Immobilienmakler fordern Umdenken im Fördersystem

Steller: "Wohnen muß wieder leistbar werden" Fördersystem auf Subjektförderung umstellen

Wien (PWK) - Immer weniger Österreicher können sich ihre Wohnung leisten. Mietzinsrückstände und Delogierungen sind die Folge. Hier wollen die Immobilienmakler nun den Hebel ansetzen. "Das Wohnen muß auch für niedrigere Einkommensschichten wieder leistbar werden. Dazu brauchen wir ein Umdenken im Fördersystem. Die Zeit, Gebäude und Nutzflächen zu fördern ist endgültig vorbei. Es müssen endlich die Menschen gefördert werden, die darin wohnen, und zwar nach ihren Einkommens- und Familienverhältnissen", erklärte Gerhard Steller, Bundesinnungsmeister der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, anläßlich der Eröffnung der Immobilienmesse "Domizil '98" am Freitag in Wels. ****

Steller schlägt vor, die Objekt-Förderung weiter zurückzudrängen und die Subjektförderung zu forcieren. Die Gemeinnützigen sollten zu ihrer ursprünglichen Aufgabe zurückfinden und Wohnungen für jene schaffen, die sich nicht am Markt bedienen können. Steller appellierte, nicht nur Wohnungen zu bauen, um Bauvolumen zu schaffen und in der Statistik mit Quadratmetern zu punkten, sondern Wohnungen, die auch verkauft oder vermietet werden können und die sich die Bewohner auch leisten können. Bereits bei der Planung soll in Zukunft verstärkt auf günstige Betriebskosten geachtet werden.

Die Kommunen rief Steller auf, endlich maßzuhalten und die öffentlichen Abgaben nicht weiter zu erhöhen. Zwar gab es in Wels im letzten Jahr keine nennenswerten Steigerungen, in Linz wurde jedoch vor drei Tagen eine Erhöhung der Müllabfuhrkosten um 16% beschlossen.

Steller zeigt in seiner Rede auch einige Trends auf, an denen sich die Immobilientreuhänder in Zukunft orientieren sollten. So könnte nach dem Motto "Wohne dort, wo du arbeitest oder arbeite dort, wo du wohnst" viel Zeit, Ärger und Treibstoff gespart werden. "Man wird versuchen müssen, neben der Arbeitsstätte Wohnungen zu errichten, wobei das eine das andere nicht stören darf", so Steller. Weiters muss bei der Planung von Wohnungen in Zukunft an Telearbeitsplätze gedacht werden. Datenleitungen müssen nicht nur vorhanden, sondern auch preisgünstig sein.

"Obwohl der Immobilientreuhänder gerade im sensiblen Bereich des menschlichen Lebens, nämlich Wohnen und Besitz, mit seiner Kompetenz einen entscheidenden Beitrag zum Wohlbefinden jedes einzelnen leisten kann ist den Menschen in unserem Land häufig nicht bewußt wie viele Vorteile und welchen Nutzen sie von den Immobilientreuhändern haben", erklärte Steller. Die Anforderungen an den Makler werden immer umfangreicher. Die Vielfalt der bestehenden und neue gesetzlichen Bestimmungen verlangt nach einer umfassenden Aus- und Weiterbildung. Steller nannte in diesem Zusammenhang die äußerst erfolgreiche Einführung der "Immocard" -leider bisher nur- in Oberösterreich. Als eine Art Gütesiegel wird dem Kunden signalisiert, daß er es mit einem ausgebildeten Makler zu tun hat, der sich auch laufend weiterbildet und besonders haftpflichtversichert bei Vermögensschäden ist.

Was die Umstellung auf den Euro betrifft, so sprach sich Steller dafür aus, diese so einfach und unproblematisch wie möglich zu gestalten. Steller warnte davor, den Konsumenten mit einer Vielzahl von möglicherweise verwirrenden Daten 'zwangszubeglücken'.

"Ich bin überzeugt, daß sich viele, die jetzt noch unentschlossen sind, knapp vor der Euro-Einführung für eine Investition in Eigentum entscheiden werden. Trotz sinkender Preise wird der Trend vom Sparbuch zum Grundbuch weiter anhalten. Die Talsohle bei den Immobilienpreisen ist erreicht. Wer jetzt kauft, kauft am günstigsten", schloß Steller.
(Schluß) MH

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