Österreicher sind "Umzugsmuffel"

Der durchschnittliche Österreicher schaut sich nur alle 20-25 Jahre nach einer neuen Wohnung um

PWK - Der durchschnittliche Österreicher schaut sich nur alle 20-25 Jahre nach einer neuen Wohnung um. Daran dürften auch die neuen Befristungsmöglichkeiten kaum wesentliches ändern. Das ergab eine Recherche der Forschungsgesellchaft für Wohnen, Bauen und Planen (FGW) über die Haushaltsmobilität im Auftrag der Bundesinnung der Immobilien- und Vermögenstreuhänder. Jährlich wechseln lediglich rund 5% der Österreicher ihre Wohnung, während sich in Australien 17%, in den USA 17,5% und in Neuseeland sogar fast 20% der Bevölkerung jährlich nach neuen vier Wänden umschauen. ****

Insgesamt ist die Mobilität in den europäischen Staaten deutlich geringer und konstanter als in Übersee. "Ein Aufschließen der Mobilitätsrate zu Werten wie in den USA oder Neuseeland ist in absehbarer Zeit kaum zu erwarten, denn einerseits sorgen eine flexiblere Arbeitswelt und liberalisierte Märkte für eine größere Mobilität der Haushalte, andererseits bemüht man sich überall in Europa, die Eigentumsquote zu erhöhen" stellt Wolfgang Amann, Geschäftsführer der FGW, fest. Die Mobilitätsraten in Übersee sind u.a. auf den geringeren kulturellen Stellenwert der Ortsgebundenheit, die auf weit stärkere Flexibilität ausgerichteten Arbeitsmärkte und nicht zuletzt auch auf niedrigere Transaktionskosten zurückzuführen.

Daß ein Wohnungswechsel in der Alpenrepublik derzeit nicht beliebt ist, hat viele Gründe. In Österreich sind die geschützten Bereiche, die Wohnungsbestandssegmente der gemeinnützigen Bauvereinigungen und der Gebietskörperschaften, im europäischen Vergleich weit überproportional vertreten. Die Mieten werden nicht vom Markt bestimmt, die Wohnungen werden praktisch als Eigentum angesehen. Die lange Wohndauer ist ein sozialpolitisches Ziel des geförderten Wohnbaus. Die Umzugshäufigkeit ist zwar in Mietwohnungen generell höher als in Eigentumswohnungen, die auf Bestandsschutz orientierte Wohnungspolitik in Österreich hat diesen Unterschied im Mobilitätsverhalten jedoch fast gänzlich nivelliert. Mitverantwortlich für die geringe Mobilität der Österreicher ist auch die heimische Wohngesetzgebung, die lang ansässige gegenüber neu zuziehenden Haushalten immer noch erheblich bevorzugt.

Besorgniserregend ist, daß die Zahl der privaten Mietwohnungen ständig abnimmt. Der freifinanzierte und subjektgeförderte Mietwohnungsneubau fasse zwar langsam Fuß, die Rückgänge im gründerzeitlichen Mietwohnungsbestand (Abbrüche, Parifizierungen) werden dadurch jedoch bei weitem nicht ausgeglichen. "Der klassische Zinshausbesitzer ist vom Aussterben bedroht", kommentiert Bundesinnungsmeister Steller diese Entwicklung und sprach sich für eine forcierte Subjektförderung im öffentlichen Wohnbau aus. Dies würde nicht nur für mehr Wettbewerb, sondern auch für enorme Einsparungen bei der öffentlichen Hand sorgen. Durch eine bessere soziale Treffsicherheit könnten strukturell bedingte Mitnahmeeffekte im geförderten Wohnbau verhindert werden.

Die Mobilität der österreichischen Haushalte ist keineswegs eine statische Größe. Sie hat im Laufe der frühen neunziger Jahre stark zugenommen, allerdings auf niedrigem Niveau, wie der internationale Vergleich zeigt. 1993 erreichte sie mit fast dem Doppelten des Ausgangswertes von 1990 einen Höhepunkt, ohne daß der Markt kollabierte. Mittlerweile hat sich die Marktdynamik wieder stark beruhigt und liegt nur noch knapp 30% über dem Wert von 1990. Dementsprechend fielen auch die Preise.

Vor allem in den westlichen Bundesländern nahm die Zahl der Wohnungswechsel Anfang der neunziger Jahre überdurchschnittlich zu. Die Marktdynamik in Wien lag über die Jahre hinweg etwa im österreichischen Durchschnitt, während in Niederösterreich und im Burgenland bereits 1992 der Höhepunkt erreicht wurde und 1995 ein niedrigerer Wert als 1990 erreicht wurde.

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