"Hospiz statt Euthanasie" - Caritasgedanken zum Karfreitag

Wien, 9.4.1998 (car-pd)
"Die richtige Antwort auf Leid am Ende des Lebens ist Zuwendung, nicht Sterbehilfe", sagt der Wiener Caritasdirektor Michael Landau. "Die beste Art, Leiden zu verkürzen, ist die Kombination von menschli-cher Nähe und professioneller Hilfe. Aus Erfahrung wissen wir, daß Menschen, die am Ende ihres Lebens schmerzfrei sind und über ihre Hoffnungen und Ängste sprechen können, keine Euthanasie wollen.

In der Caritas Hospizarbeit sind wir darum bemüht, Sterbenden eine Lebenschance zu geben. Sie brauchen Schutz vor Bevormundung und falschem Mitleid. Und das Erstaunliche dabei ist: Sie haben oft mehr Mut zur Realität als die Menschen in ihrer Umgebung. Das Mobile Hospiz Team der Caritas hilft, das Menschenrecht von Sterbenden zu wahren, ihr Leben bewußt abzuschließen und Begonnenes zu Ende zu bringen."

Caritasdirektor Michael Landau appelliert deshalb an die Politiker, sich dafür einzusetzen, daß der Hospizgedanke in den Spitälern, in Pflege-heimen und bei der Mobilen Betreuung gefördert wird. Es sei eine menschliche Verpflichtung, jenen, die in der letzten Lebensphase ste-hen, ihre grundlegenden persönlichen Bedürfnisse nicht zu verweigern.

"Unnötige bürokratische Hürden für Menschen, die ohnehin schon viel ertragen müssen", sieht der Chefarzt der Wiener Caritas und des Mobilen Caritas Hospizes, Franz Zdrahal. Es sei unzumutbar, daß An-gehörige von Todkranken oft monatelang auf die Pflegegeldbewilligung warten müssen und bei bestimmten Medikamenten und Pflegehilfsmit-teln für jede einzelne Verschreibung die chefärztliche Bewilligung ein-holen müssen. Zdrahal fordert daher "Pflegegeld in einem vernünftigen Zeitraum" und eine einmalige chefärztliche Bewilligung für Patienten, bei denen klar ist, daß sie Medikamente und Pflegebehelfe bis zum Lebensende brauchen.

In diesem Zusammenhang bedauert Zdrahal, daß die langjährige For-derung der Caritas nach einem Lehrstuhl für Palliativmedizin und nach der Einführung von Palliativmedizin als Pflichtfach für Medizinstuden-ten noch immer nicht umgesetzt worden ist.

Das Mobile Caritas Hospiz feiert im kommenden Jahr sein zehnjähriges Jubiläum und hat seit seinem Bestehen über 1.500 Menschen und de-ren Angehörige betreut. Zur Zeit baut die Caritas in Niederösterreich eine in die Mobile Pflegedienste integrierte Hospizbetreuung auf. Das Konzept sieht Ausbildung und fortlaufende Weiterbildung der Mitarbei-terinnen in den Pflegestationen vor, Bewußtseinsbildung, Vernetzung mit Hausärzten und sozialen Einrichtungen und die Mitarbeit von Eh-renamtlichen. Auch in den Pensionistenhäusern der Caritas wird der Hospiz-Gedanke immer stärker in die tägliche Arbeit einbezogen.

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Dr. Elisabeth Hotter, Tel. 01/878 12 - 139
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