Vorausmeldung zu News 14/2.4.98

Zeiler im News-Interview: "Ein Drittel im ORF war gegen meinen Kurs." - Der scheidende ORF-General hofft, daß sein Abgang zum "heilsamen Schock" für Österreichs Medien-Politik wird. - Möglicher Nachfolger Hans Mahr: "Habe gültigen Vertrag mit RTL, aber: never say never."

Wien (OTS) - Der scheidende ORF-Generalintendant Gerhard Zeiler nimmt in einem Interview mit dem morgen erscheinenden Nachrichtenmagazin News zu seinen Motiven für seinen Abgang Stellung. Zeiler gibt zu, von Vorgängen und Personen im ORF "frustriert" zu sein, und nennt auch Namen: "Ich möchte nicht mehr in einem Unternehmen arbeiten, in dem ich Leuten wie dem Herrn Doucha oder dem Herrn Strasser Rechenschaft schuldig bin." Ausschlaggebend für seinen Entschluß, sei das Gefühl gewesen, "daß der Kurs, den ich hier seit vier Jahren fahre, nicht wirklich von allen Eigentümervertretern goutiert wird. Und da ich das Glück habe, es mir aussuchen zu können, habe ich mir jetzt ausgesucht, in einem Unternehmen zu arbeiten, in dem man mich wirklich will. Hier wollte das nur ein Teil - ein gutes Drittel wollte es mit Sicherheit nicht und hat das auch bei jeder Gelegenheit zum Ausdruck gebracht." Sein Entschluß sei ein Zeichen der Resignation über die österreichische Medienpolitik. Zeiler hofft allerdings, daß sein Schritt ein "heilsamer Schock" sein könnte:
"Vielleicht ist jetzt durch meine Entscheidung - Ironie der Geschichte - ein Hindernis weggeräumt, und vielleicht gibt es jetzt ohne mich die Reform, die der ORF so dringend braucht."

Zeiler ist überzeugt, er hätte die Intendantenwahl im Juni gewinnen können. Zeiler: "Ich hätte mich diesem Kasperltheater schon gestellt, ich habe aber keinen Sinn mehr darin gesehen, weil ich weiter ein Drittel des Kuratoriums gegen mich gehabt hätte." Zeiler werde bis zu seinem Abgang Anfang Oktober mit "hundertprozentigem Elan" weitermachen und auch beinhart "gegen RTL gegenprogrammieren". Am 1. November werde er aller Voraussicht nach bei seinem neuen Arbeitgeber RTL beginnen.

Der als aussichtsreicher Nachfolger gehandelte derzeitige Informations-Chef Hans Mahr dementiert vorsichtig Intentionen auf den Posten des ORF-Generals. Mahr: "Ich habe gerade einen Fünfjahresvertrag bei RTL unterschrieben und habe nicht vor, ihn gleich wieder aufzulösen. Allerdings: Nicht nur für James Bond gilt:
never say never."

Gerhard Zeiler meint dazu, er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Mahr, allerdings würde er ihn im Ernstfall ziehen lassen: "Ich würde ihn jederzeit aus seinem RTL-Vertrag entlassen, wenn er zum ORF will."

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