OeNB - Informationsgehalt von Zinsspreads

Schätzergebnisse für Österreich

Wien (OTS) - in der Publikationsreihe "Berichte und Studien", Heft 1/1998, erschienen.=

In den vergangenen Jahren sind empirische
Analysen der Wechselwirkungen zwischen Zinsspreads und
Aktienkursen einerseits und Inflation und Output andererseits
wieder in den Blickpunkt der Wirtschaftstheorie und -politik gerückt. Finanzindikatoren wird bei der Umsetzung der
Geldpolitik von vielen Währungsbehörden große Bedeutung zugemessen, unter anderem da sie ohne Zeitverzögerung verfügbar sind. Vor allem Zinsspreads wird eine starke Aussagekraft für Inflations- und Outputprognosen zugeschrieben, sodaß sie oft
als Benchmark für die Prognosen makroökonomischer Modelle herangezogen werden. Empirische Studien haben für die USA,
Kanada und Deutschland einen hohen Informationsgehalt von Zinsspreads für die Output- und Inflationsentwicklung
nachgewiesen.

Die vorliegende Studie untersucht für Österreich mit einem Fehlerkorrekturmodell (VEC) den Informationsgehalt von
Zinsspreads für Output und Inflation. Die Ergebnisse sind nicht signifikant. Auch die Einbeziehung von Aktienkursen in das
Modell konnte - im Gegensatz etwa zu den Erfahrungen in den USA
- die Aussagekraft der Zinsspreads nicht verbessern.

Der geringe Informationsgehalt der Zinsspreads wird unter
anderem auf folgende Faktoren zurückgeführt:

- Die Geldvermögensbildung erfolgt in Österreich noch immer großteils über die Banken. Die österreichischen Finanzmärkte wiesen daher über weite Strecken der untersuchten Periode
nicht den entsprechenden Entwicklungsgrad auf, um von den
Preisen von Finanzaktiva einen hohen Informationsgehalt
erwarten zu können. Der Aktienmarkt hat sich beispielsweise
erst Ende der achtziger Jahre zu entwickeln begonnen und
auch in den neunziger Jahren ist die Liquidität noch gering
und auf wenige Aktien konzentriert. Daher spielten
Zinsspreads und Aktienkurse bisher als geldpolitische
Indikatoren nur eine untergeordnete Rolle. Die zunehmende Integration der Finanzmärkte und die wachsende Bedeutung institutioneller Anleger dürften aber die Aussagekraft von Zinsspreads heben.

- Die geringe Aussagekraft der Zinsspreads resultiert auch aus
der währungspolitischen Strategie Österreichs. Die
Orientierung des Schillings an der D-Mark bedeutet zwar
einen parallelen Zinsverlauf, aber kurzfristig nicht
unbedingt von Output und Inflation. Zudem stellt die Phase
der deutschen Wiedervereinigung eine außergewöhnliche
Periode dar, die das Sample möglicherweise wesentlich beeinflußt hat.

Finanzindikatoren werden aber für die Europäische
Zentralbank eine bedeutende Rolle bei der Umsetzung der Währungspolitik einnehmen. Im Europäischen Währungsraum mit seinen integrierten Kapitalmärkten dürften vor allem den Zinsspreads große Relevanz als geldpolitischer Indikator
zukommen. Dafür spricht der hohe Informationsgehalt von
Zinsspreads in großen Volkswirtschaften.

Rückfragen & Kontakt:

Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums/
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr.: 404 20 DW 6666
Internet: http://www.oenb.co.at

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ONB/OTS