Zeitzeugen mahnen zu Frieden und sozialer Gerechtigkeit

Zum Gedenken an den 12.März 1938

Wien (OTS) - Im Rahmen einer Gedenksitzung des Vorstandes des Kriegsopfer- und Behindertenverbandes Österreich (KOBV-Österreich) am 12.März 1998 gedachten die Kriegsopfer Österreichs m Beisein von Bundesministerin Lore HOSTASCH den Ereignissen vor 60 Jahren.****

Sowohl der Präsident des KOBV-Österreich, Otto Pohanka, als auch Sozialministerin Lore Hostasch gingen in ihren Ansprachen auf die vielfachen Ursachen, die zur Annexion Österreichs im März 1938 geführt haben, ein. Sie verwiesen darauf, daß besonders die wirtschaftliche Not der damaligen Zeit (über 600.000 Arbeitslose, über 300.000 Ausgesteuerte) dazu geführt hat, daß der Rechtsextremismus in Deutschland, Österreich und anderen europäischen Ländern aufkommen konnte.

Präsident Pohanka betonte, daß es erste Aufgabe der Kriegsopfer, die die Greuel der NS-Herrschaft am eigenen Leib verspüren mußten, sei, an diese Schreckenszeit zu erinnern, der hunderttausenden unschuldigen Opfer von Verfolgung und Krieg zu gedenken, insbesonders aber jene Generationen, die die damalige Zeit nicht miterleben mußten, zu mahnen, Extremismen, welcher Art auch immer, durch wirtschaftliche Not keinen neuen Nährboden zu geben. Ihre Erinnerung, ihr Gedenken und ihre Mahnung haben die Kriegsopfer Österreichs in einem Memorandum festgehalten, das Frau Bundesministerin Hostasch überreich wurde:

"Als am 12.März 1938 Truppen der deutschen Wehrmacht auf Befehl Adolf Hitlers in Österreich einmarschierten, hörte die Republik Österreich auf, als selbständiger Staat zu existieren. Mit der Annexion Österreichs durch Hitler-Deutschland wurde für hunderttausende Menschen in unserem Lande der Grundstein für Verfolgung und unsagbares Leid gelegt. Bis April 1945 wurden

380.000 Österreicher im Kriegseinsatz, in Kriegsgefangenschaft

oder als Zivilpersonen durch Kampfhandlungen getötet
74.000 Österreicher wegen "Zersetzung der Wehrkraft", Befehlsverweigerung oder Desertion abgeurteilt
2.700 Österreicher als aktive Widerstandskämpfer hingerichtet, 16.000 Österreicher in Gestapo-Gefängnissen ermordet;
16.500 Österreicher in Konzentrationslagern zu Tode gequält; 65.500 österreichische Juden in Ghettos und Konzentrationslagern getötet;

Aus der Erkenntnis der noch lebenden Zeitzeugen, daß die wirtschaftliche Not der damaligen Zeit in Österreich und weiten Teilen unseres Kontinentes zum Aufkeimen des Extremismus wesentlich beigetragen hat, erheben sie angesichts der drohenden Gefahr in Europa, daß aus Notsituationen heraus die Gewaltbereitschaft in Wort und Tat im Zunehmen begriffen ist, ihre Stimme zur Besinnung darauf, daß Probleme, welcher Art auch immer, nicht durch Haß und Gewalt, sondern nur im friedlichen und sachlichen Dialog und im Geiste solidarischen Denkens gelöst werden können.

Die heute noch lebenden über 82.000 Kriegsopfer Österreichs, die die schrecklichen Greuel des zweiten Weltkrieges als Ausfluß der absoluten Verpflichtung zum Wehrdienst am eigenen Leib verspüren mußten, sehen es als ihre Pflicht, am heutigen 60.Jahrestag der Annexion Österreichs der hunderttausenden Opfer der Verfolgung, des Terrors und des Krieges zu gedenken. Sie sehen es aber auch als ihre Pflicht an, jene Generationen, die diese Zeit nicht miterleben mußten eindringlich zu Frieden, Solidarität und sozialer Gerechtigkeit zu mahnen. Es darf nie wieder dazu kommen, daß Not und Elend zu Haß und Gewalt führen und unser Land in den Abgrund treiben.

Solidarität, Frieden und soziale Gerechtigkeit, die Grundfesten unseres Staates seit über 50 Jahren müssen auch weiter die tragenden Säulen unseres gemeinsamen Tuns und Handelns für unsere Republik Österreich und alle ihre Bewohner sein."

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