Bartenstein: Enorme Energie- und Kosteneinsparungen bei öffentlichen Gebäuden möglich

Drittfinanzierung als Motor - Umweltministerium als Pilotprojekt

Wien (BMUJF) - Die enormen Möglichkeiten zur Energieeinsparung,
die in Österreichs öffentlichen Gebäuden "schlummern", sollen durch Drittfinanzierungsmodelle geweckt werden. "In den öffentlichen Verwaltungsgebäuden können jährlich Energiekosten von 530 Millionen Schilling gespart werden", zitierte Umweltminister
Dr. Martin Bartenstein gestern, Dienstag, abend bei einem Pressegespräch aus einer aktuellen Studie des Umweltministeriums. "Die dafür notwendigen Investitionen betragen 3,18 Milliarden Schilling und amortisieren sich in sechs Jahren."

Ein Fünftel der Gebäudeenergiekosten in Österreich könnte eingespart werden, geht aus einer Abschätzung der Firma Landis & Staefa hervor. Das bedeutet umgelegt eine Summe von rund 16 Milliarden Schilling. "Die dafür notwendigen Investitionen würden zwischen 1.500 und 3.500 zusätzliche Arbeitsplätze und eine Verringerung des CO2-Ausstoßes um 1,3 bis 3,3 Millionen Tonnen auslösen", erklärte Bartenstein.

Aufwind für dieses Investitionsprogramm erhofft sich der Minister von sogenannten Contracting-Modellen. Das sind Finanzierungsvarianten, bei denen ein externer Partner die Investitionskosten übernimmt und schrittweise aus der Differenz zwischen den ursprünglichen und den neuen Energiekosten wieder refundiert bekommt. Sobald sich die Kosten für den "Contractor" amortisiert haben, kommen die Energieeinsparungen voll dem Auftraggeber, also etwa der öffentlichen Hand, zugute.

Als erstes Ministerium wird sich das Umweltministerium des Contractings bedienen. Der Vertragsabschluß mit dem externen Partner, der die Investitionskosten übernimmt, stehe unmittelbar bevor, berichtete Bartenstein. Mit Investitionen von 2,2 Millionen Schilling können am Standort Stubenbastei in der Wiener Innenstadt 12 Prozent der Energiekosten eingespart werden, das wären pro Jahr 375.000 Schilling. Nach den Kalkulationen des Umweltministeriums werden dadurch die Investitionen in sieben Jahren wieder hereingespielt sein.

Die Klimaschutzanstrengungen der EU als Ergebnis der Welt-Klimakonferenz von Kyoto werden im Juni definitiv festgelegt,
teilte Bartenstein mit. Innerhalb der EU werde die Bandbreite der nationalen Verpflichtungen zur CO2-Reduktion verkleinert werden müssen. Im Vorfeld der Kyoto-Konferenz war eine Bandbreite von minus 30 Prozent CO2-Reduktion (für Luxemburg) bis plus 40 Prozent Ausstoßerhöhung (für Portugal) vereinbart worden. Positiv bewertete Bartenstein das Klimaschutzprogramm, das die USA nach Kyoto verabschiedet haben. Das 6,3-Milliarden-Dollar-Programm
sieht unter anderem Förderungen für Energiesparautos, Steuerkredite für Sonnenkollektoren, Warmwassergeräte und energiesparande Klimaanlagen sowie Forschungsaktivitäten für erneuerbare Energieträger vor.

Schon 15.000 Contracting-Projekte in Deutschland

In Deutschland hat Contracting die Pionierphase bereits hinter sich, berichtete Dr. Peter Hennicke, Vizepräsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie. 15.000 Projekte laufen bereits, ein Anwachsen dieser Zahl auf bis zu 40.000 bis zur Jahrtausendwende hält Hennicke für möglich.

Um Contracting allgemein zum Durchbruch zu verhelfen, müßten aber jene Hemmnisse abgebaut werden, die vielfach im Wege stünden. Vor allem im öffentlichen Sektor herrsche wenig unternehmerisches Denken, zudem sei es vielfach schwer, die Einsparungen bei den Verwaltungskosten budgetär gegen die Vermögensseite aufzurechnen. Außerdem werde immer noch zu sehr "auf den Anfangspreis gestarrt", sagte Hennicke.

In Deutschland könnten durch den Einsatz schon heute bekannter Technik 45 Prozent des Energieverbrauchs eingespart werden, so der Experte. Gemessen an heutigen Energiepreisen würde das Kostensenkungen von umgerechnet 700 Milliarden Schilling bedeuten. Durch die Erschließung dieses Einsparpotentials könnten eine halbe Million neuer Arbeitsplätze geschaffen werden.

Neue Finanzierungsgellschaft für kleinere Gemeindeprojekte

Um Österreichs Gemeinden Contracting-Projekte für ihre kommunalen Gebäude zu erleichtern, wird die Österreichische Kommunalkredit AG (ÖKK) eine neue Mittelstands-Finanzierungsgesellschaft gründen, kündigte ÖKK-Vorstandssprecher Dr. Reinhard Platzer an. Ihr werden außerdem die Erste Bank, die Finanzierungsgarantie-Gesellschaft und eine ausländische Institution angehören. Die Gesellschaft, die im April zu arbeiten beginnt, soll Contracting vor allem in kleineren Gemeinden möglich machen. Vorhaben bis zu 5 Millionen Schilling Investitionssumme würden in der Regel von kleineren Beratungsunternehmen durchgeführt, die meist über wenig Eigenkapital verfügen. Die neue Gesellschaft soll daher Eigen- und Fremdmittel zur Verfügung stellen und so die Bildung von finanzstarken Beraterpools ermöglichen.

(Schluß)

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Ingrid Nemec
Tel.: (01) 515 22 DW 5051Bundesministerium für Umwelt, Jugend & Familie

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | BMU/BMUJF