beweisen, daß das interessante Märkte sind und daß von der Osterweiterung beide Seiten profitieren."

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