Wirtschaftsstandort Wien: Gute Lebensqualität, aber zu hohe Steuern und Abgaben

Wien (OTS) - Die diesjährige Jahrestagung der Wirtschaftsuniversität, die in der Kooperation mit der Wiener Wirtschaftskammer durchgeführt wird, stand ganz im Zeichen des "Kompetenzzentrums Wien". Dabei wurden unter anderem die Qualität der Bundeshauptstadt als Wirtschaftsstandort und die Gründe für die Standortverlegung von Unternehmen behandelt.

"Die Lebensqualität Wiens ist einer jener Punkte, den die Unternehmer dieser Stadt als besonders positiv anführen. Die Wirtschaftspolitik, die hohe Belastung durch Steuern und Abgaben, die Überreglementierung und die bürokratische Verwaltung empfinden sie hingegen als stark negativ und sehen diese als größte Risiken für eine unternehmerische Tätigkeit in Wien an." So resümiert Dr. Claudia Klausegger vom Institut für Absatzwirtschaft/Marketing die Ergebnisse einer Untersuchung über das Image Wiens als Wirtschaftsstandort. 2000 Unternehmen in der Bundeshauptstadt wurden zu diesem Thema im vergangenen Jahr befragt (218 repräsentative Antworten).

Im einzelnen sind die Unternehmer mit dem vielfältigen kulturellen Angebot, dem guten Image der Region, der hohen Qualität der Hotels und Restaurants sowie mit den geringen politischen Risiken, aber auch mit dem Bildungssystem und den Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung besonders zufrieden. Als eher negativ führen die Wirtschaftstreibenden weiters das Lohnkosten- und Preisniveau, die Preise für Gewerbeflächen, die unbefriedigenden Förderungen sowie die wirtschaftliche Grundeinstellung und geringen Fremdsprachenkenntnisse der Bevölkerung an.

Allerdings beabsichtigen nur neun Prozent der Unternehmen ernsthaft, ihren Standort aus Wien weg in das angrenzende Umland, in ein anderes Bundesland oder ins Ausland zu verlegen.

Interessant ist auch das Image der Bundeshauptstadt bei den Wirtschaftstreibenden im Vergleich zu Berlin, Budapest und Prag. Berlin wird im Vergleich zu Wien als wesentlich fortschrittlicher, moderner und dynamischer empfunden. Bei den Eigenschaften schön, anziehend und friedlich führt hingegen die Donaumetropole. Bei Budapest und Prag wird nur ein einziger Vorteil gegenüber Wien gesehen: Sie sind preiswerter.

Mag. Harald Friedrich vom Institut für Wirtschafts- und Sozialgeographie hat bei 54 bereits verlagerten Industriebetrieben untersucht, welche Gründe für die Standortverlegung, insbesondere weg aus Wien, maßgeblich waren. Für etwas mehr als zwei Drittel der Befragten war für ihre Entscheidung ausschlaggebend, daß am ursprünglichen Standort eine Erweiterung der Betriebsgelände nicht möglich war. Auch die Probleme mit den Wohn-Anrainern (schlechte Entmischung von Wohn- und Industriegebieten), sowie die ungenügende Verkehrsaufschließung (zu wenige Parkplätze, zu dichter Schwerverkehr, Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmittel) wurden als entscheidende Gründe für die Abwanderung genannt. Vor allem eine Verbesserung der Verkehrs-Infrastruktur, günstigere Grundstückspreise, ein leichterer Erhalt von Genehmigungen und ein attraktiveres Angebot an Industriegebieten würden hingegen - laut Meinung der Unternehmer - Wirtschaftstreibende dazu veranlassen, ihren Betrieb in Wien anzusiedeln.

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Mag. Bibiane Presenhuber
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Wirtschaftsuniversität Wien
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