Antwort für Klestil

Wien(OTS) -

An Herrn Bundespräsident Dr. Thomas Klestil

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

mit Interesse hab ich Ihren Brief an mich in den Tageszeitungen gelesen. Sie schreiben, daß Sie seit mehr als vierzig Jahren als Beamter, Diplomat und Bundespräsident für unsere Heimat gearbeitet haben.

Ihre Tätigkeit als Beamter ist mir weiter nicht aufgefallen, bis es zu den gemeinen Kurdenmorden in Wien gekommen ist, dazu habe ich gelesen, daß Sie es waren, der die Flucht der Mörder vor unserer Justiz durch Ihr Verhalten ermöglicht hat. Auch habe ich erfahren, daß Sie einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß zu dieser Frage nicht verlangen wollten.

Zu Ihrer Tätigkeit als Diplomat in den USA sind mir Umstände bekanntgeworden, die ich aus Gründen der Fairneß nicht in der Wahlwerbung verwendet habe. Sie sind ja dann auch zurückberufen worden.

Ihre Tätigkeit als Bundespräsident war für mich eine nicht enden wollende Folge von Peinlichkeiten: Ich meine nicht Ihre privaten Probleme, dazu ist zu sagen, daß alle Ihre Vorgänger ein ordentliches Familienleben hatten. Vielmehr denke ich an die Vorkommnisse im Vorfeld Ihres Auftritts in Korfu bei der EU-Vertragsunterzeichnung. Bei Ihrem Staatsbesuch in Norwegen sind Sie durch Ihre Turtelei in die Regenbogenpresse gekommen. Playboyleben und Staatsoberhaupt lässt sich eben nicht vereinen.

Zuletzt wollten Sie mithelfen, einen Landespolitiker in die Bundespolitik holen, die Provinzgrößen haben Ihnen jedoch eine öffentliche Abfuhr erteilt. Jetzt, elf Tage vor der Wahl, werden Sie aktiv und mahnen die Parteien, deren Anliegen Sie in den letzten Jahren widerspruchslos erfüllt haben.

Durch Ihre Amtsführung ist das Amt des Bundespräsidenten ins Gespräch und es wird diskutiert, ob Österreich so etwas überhaupt braucht.

Der für mich wichtigste Grund, Sie nicht zu wählen, ist ihr Umgang mit der Wahrheit. Sie finanzieren Millionenprojekte, wie Ihren Brief in den Zeitungen, sind aber nicht bereit zu sagen, woher Sie das Geld dafür haben. Ich will kein Staatsoberhaupt, das von anonymen Geldgebern abhängig und daher diesen verpflichtet ist. Und alle Ihre sozialdemokratischen Unterstützer, welche noch vor kurzem für Sie waren, sind verstummt seit Sie sich allseits anbiedern.

Ich werde Sie nicht wählen.

Mit freundlichen Empfehlungen

Ing. Erich Dorn
Pressetelefon
Tel. 01/98140 204

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | LUG/OTS