GLOBAL 2000: Offener Brief an Bundeskanzler Klima zum AKW Mochovce anläßlich des Gipfelgesprächs mit Premier Meciar

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Bundeskanzler!

Zwölf Jahre nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl ist kein einziger der Risikoreaktoren vom Netz genommen worden. Damals - am 26. April 1986 - hat sich die bisher größte bekanntgewordene Katastrophe der zivilen Atomtechnologie zugetragen - mit Auswirkungen, die weit über den heutigen Tag hinausgehen.

Am kommenden Montag verhandeln Sie, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, mit Ihrem slowakischen Amtskollegen Vladimir Meciar über das AKW Mochovce. Sie wissen, daß sich mehr als 1,2 Millionen Menschen mit ihrer Unterschrift gegen dieses AKW ausgesprochen haben. Für Ihre bisherige Bemühungen - auch im Interesse dieser 1,2 Millionen Menschen - möchten wir Ihnen danken.

Der zwischen Ihnen und Premier Meciar letztes Jahr vereinbarte Lokalaugenschein im AKW Mochovce muß - wie geplant - zwischen 5. und 7. Mai stattfinden. Es muß garantiert sein, daß dem internationalem Expertenteam ungehinderter Zutritt gewährt wird. Darüberhinaus ist es notwendig, eine Verbindlichkeit der Ergebnisse einzufordern:

1. LOKALAUGENSCHEIN: Das internationale Expertenteam muß ungehinderten Zutritt zu allen Bauabschnitten bekommen. Der slowakische Kraftwerksbetreiber SE hat in angemessener Frist vor dem Walkdown die nötigen Unterlagen zum AKW zur Verfügung zu stellen.

2. ÖFFENTLICHKEIT: Es ist sicherzustellen, daß die Ergebnisse des Lokalaugenscheins umfassend und ohne Verzögerung veröffentlicht werden.

3. VERBINDLICHKEIT DER ERGEBNISSE: Es ist zu fixieren, daß etwaige Sicherheitsmängel, die das internationale Expertenteam feststellt, behoben werden. Darüberhinaus muß Österreich im Falle grober Sicherheitsdefizite auf die Unterbrechung der Brennstoffbeladung und die Verschiebung der Inbetriebnahme bestehen.

4. EU-KOMPATIBILITÄT: Österreich muß seine Rolle in der EU -insbesondere als "Brückenkopf" zu seinen Nachbarn im östlichen Mitteleuropa - klar darlegen, um zumindest einen mittelfristigen Ausstieg aus der risikoreichen Nutzung der Atomenergie zu erwirken.

5. ALLIANZEN IN DER EU: Österreich muß gezielt Bündnispartner in der EU suchen, die gegen Weiterbetrieb und Inbetriebnahme von Risikoreaktoren auftreten. Gleichzeitig sind Staaten, die der Atomkraft ablehnend gegenüberstehen, von der Notwendigkeit eines engagierten Auftretens zu überzeugen.

6. AUSSTIEGSPAKET: Österreich soll das unter Kanzler Vranitzky der Slowakei angebotene 500-Millionen Ausstiegspaket erneuern und auf EU-Ebene Mittel für die Förderung von Alternativenergie einfordern.

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, gerade zum Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl ersuchen wir Sie, diese Punkte beim bevorstehenden Gipfelgespräch am Montag mit Premier Meciar als zentrales Interesse Österreichs zu thematisieren.

Mit freundlichen Grüßen

Manuela Kräuter,Anti-Atom-Sprecherin GLOBAL 2000
Anita Voraberger, Pressesprecherin GLOBAL 2000

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