Das New Europe College, Bukarest, erhält den Hannah Arendt-Preis 1998

Wien (OTS) - Das Institut für die Wissenschaften vom Menschen (Wien) und die Körber-Stiftung (Hamburg) geben bekannt, daß der diesjährige Hannah Arendt-Preis, mit dem außergewöhnliche Reformleistungen auf dem Gebiet von Lehre und Forschung in Ostmitteleuropa ausgezeichnet werden, an das New Europe College in Bukarest (Rumänien) verliehen wird. Der mit 300.000 DM dotierte Preis wird am 9. Juni im Palais Schwarzenberg in Wien im Rahmen eines Festaktes überreicht.

Im Rahmen der Festveranstaltung wird Anthony Giddens, Direktor der London School of Economics, einen Vortrag halten mit dem Titel "Universities in a Time of Change."

Der Hannah Arendt-Preis wurde 1994 gemeinsam vom Institut für die Wissenschaften vom Menschen und von der Körber-Stiftung ins Leben gerufen, um richtungsweisende Ansätze zur Erneuerung der institutionellen Grundlagen von Lehre und Forschung in den Reformstaaten Ostmitteleuropas zu unterstützen. Benannt nach Hannah Arendt, deren Denken wesentlich zum heutigen Verständnis der Prinzipien von Freiheit und Demokratie beigetragen hat, will der Preis in einem Bereich Reformimpulse geben, der für die Entwicklung offener, freier und demokratischer Strukturen in den betreffenden Ländern von entscheidender Wichtigkeit ist.

Das New Europe College

Das New Europe College (NEC) in Bukarest, ein kleines Institute for Advanced Study mit geistes- und sozialwissenschaftlichem Schwerpunkt, wurde von dem Philosophen und Kunsthistoriker Andrei Plesu gegründet, 1990/91 Kulturminister und derzeit Außenminister Rumäniens, um dem intellektuellen und wissenschaftlichen Nachholbedarf im Rumänien nach Ceausescu Rechnung zu tragen. Die Idee war, eine Umgebung zu schaffen, in der eine Gruppe junger Wissenschaftler ihre Forschungsvorhaben unter ähnlichen Bedingungen wie im Westen verfolgen können. Neben dem "NEC Fellowships Program" wurde 1996 ein zweites Programm namens "Relink" geschaffen. Es soll Wissenschaftlern, die einige Zeit im Ausland verbracht und nun ihre Forschungen und Studien dort beendet haben, die Reintegration und Neuorientierung in Rumänien erleichtern.

Beide Fellowship-Programme zielen auf spezifische Probleme von Wissenschaft und Forschung in Rumänien: sie wollen u.a. dazu beitragen, dem "Brain-Drain" Einhalt zugebieten, lokale wissenschaftliche Vorhaben mit solchen in fortgeschritteneren Ländern abzustimmen, engere Kontakte zwischen den "scientific communities" zu entwickeln und einen multidisziplinären Dialog anzuregen.

Das New Europe College fühlt sich darüber hinaus einem Begriff von Europa verpflichtet, der die geistigen europäischen Ideale und Traditionen, die in den Jahren der kommunistischen Herrschaft praktisch ausgelöscht wurden, wiederbeleben könnte.

Für die 60 Fellows, die inzwischen ans NEC eingeladen worden sind, war und ist das College ein wichtiger Ort, an dem sie ihre intellektuelle Kreativität ausleben und offen und kritisch diskutieren können. Viele dieser jungen Wissenschaftler zählen inzwischen zur akademischen Elite im postkommunistischen Rumänien. Innerhalb von nur vier Jahren ist das NEC zu einem Zentrum geistiger Anregung geworden, zu einem Ort, an dem intellektuelle excellence nicht nur produziert wird, sonder der wesentlich zu ihrer nachhaltigen Einbindung in Forschung und Lehre beiträgt.

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