Dr. Helmut Sohmen bei der Jahrestagung der Wiener Wirtschaftsuniversitätund der Wirtschaftskammer Wien: Vor- und Nachteile des Wirtschaftsstandortes Wien

Wien (OTS) - Zum Abschluß der zweitägigen Jahrestagung der Wirtschaftsuniversität und der Sektion Industrie der Wirtschaftskammer Wien zum Thema "Kompetenz-Zentrum Wien" referierte der Großreeder aus Hongkong, Dr. Helmut Sohmen über den Wirtschaftsstandort der Donaumetropole. Sohmen, der auf Einladung der Wiener Wirtschaftskammer in die Bundeshauptstadt kam, sprach über die Vor- und Nachteile Wiens für Unternehmer und verwies in diesem Zusammenhang auf die ehemals florierende Wirtschaft Ostasiens und deren derzeitige Krise.

Konkret hob der Experte die guten Voraussetzungen Wiens, wie die gute Infrastruktur, die hohe Lebensqualität, das ausgezeichnete Bildungssystem, die zentrale geographische Lage in Europa sowie die politische und soziale Stabilität hervor. Gleichzeitig kritisierte Sohmen die hohen Steuern, den österreichischen Verwaltungsapparat, der wirtschaftliche Entscheidungen verzögern oder gar verhindern kann, und bemängelte die geringe Risikobereitschaft zu einer Unternehmensgründung.

"Um den Wirtschaftsstandort Wien attraktiver zu machen, müßten wichtige Initiativen gesetzt werden", so der Großunternehmer. In Ostasien wirkende österreichische Unternehmen sind in ihren respektiven Fachkreisen wegen Produktqualität und "know-how" bekannt. Aber noch wenige werden in der breiten Öffentlichkeit direkt mit Österreich assoziiert und sind dadurch imstande, ihre Herkunft zu einem nationalen Marketing-Vorteil auszubauen. Das Modewort heißt Clustering. Know-how muß gebündelt werden, damit viele kleiner Anbieter gemeinsam für Projekte auf den Markt gehen können. Hier liegt auch die Verantwortung bei den zuständigen Interessensvertretungen."

Zudem müsse Österreich das lokale Bildungspotential kommerziell besser und international ausnützen. Konkret schlug Sohmen vor, Bildung zu exportieren und damit in der Welt Bekanntheit zu erlangen.

Auch das Medieninteresse an Österreich, welches durch die EU-Präsidentschaft im zweiten Halbjahr hervorgerufen wird, müsse Österreich ausnützen.

Helmut Sohmen hat in Wien sein JUS-Studim absolviert, studierte anschließend in den Vereinigten Staaten, wo er auch seine zukünftige Frau, die Tochter des Hongkonger Schiffahrtsmagnaten Sir Y.K. Pao kennenlernte. 1970 stieg er in das Unternehmen seines Schwiegervaters (World-Wide-Shipping-Agency) ein und seit 1991 führt er dieGeschäfte des Firmenimperiums.

Neben Helmut Sohmen referierte mit Dr. Herbert Stepic (Gen.Dir.Stellvertreter Raiffeisenzentralbank Österreich) ein weiterer Österreicher über den Wirtschaftsstandort Wien. Stepic verwies aufdie neuen Marktchancen, die durch die Wende in Osteuropa entstanden sind. "Für österreichische Bankengilt es in einem gesättigten Inlandsmarkt auf Wachstumsmärkteauszuweichen, die westliche Investitionen anziehen und Export- und Importchancen eröffnen, wo aber Kunden auch die meiste Unterstützung benötigen. Die Märkte in Osteuropa werden vor allem durch die günstigen Rahmenbedingungen besonders attraktiv. In diesem Zusammenhang verweist Stepic auf den Nachholbedarf an Konsumgütern als Anreiz für Investoren, auf die gut ausgebildeten Arbeitskräfte, die hoch motiviert für geringen Lohn arbeiten sowie auf die günstigen Rohstoffe und die eingespielten Handels- und Wirtschaftsbeziehungen. Stepic bekräftigt, daß die RZB als einzige heimische Institution sich bereits seit vielen Jahren auf sogenannte "Emerging Markets" ausrichtet. Bereits vor 10 Jahren hat die RZB begonnen ein Banken-Netzwerk in Mittel- und Osteuropa zu errichten.

Rückfragen bei Mag. Bibiane Presenhuber Außenistitut der Wirtschaftsuniversität Wien. Tel.: 31336/4977, email:
Bibiane.Presenhuber@wu-wien.ac.at

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