Die Schwarzerle: Baum des Jahres 1998

Wien (OTS) - Land- und Forstwirtschaftsminister Willi Molterer und Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Kuratorium "Rettet den Wald" präsentieren heute den Baum des Jahres 1998: Die Schwarzerle.

Die Schwarzerle ist ein typischer "Wasserbaum", den man nur mehr an wenigen Standorten finden kann. Sie steht daher auf der roten Liste der besonders gefährdeten Baumarten in Österreich.

Ziel der gemeinsamen Aktion: Die ökologischen Lebensgrundlagen für die Schwarzerle, naturnahe Fluß- und Bachlandschaften, Auwälder, Moore und Feuchtgebiete, müssen nachhaltig gesichert werden, so Heilingbrunner. Zusätzlich soll ein Maßnahmenkatalog, wie Revitalisierung von Flüssen und Bächen, neue Auwälder und Uferstreifen sowie neuer Überflutungsraum, neuen Lebensraum für die Schwarzerle schaffen. Dieses "Netzwerk des Lebens" für die Schwarzerle hat auch eine Schlüsselfunktion für die Sicherung unseres Grund- und Trinkwassers, so Bundesminister Molterer.

Seit 1994 führt das Kuratorium "Rettet den Wald" gemeinsam mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft die Aktion "Baum des Jahres" durch. Ziel der Aktion ist es, auf die Bedeutung und Gefährdung einer heimischen Baumart hinzuweisen und darüberhinaus die ökologische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung eines gesunden Waldes verstärkt bewusst zu machen. Nach der Tanne 1994, der Linde 1995, der Buche 1996 und der Fichte 1997 wurde 1998 die Schwarzerle zum "Baum des Jahres" auserkoren.

Die Schwarzerle

Wurden bislang forstwirtschaftlich bedeutende Bäume, wie die Fichte und die Buche in den Vordergrund gestellt, so wird mit der Schwarzerle das Augenmerk heuer auf eine weniger bekannte Baumart gelegt. Die Schwarzerle als Bewohner von Flussauen und Uferbereichen verträgt von allen unseren heimischen Baumarten die meiste Bodenfeuchtigkeit und gilt daher als typischer "Wasserbaum". Diese ökologisch bedeutsame Baumart, früher weit verbreitet, ist durch den Menschen sehr stark zurückgedrängt worden.

Neben Baumarten wie Eibe, Feldulme, Speierling und Moorbirke steht auch die Schwarzerle auf der Roten Liste der gefährdeten Baum- und Straucharten Österreichs. Verursacher dieses Artensterbens ist neben den überregionalen Ursachen - wie Luftschadstoffe und Klimaänderung -der Entzug der ökologischen Lebensgrundlagen für die einzelnen Baumarten. Wirksame gesetzliche Regelungen - auch auf internationaler Ebene - zur Reduktion von Schadstoffen und der nachhaltige Schutz der Lebensräume dieser Baumarten sind für die Erhaltung der gefährdeten Arten unumgänglich. Ein umfassender Artenschutz ist nur durch wirksame Biotopschutzmaßnahmen gewährleistet.

Gefährdete Lebensräume

Moorgebiete, Flussauen, uferbegleitende Gehölzsäume, Verlandungsbereiche und Feuchtwiesen zählen zu jenen wertvollen Lebensräumen, die stark im Rückgang begriffen sind. Gerade diese Biotope sind aber für die Erhaltung der genetischen Diversität unersetzlich und leisten als gestaltende Elemente einen wesentlichen Beitrag zur landschaftlichen Vielfalt. Nur mehr an wenigen Stellen in Österreich existieren größere Bestände der Schwarzerle - sogenannte Schwarzerlenbruchwälder. Vielerorts sind die Bruchwälder intensiven Flussbegradigungs- und Entwässerungsmaßnahmen zum Opfer gefallen. Nicht nur die Schwarzerle selbst, sondern auch zahlreiche Tier- und Pflanzenarten - Wasservögel, Amphibien, Libellen und Sumpfpflanzen -sind durch die Vernichtung dieser Standorte im Rückgang begriffen.

Ökologisch - ökonomische Forstwirtschaft

Die tiefwurzelnde, bodenverbessernde Baumart findet man im Klein-und Bauernwald. Als Stickstoffsammler und "Nährstoffpumpe" ist sie eine wertvolle Mischbaumart in bodenfeuchten Laubmischwäldern. Obwohl sie ein schön gemasertes und unter Wasser dauerhaftes Holz liefert, führte sie bislang in der Forstwirtschaft ein Schattendasein. Erst in jüngster Zeit ist man auf die Vorzüge von Schwarzerlenholz aufmerksam geworden und setzt sie vermehrt im Möbelbau ein. Aufgrund der steigenden Nachfrage muss der Bedarf in Österreich größtenteils mit Importen abgedeckt werden. eine Förderung dieser Baumart wäre daher sowohl von ökologischem wie auch von ökonomischen Interesse.

Hoffnung für die Schwarzerle

Im Wasserbau ist eine positive Tendenz zu bemerken: Weg vom Blockwurf - hin zur naturnahen Ufergestaltung mit ausschlagfähigen Baumarten. Die auf diese Weise revitalisierten Flüsse garantieren den Fortbestand einer auf Feuchtlebensräume angewiesenen Pflanzen- und Tierwelt. Diese richtungsweisende Entwicklung in der Kulturtechnik und Landschaftsplanung gibt Hoffnung, dass die Schwarzerle und ihr Lebensraum wieder zu neuer Geltung gelangen.

(Siehe auch APA/OTS-BILD)

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Mag. Johanna Stadler
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