OeNB - Fortschreitende Internationalisierung der österr. Kreditinstitute

Inlandsgeschäft gewinnt mit Konjunkturbelebung an Schwung

Wien (OTS) - in der Publikationsreihe "Berichte und Studien", Heft 1/1998, erschienen. - Eine Analyse des Jahres 1997=

Die österreichischen Kreditinstitute
expandierten 1997 vornehmlich im Auslands- und Fremdwährungs-geschäft, das inländische Geschäft belebte sich im Verlauf des Jahres.

Drei Viertel des Bilanzsummenwachstums erfolgten im Ausland
oder in Fremdwährung. Mehr als die Hälfte wurde im Auslandsgeschäft generiert, das viereinhalb Mal so rasch wie
das Inlandsgeschäft expandierte. Im Inlandsgeschäft erfolgte wiederum die Ausweitung des aktivseitigen Geschäftsvolumens zu
45% in Fremdwährung.

Allerdings schwächte sich die Dynamik des Auslandsgeschäfts
im Jahresverlauf merklich ab. Vor allem Geldmarktveranlagungen wurden in der zweiten Jahreshälfte spürbar reduziert. Hohe Zuwächse verzeichneten die Kreditgewährung an ausländische Nichtbanken sowie der Erwerb von ausländischen Wertpapieren und Beteiligungen. Auf den internationalen Kapitalmärkten begaben
die Kreditinstitute netto Emissionen in Höhe von 96 Mrd S.

Das Inlandsgeschäft gewann im Jahresverlauf an Dynamik,
obwohl das inländische Zwischenbankgeschäft - gemessen an den Beständen - nur geringfügig ausgeweitet wurde und die Staatsfinanzierung durch Kreditinstitute rückläufig war.

Die Struktur des Kreditportefeuilles veränderte sich
einerseits von titrierten zu nicht-titrierten Finanzierungen
und andererseits weiter in Richtung Fremdwährungskredite. Die Direktkredite stiegen wie im Vorjahr um 3,6%. Erstmals wurde
ihre Ausweitung mehrheitlich von Krediten in fremder Währung getragen, die 1997 weiter an Dynamik gewannen und um knapp ein Drittel anstiegen. In den letzten drei Jahren hat sich das aushaftende Volumen der Fremdwährungskredite nahezu verdoppelt. Sowohl Unternehmen als auch private Haushalte finanzierten sich
in deutlich höherem Ausmaß in Fremdwährung und gingen nahezu
die Hälfte ihrer neuen Bankverpflichtungen in Fremdwährung ein. Angesichts des tiefen Zinsniveaus in einer Reihe
internationaler Währungen ersetzen sie vielfach Schillingfinanzierungen, deren Ausweitung im Jahresverlauf
merklich an Tempo verlor; im Jahresabstand betrug die
Ausweitung der Schillingkredite nur 1,6%.

Die Forderungen der Kreditinstitute an österreichische Unternehmen, deren Investitionsneigung sich im Verlauf des
Jahres angesichts günstigerer Produktions- und
Absatzerwartungen deutlich erhöhte, stiegen um 7% und jene an private Haushalte parallel zu der im Jahresverlauf zunehmenden Aufhellung des Konsumklimas um 5%.

Die Staatsfinanzierung durch Kreditinstitute - sowohl in
direkter Form als auch durch den Erwerb von Schuldtiteln -verminderte sich hingegen 1997 um mehr als 40 Mrd S.

Der Aufbau von Konzernen im Zusammenhang mit der
Restrukturierung des österreichischen Bankensystems führte zu einer markanten Ausweitung von Anteilen an verbundenen
Unternehmen. Beteiligungen an nichtfinanziellen Unternehmen
wurden zurückgeführt. Das Beteiligungsvolumen erhöhte sich
netto um 33 Mrd S.

Die Einlagen bei den österreichischen Kreditinstituten
zeigten wenig Dynamik und wuchsen insgesamt um 39 Mrd S, das
ist rund ein Viertel weniger als im Jahr zuvor. Die
Spareinlagen stiegen weniger als die kapitalisierten Spareinlagenzinsen, die 47 Mrd S betrugen. Lediglich die Bauspareinlagen verzeichneten deutliche Zuwächse.

Die Termineinlagen sanken um 16 Mrd S, wobei alle
Einlegergruppen mit Ausnahme der Nichtbankenfinanzintermediäre (Versicherungen, Investmentfonds,...) ihre Guthaben abbauten.
Seit 1989 haben sich die Bestände an Termineinlagen nahezu halbiert. Demgegenüber stiegen die Einlagen auf Girokonten auch 1997 kräftig an, wenngleich die Zuwachsraten der ersten Hälfte
der neunziger Jahre nicht mehr registriert werden.

Die Fremdwährungseinlagen, die in der ersten Jahreshälfte
noch relativ kräftig expandiert hatten, verringerten sich im weiteren Jahresverlauf und lagen zum Ultimo um 0,5 Mrd S unter
dem Vorjahreswert.

Die rückläufige Geldkapitalbildung bei den österreichischen Kreditinstituten ist deutlicher Ausdruck eines geänderten Anlegerverhaltens: Insbesondere der Erwerb von Investmentzertifikaten hat 1997 markant zugenommen.

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