EU-Osterweiterung und Österreichs Wirtschaft:

Experten über Chancen und Risiken

St.Pölten (NLK) - Die Chancen und Risiken für Österreichs Wirtschaft bei einer Osterweiterung der Europäischen Union waren gestern abend Thema einer Expertendiskussionsrunde in der NÖ Betriebsansiedlungsgesellschaft ECO PLUS. Dkfm. Theodor Krendelsberger, Hauptgeschäftsführer der ECO PLUS, meinte, die Osterweiterung bringe große Vorteile für den Wirtschaftsstandort Niederösterreich. Die Bundesländer Wien, Niederösterreich und Burgenland müßten gemeinsam eine neue, dynamische Wirtschaftsregion mit Ungarn, Tschechien und der Slowakei vorbereiten, um die Integration dieser Länder aktiv
mitzugestalten. Niederösterreich liege dann im Zentrum einer der größten Wachstumsregionen im weltweit größten Binnenmarkt. Prof. Dr. Helmut Kramer vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung hält die Osterweiterung für ökonomisch sinnvoll, obwohl die Kosten eines vereinten Europa groß wären. Die Märkte im Osten würden der österreichischen Wirtschaft offen stehen, die Infrastruktur würde laufend verbessert. Die Mitgliedsstaaten der EU seien aber bis jetzt zu wenig vorbereitet. Laut Kramer sind die besonderen Probleme die Freizügigkeit des Arbeitsmarktes, die Niederlassungsfreiheit und die noch nicht in Angriff genommenen Reformen der EU-Institutionen und der Agrar-
und Strukturpolitik. Der Wirtschafts- und Industriesprecher der Freiheitlichen, Nationalratsabgeordneter Dipl.Ing. Thomas
Prinzhorn, trat dafür ein, daß vor einer EU-Osterweiterung Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialstandards angeglichen werden müßten, die EU institutionell reformiert werden müsse und die Randgebiete besonders gefördert werden müßten. Die Investitionen und die Dynamik der Märkte in Ost- und Mitteleuropa hätten Arbeitsplätze in Österreich abgesichert, die Regionen entlang der Grenze hätten von der Ostöffnung profitiert.

Der Direktor der Arbeiterkammer Niederösterreich, Nationalratsabgeordneter Mag. Herbert Kaufmann, verdeutlichte die Problematik einer EU-Osterweiterung mit einigen Zahlen: Mit den Beitrittskandidaten Ungarn, Polen, Estland, Tschechien und
Slowenien würde zwar die Bevölkerung um 17 Prozent, das Bruttoinlandsprodukt jedoch nur um 3 Prozent steigen. Auch das Lohnniveau sei um ein Vielfaches niedriger. Kaufmann hält
besonders den gemeinsamen Arbeitsmarkt mit dem freien Personenverkehr für problematisch: Zuerst müßten Sozialstandards, Lohnniveau und Interessenvertretungen den Kriterien der westlichen Mitgliedsstaaten entsprechen. Diese Bereiche müßten ohne Zeitdruck verhandelt werden. Er erinnerte daran, daß auch Spanien, Portugal und Griechenland damals mit langen Übergangsregeln in diesem Bereich in die EU aufgenommen worden seien.

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle
Tel.: 02742/200/2172

Niederösterreichische Landesregierung

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NLK/NLK