Gehrer: Privatsammlungen sind unersetzliche Ergänzungen

Kulturministerin eröffnet Ausstellung "Das Auge des Sammlers – monet bis picasso" im Kunstforum

SPERRFRIST 18.30 UHR
Ausschnitte aus der Eröffnungsrede:

Wien (OTS) Kulturministerin Elisabeth Gehrer: "Wie diese Ausstellung zeigt, gibt es auch heute noch Sammlungen, die ungehobene Schätze sind. Es ist Aufgabe von Bildungs- und Kulturpolitik, diese Schätze vielen Menschen zugänglich zu machen. So hoffe ich, dass es auch in Zukunft gelingen wird, wichtige Sammlungen in Österreich zu halten und sie immer wieder öffentlich zeigen zu können. Die Bundesregierung hat mit den Stiftungen
Ludwig und Leopold einen guten Weg beschritten. Auch in den Bundesländern sind derartige Entwicklungen sehr zu begrüßen. ****

Das Sammeln von Kunstwerken war in früheren Jahrhunderten ein Privileg von Adeligen und Regierenden. Diese Sammlungen haben den Grundstock zu unseren großen Museen gelegt, zum Beispiel die kaiserlichen Sammlungen den Grund-stock für das Kunsthistorische Museum. Die Albertina dankt den Grundstock ihrer Schätze dem Sammler Herzog Albert von Teschen-Sachsen.

Es gibt kein einheitliches Bild vom Typ eines Sammlers. Dies zeigt auch ein Blick über den Atlantik hinweg in die Vereinigten Staaten. Dort wurde der Sammler immer als potentieller Wohltäter gesehen. Der philanthropische Sammler Albert Barnes hat seine Zimelien ausschließlich der Bildung und Erziehung gewidmet. Henry Clay Frick hat seine Sammlung im Wettstreit mit den Vanderbildts, Mellons und anderen "Stahlbaronen" zusammentragen lassen. Sie alle haben ihre Sammlungen teils in eigenen Häusern, teils in bestehenden Museen oft noch zu Lebzeiten manchmal aber auch nach
dem Tod dem Publikum zugänglich gemacht. Diese ursprünglich nicht immer patriotisch zu nennenden Anstrengungen dieser großen Sammler waren und sind aber mit Sicherheit für die Entstehung des bestimmten amerikanischen Nationalgefühls sehr maßgeblich.

In Österreich war die kulturelle Rolle des Sammlers nicht von vornherein anerkannt. Die wirtschaftliche Lage der Zwischenkriegszeit und der ersten Wiederaufbaujahre nach 1945
machen das verständlich. In Österreich war man viel zu lange daran gewöhnt, dass allein der Staat für Kunst und Kultur, deren Schutz und Pflege zuständig ist. Dies hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Heute kann niemand mehr leugnen, dass Privatsammlungen für Museen längst eine unersetzliche Ergänzung darstellen. Vielfach sind Sammlungen sogar die einzigen Garanten für eine Neueröffnung von Museen. Sie bilden aber auch eine wichtige Ergänzung zur "systematischeren" Arbeit von Museen. Sie gewähren einen anderen Überblick und einen viel persönlicheren Einblick in eine Kunstperiode oder in das Schaffen eines einzelnen Künstlers. Heute arbeiten Sammler oft mit hervorragenden Experten zusammen, sie lassen sich damit bereits in ihrer Ankaufspolitik freiwillig evaluieren, um so die Qualität ihrer Sammlung sicherzustellen. So ist das besonders Reizvolle an
Privatsammlungen, dass sie einen unvoreingenommenen Blick auf Arbeiten geben, die noch zu entdecken sind und von denen es noch keine massenhafte Reproduktion auf Postkarten oder Kalendern gibt.

Das wirkliche Ziel des Sammelns ist, Verstreutes zu konzentrieren, um es für das Auge auszustellen. Was immer die Motive eines Sammlers sein mögen, der letzte Zweck dient stets der Sichtbarmachung und nicht ausschließlich dem Erzielen von Profit. So gibt es viele Zeugen dieser Kultur des Gebens: Die Peggy Guggenheim Collection in Venedig, das Museum Thyssen-Bornemisza in Madrid, das Ludwig Museum in Köln und an zahlreichen anderen Orten und nicht zuletzt das Leopold-Museum in Wien.

Für diese Ausstellung im Kunstforum haben vier Sammler ihre Schätze zur Verfügung gestellt und laden das Publikum ein, an einem Kunstdialog teilzunehmen. Indem sie die Kunstwerke dem
Schutz der Privatheit entziehen, exponieren sie sie der Neugierde, Bewunderung und Kritik. Das macht jede Ausstellung einer privaten Sammlung, die mit viel Engagement und Einsatz zustande gekommen
ist, auch zu einem gewissen Risiko für den Eigentümer. Erst in der öffentlichen Zurschaustellung beweist sich die Qualität.

BITTE SPERRFRIST 18.30 UHR BEACHTEN1
(Schluss)

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