VEÖ kritisiert Schweigen der Regierung zu Kyoto-Ergebnis

Wien - (VEOE) - Die Organe des Verbandes der Elektrizitätswerke Österreichs haben heute über die bei der 3. Weltklimakonferenz in Kyoto von Mitte Dezember 1997 erzielten Ergebnisse eingehend beraten. VEÖ-Präsident Dr. Rudolf Gruber zeigte sich enttäuscht über das Schweigen der verantwortlichen Regierungsmitglieder in Österreich zur konkreten Umsetzung der in Kyoto erzielten Ergebnisse. Die österreichische E-Wirtschaft hat bereits zur Klimakonferenz in Kyoto eine Reihe von realistischen,
wirtschaftlich verkraftbaren Möglichkeiten zur Verminderung der Treibhausgasemissionen vorgeschlagen und ist nun bemüht, konkrete Lösungen in Sachen Schutz des Klimas zu entwickeln und in die Tat umzusetzen.

Die Nichtbehandlung der Ergebnisse von Kyoto in der
Bundesregierung ist um so bedenklicher, sagte VEÖ-Präsident Dr. Gruber, als sich der EU-Umweltministerrat bereits am 23. März
sowie Mitte Juni 1998 mit den Konsequenzen aus Kyoto für die Europäische Gemeinschaft beschäftigen wird und aufgrund der Übernahme des EU-Ratsvorsitzes durch Österreich in der zweiten Hälfte 1998 der österreichische Umweltminister die Gesamtverantwortung für die Umsetzung der Kyoto-Ziele -- 8-prozentige Reduktion klimarelevanter Treibhausgase bis 2012 -- für ganz Europa tragen wird.

Die E-Wirtschaft sieht keinen vernünftigen Grund, daß Österreich die EU-Reduktionsgrenze von 8 Prozent überschreitet. Schon jetzt ist Österreich bei den CO2-Emissionen innerhalb der EU
vorbildlich. Die freiwillige Übernahme höherer Reduktionsziele als 8 Prozent würde die österreichische Volkswirtschaft mit unzumutbaren Kosten belasten, die ihre Chancen im globalen Wettbewerb um Absatzmärkte drastisch verringern und zu einem spürbaren Verlust von Arbeitsplätzen führen würden. Die E-Wirtschaft warnt im Interesse einer gedeihlichen Entwicklung von Wirtschaft und Beschäftigungslage davor, daß Österreich sich selbst Lasten aufbürdet, die es wirtschaftlich in erhebliche Nöte bringen würde.

Aktionsprogramm "sauberes Klima" der E-Wirtschaft -------------------------------------------------
Die österreichische E-Wirtschaft hat ein Aktionsprogramm "sauberes Klima" entwickelt, das gleichzeitig die Treibhausgasemissionen vermindert, saubere, erneuerbare heimische Energien forciert, österreichische Arbeitsplätze sichert und die Lebensqualität der Menschen wahrt: Zu diesem Arbeitsprogramm zählt die thermische Abfallverwertung mit den Produkten Strom und Fernwärme zum Abbau der Mülldeponien, die das Treibhausgas Methan emittieren; dazu zählt der verstärkte Einsatz der Wärmepumpe zur Verminderung der CO2-Emissionen durch fossil gefeuerte Raumheizungen; dazu zählt
die verstärkte Nutzung der Biomasse, die an der Schwelle zur Marktfähigkeit steht.

Der Verband der E-Werke setzt seine Bemühungen zur Umsetzung der Klimaziele von Kyoto durch neue Forschungsinitiativen fort. Ein wichtiges Ereignis ist dabei das für 22. April 1998 angesetzte,
von UNIPEDE/EURELECTRIC, Industriellenvereinigung und VEÖ veranstaltete internationale Symposium "Bedeutung des Kyoto-Protokolls"; an dieser Veranstaltung in Wien werden europäische
und hochkarätige österreichische Energie- und Umweltexperten teilnehmen. Zudem haben die österreichische E-Wirtschaft, die Industriellenvereinigung, die Wirtschaftskammer Österreich und der Fachverband Gas-Wärme ihre Wirtschaftlichkeitsanalysen und Forschungsaktivitäten zur Lösung des Problems umweltrelevanter Treibhausgasemissionen koordiniert, um gemeinsam schnell zu marktverträglichen und konkret umsetzbaren Maßnahmen zu kommen.

Ziel aller Initiativen ist es, die offenen Fragen bis zur nächsten Vertragsstaatenkonferenz im November 1998 in Buenos Aires lösen
und konkrete Vorschläge einbringen zu können. Bei der 4. Weltklimakonferenz wird Österreich aufgrund seines EU-Ratsvorsitzes entscheidenden Einfluß auf die Ergebnisse haben und hohe Verantwortung für eine sinnvolle, wirtschaftlich verantwortbare Umsetzung der vereinbarten Klimaziele in Europa tragen.

Daher sei das derzeitige Fehlen konkreter Umsetzungsaktivitäten
der Regierungspolitiker bezüglich der vereinbarten Klimaziele von Kyoto problematisch, sowohl was Österreich als auch was die EU betreffe, betonte heute VEÖ-Präsident Dr. Rudolf Gruber. Die österreichische E-Wirtschaft sei sich dagegen der hohen Bedeutung und Brisanz des Themas Klimaschutz bewußt und spreche sich eindringlich dafür aus, umgehend eine konkrete Diskussion mit volkswirtschaftlich tragbarem Ergebnis zu führen. Für Österreich ist die Klimastrategie der Bundesregierung -- neben der Liberalisierung der Energiemärkte -- das Top-Jahresthema für 1998.

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Ernst A. Swietly
Verband der Elektrizitätswerke Österreichs
Tel. Nr. 505 17 27 / DW 240

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