WWF kritisiert diE Landwirtschaftreform der EU Reformvorschläge der Kommission zu zurückhaltend

Wien (OTS) - "Gute Ansätze, aber zu zurückhaltend": So beurteilt der WWF die gestern veröffentlichten Vorschläge der EU-Kommission zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik GAP. Zwar sind Natur- und Umweltschutz und die Schaffung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum berücksichtigt - die Kommission hat aber die Gelegenheit versäumt, Ineffizienz und umweltschädliche Aspekte der GAP zu korrigieren.

Die präsentierten Verordnungsentwürfe umfassen die Reform der Rindfleisch, Milch- und Getreidemarktordnungen und enthalten auch eine Erstfassung der lang erwarteten Verordnung zur Politik für den ländlichen Raum. Erstmals haben die Mitgliedsstaaten die Möglichkeit, die GAP Förderungen an regionale Bedürfnisse anzupassen und so Umweltschutz und Beschäftigung zu fördern. "Endlich bekommt Natur-und Umweltschutz mehr Gewicht", begrüßt der WWF die Vorschläge. "Doch leider ist die Reform in den Ansätzen steckengeblieben - der Druck der reformfeindlichen Landwirtschaftsminister und der Agrarlobbies war offensichtlich zu stark."

KRITIK AUS DER SICHT DES UMWELTSCHUTZES

Auch in Zukunft sollen 80% des Agrabudgets (mehr als 40 Milliarden ECU pro Jahr) in Preisstützungen fließen. Erst dadurch wird intensive, umweltbelastende Produktion rentabel gemacht. Die Forderung des WWF: "Bis 2007 sollen 75% des EU-Budgets in die Entwicklung ländlicher Räume fließen, davon ein Drittel in Agrar-Umweltmaßnahmen!"

Die Maissprämie wurde auf Druck einiger Mitgliedsstaaten - nicht zuletzt Österreichs - beibehalten. "Das macht unsere Bemühungen um den Grundwasserschutz zunichte", kritisiert Mag. Simone Lughofer, Wasserexpertin des WWF.

Positive Ansätze sind nicht verpflichtend, sondern nur eine Option für die Mitgliedsstaaten. Dazu zählen ökologische Mindesstandards für EU-Zahlungen oder Ausgleichszahlungen in der Viehzucht, die sich auf die Futterflächen anstatt auf die Zahl der Tiere beziehen.

HOFFNUNGSSCHIMMER IN DER LÄNDLICHEN ENTWICKLUNG

Positiv bewertet der WWF die neue Verordnung zur Politik für den ländlichen Raum, die folgende, bisher getrennt behandelte Gebiete zusammenfaßt: Agrarumweltprogramme, Aufforstung, Ausgleichszahlungen für benachteiligte Gebiete und weitere Instrumente zur ländlichen Entwicklung.

Aus Sicht des Naturschutzes sind einige Punkte unbefriedigend:

Der multisektorale Ansatz der Verordnung, wie er von der Generaldirektion für Landwirtschaft angestrebt wurde, ist wieder nur auf die Landwirtschaft reduziert worden. Andere Sektoren im ländlichen Raum, wie Einzelhandel, Tourismus, Gewerbe oder Kunsthandwerk, sind nicht berücksichtigt - und so wurde einem zukunftorientierten Ansatz zur nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume der Boden unter den Füßen weggezogen.

Die Agrarumweltprogramme wurden nicht mit Mindestbudgets ausgestattet. Die Höhe der Förderungen bleibt also den einzelnen Mitgliedstaaten überlassen.

Erfolgsversprechend ist die Neuorientierung in der Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete: Künftig sollen Gebiete, die Umwelt- oder Naturschutzauflagen erfüllen, Ausgleichszahlungen erhalten. "Für Österreich ist dieser Vorschlag sehr interessant", freut sich der WWF. " Ein wesentlicher Anreiz für die Ausweisung von Grundwasserschutzgebieten, Trinkwasserschongebieten und Natura 2000 Gebieten wurde geschaffen!"

Rückfragen & Kontakt:

WWF Österreich, Mag. Simone Lughofer, 01/48817 234

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