AK-Kritik an Kontogebühren

Girokonto-Gebühren seit 1988 drastisch gestiegen

Wien (OTS) - Die meisten Kontoinhaber mußten in den vergangenen zehn Jahren eine Verteuerung ihrer Girokontogebühren um mehr als das zehnfache hinnehmen, kritisieren die Konsumentenschützer der
AK Wien. Auch heuer sind viele Kontogebühren gegenüber dem Vorjahr empfindlich erhöht worden, zeigt die aktuelle Girokontenerhebung der Arbeiterkammer.****

Die Konsumentenschützerinnen und Konsumentenschützer der AK haben 22 Kreditinstitute unter die Lupe genommen. Neun davon haben die Kontoführungsgebühren bei insgesamt 20 Kontotypen (davon elf Konten mit Einzelverrechnung und neun Konten mit Pauschalverrechnung) verändert. In 17 Fällen kam es zu Erhöhungen. In zehn Fällen zwischen 18 und 25 Prozent, zweimal sogar um fast
43 Prozent. In nur drei Fällen wurden die Girokontogebühren gesenkt.

Aber nicht nur die Entgelte für die Kontoführung haben angezogen, auch bei anderen Preiselementen (Zeilengebühr, Scheck- und Bankomatkarte, Bareinzahlungsgebühr) kam es bei einigen Instituten zu saftigen Verteuerungen. So gab es bei den Zeilengebühren zehn Erhöhungen (in einer Bandbreite von vier bis 47 Prozent) und bloß zwei Senkungen (um 12 und 23 Prozent). Auch die Preise für Scheckkarten mit Bankomatfunktion wurden von 12 Banken erhöht (zwischen 4,5 und 21,7 Prozent), von einem Institut allerdings um
25 Prozent gesenkt.

Noch deutlicher wirkte sich bei einigen Instituten die Verteuerung der Scheckformulare aus. Die kosten jetzt um bis zu 33 Prozent
mehr. Empfindliche Preiserhöhungen gab es auch bei einigen Nebenleistungen, wie zB der Bareinzahlung. Diese wurde von drei Instituten für Einzahlungen auf institutsfremde Konten gleich um 100 Prozent erhöht (von zehn auf 20 Schilling). Aber auch bei Einzahlungen auf institutseigene Konten kam es bei zwei Instituten zu Verteuerungen. In einem Fall wurde das Entgelt von fünf auf
zehn Schilling erhöht, im zweiten Fall wurde ein Entgelt von fünf Schilling neu eingeführt.

Auch wenn bisher nur ein Teil der Kreditinstitute ihre Girokontenentgelte bzw Teile davon erhöht haben, so ist aufgrund der bisherigen Erfahrungen zu erwarten, daß es nur eine Frage der Zeit ist, daß auch die übrigen Banken, die im 1. Quartal 1998 keine Erhöhungen vorgenommen haben, bald nachziehen werden. Wie
die bisherige Erfahrung zeigt, ist in der Regel alle zwei Jahre
mit Preiserhöhungen bei den einzelnen Kreditinstituten zu rechnen.

Alles in allem zeigt die von der AK durchgeführte Erhebung, daß einigen Banken moderate Preiserhöhungen offensichtlich zu wenig sind.
Während ein Girokonto vor zehn Jahren bei den meisten Banken noch 20 Schilling pro Jahr kostete (inklusive freier Buchungszeilen), sind 1998 Girokontoentgelte unter 200 Schilling jährlich
(exklusive allfälliger Zeilengebühren) nur bei sechs der untersuchten Kreditinstitute zu finden. Es ist nach Meinung der Arbeiterkammer nicht akzeptabel, daß bei den Girokonten in den letzten Jahren stets Preissteigerungen vorgenommen wurden, die
weit über der Inflationsrate lagen.

Gerade weil das Privatkundengeschäft für die Banken lukrativ und für ein positives Gesamtergebnis unverzichtbar ist, ist die betriebene Preispolitik problematisch. Denn im Gegensatz zum Kommerzgeschäft ist das Girokonto bei den Privatkunden Anknüpfungspunkt für sämtliche weiteren Bank- und Finanzdienstleistungen. Nicht umsonst wird heftig um jeden neuen Girokonteninhaber geworben, und immer öfter ist den Instituten jeder neuer Kunde auch Bares wert. Auch daß um junge Kunden so intensiv geworben wird (zB mit kostenloser Kontoführung und diversen anderen Leistungen wie verbilligten Konzertkarten) zeigt, daß das Privatkundengeschäft insgesamt attraktiv sein muß. Anders lassen sich die Werbeschlachten, die die Kreditinstitute einander liefern, wohl kaum erklären.

AK-Tips für Bankkunden:

-Vereinbaren Sie einen Überziehungsrahmen. Sollzinsen für Überziehungen außerhalb des Rahmens kosten bis zu 15 Prozent! -Überweisungen vom Konto sind billiger als Bareinzahlungen. -Barbehebungen (mit Kunden- oder Bankomatkarte) sind am Geldausgabeautomat im Foyer billiger als am Schalter.
-Achten Sie bei Daueraufträgen auf die ausreichende Deckung Ihres Kontos. Nicht durchführbare Daueraufträge kosten bis zu 100 Schilling. Das gilt auch für Einziehungsaufträge (bis zu 120 Schilling).
-Zahlen Sie bar oder mit der Bankomatkarte. Das ist billiger als
die Zahlung mit Scheck.
-Kontrollieren Sie Ihre Kontoauszüge gründlich und reklamieren Sie Fehler sofort! Bewahren Sie Ihre Kontoauszüge auf, denn Duplikate kosten um die 50 Schilling.
-Verhandeln Sie über die Zinsen. Bei Gehaltskonten gibt es für Haben-Zinsen zwischen den einzelnen Banken Unterschiede im Ausmaß von 0,125 bis 2 Prozent. Bei den Sollzinsen: 7,5 bis 13,75
Prozent.

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Tel.: (01)501 65-2340

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