OeNB - "Konjunktureller Hintergrund"

Österreich im Aufschwung bei hoher Preisstabilität

Wien (OTS) - in der Publikationsreihe "Berichte und Studien", Heft 1/1998, erschienen.=

In Österreich haben sich im Jahr 1997 beinahe
alle wichtigen Wirtschaftsdaten verbessert. Voraussetzung dafür waren günstige internationale Rahmenbedingungen und die
deutlich gestiegene Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Erzeugnisse.

Darüber hinaus sind für den in Österreich an Intensität gewinnenden Aufschwung folgende Faktoren anzuführen:

- die Normalisierung des Wechselkurses des Schillings
gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner;

- das hohe Produktivitätswachstum im produzierenden Bereich
und die Lohnzurückhaltung begünstigten die Lohnstückkostenentwicklung, die sich gegenüber den Haupthandelspartnern verbesserte;

- die kurzfristigen Zinsen stabilisierten sich auf niedrigem Niveau, die langfristigen Zinsen gingen im Zuge des Konvergenzprozesses weiter zurück, womit günstige Voraussetzungen für das Investitionsklima bestanden;

- die Konsolidierungsmaßnahmen der öffentlichen Haushalte dämpften die Konjunktur nicht im erwarteten Ausmaß;

- darüber hinaus konnte eine Reihe wirtschaftspolitischer
Erfolge verzeichnet werden, die zu einem insgesamt
positiven Ergebnis nicht unwesentlich beitrugen. Erwähnt
seien die Fortschritte bei der Pensionsreform, bei der
Straffung des Bankensektors und bei der Flexibilisierung
der Arbeitsmärkte.

Das reale Wirtschaftswachstum entwickelte sich daher 1997
- nach vorläufigen Berechnungen - mit 2,5 % wesentlich besser
als die Prognosen erwartet hatten. Dieser Trend dürfte sich
1998 fortsetzen, die Wachstumsrate könnte um die 3 % betragen.
Die bisher vorliegenden Wirtschaftsdaten lassen keine negativen Effekte der Krise in Asien für Österreich befürchten.
Insgesamt zeigt sich in Österreich das für Westeuropa typische Konjunkturbild, nämlich ein Auseinanderlaufen von in- und ausländischer Nachfrage.

Wachstumsmotor sind die Exporte, deren Dynamik ungebrochen
ist, das Handelsbilanzdefizit nach der Außenhandelsstatistik
hat sich 1997 deutlich verringert. Die positiven Effekte für
die Leistungsbilanz blieben allerdings noch gering, da
gleichzeitig der Überschuß aus dem Reiseverkehr zurückging und sich die Transferbilanz weiter passivierte.

Der private Konsum blieb 1997 schwach, wofür stagnierende Realeinkommen, der angespannte Arbeitsmarkt und die 1997 voll wirksamen Sanierungseffekte der öffentlichen Haushalte ausschlaggebend sind.

Durch die schwache heimische Nachfrage und die moderate Lohnpolitik hat sich der Preisauftrieb weiter beruhigt.
Österreich gehörte 1997 gemeinsam mit Finnland und Irland zu
den drei preisstabilsten Ländern der EU. Die Inflationsrate auf Basis des Harmonisierten Verbraucherpreisindex betrug 1,2 % im Jahresabstand. Gemäß nationalem VPI ergab sich im Jahresdurchschnitt 1997 ein Preisanstieg um 1,3 %, das ist der niedrigste Wert seit den späten fünfziger Jahren. Das Konvergenzkriterium Preisstabilität wird problemlos erfüllt.

Die relativen Lohnstückkosten - als zentraler Maßstab für
die preisliche Wettbewerbsfähigkeit - gingen 1997 im
industriellen Bereich und im Vergleich zu den wichtigsten Handelspartnern um fast 4 % zurück. Dieser Trend sollte sich
1998 fortsetzen und zu einer weiteren Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit führen.

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