Erklärung von Caritaspräsident Franz Küberl Die Caritas ist über den Tod von Ahmed Sharif Hussein tief betroffen.

Wien, 25.3.1998 (car-pd)
Er ist als Flüchtling nach Österreich gekommen, weil er in seiner Heimat von Verfolgung bedroht war. Nach einer Straftat wurde ihm das Asyl in Österreich aberkannt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat aber festgestellt, daß seine Abschiebung nach Somalia gegen die Menschenrechte verstoßen
würde. Diesem Urteil haben sich dann auch die österreichischen Behörden angeschlossen.

Ahmed Sharif Hussein bekam zwar einen vorübergehenden Abschiebeschutz, hatte aber kein Aufenthaltsrecht und kein Recht auf Arbeit.

Ahmed Sharif Hussein - das geht aus den Umständen seines Todes hervor - wollte durch seinen Tod eine Mahnung aussprechen. Denn er mußte mit dem Gefühl leben, daß sein Leben der Bürokratie vollkommen ausgeliefert war: Nach der Entscheidung des
Europäischen Gerichtshofes mußte er bis zu seinem Tod, das waren eineinhalb Jahre, vergeblich auf eine Aufenthaltsbewilligung warten. Schließlich konnte er den Druck nicht mehr ertragen.

Denn so wie Ahmed Sharif Hussein müssen Hunderte Betroffene Unmenschliches aushalten: jahrelange Asylverfahren, ständig drohende Abschiebung, keine Hoffnung mehr auf ein lebenswertes Leben.

Es sind Menschen, deren Existenz lediglich geduldet wird. Sie haben kein Recht, sich ihren Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, weil sie keiner legalen Beschäftigung nachgehen dürfen. Diese Menschen werden zum Spielball der Politik. Schlechte Gesetze und ihre unmenschliche Anwendung nehmen ihnen schließlich die letzte Menschenwürde. Die Caritas appelliert an die Behörden und Politiker, endlich etwas gegen diese unmenschliche und unwürdige Situation zu unternehmen und daher in jedem einzelnen Fall mit humanem
Augenmaß zu handeln und die unteilbare Würde menschlichen Lebens nicht aus dem Blickfeld zu verlieren.

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