- 11.03.1998, 12:16:25
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Berger-Deponie: Wettlauf gegen das Grundwasser
Sachverständige befürchten weitere Chemiebomben im Grundwasser-Schwankungsbereich - Räumungsarbeiten sollen forciert werden
Wien (OTS) - Die Bezirkshauptmannschaft Wiener Neustadt und die
Arbeitsgemeinschaft Räumung Berger-Deponie teilen mit:
Im Rahmen einer Verwaltungsexekution wird zum Schutz des
Grundwassers der Abfall aus der ehemaligen Berger-Deponie in
Weikersdorf bei Wr. Neustadt geräumt. Die vom Bundesministerium für
Inneres wegen "Gefahr im Verzug" beauftragten Arbeiten laufen seit
September 1996. Bis jetzt wurden bis zu einer Tiefe von 9 Metern rund
330.000 Tonnen Haus-, Gewerbe- und Industriemüll und - seit Oktober
1997 in den tieferen Schichten - rund 370 Tonnen gefährlicher Abfall
geborgen. Dabei handelt es sich um, mit Chemikalien - in der
Hauptsache Phenole, Trichloräthylen und Kohlenwasserstoffverbindungen
in flüssiger und pastöser Phase - befüllte, Fässer.
Auf Grund des zwischenzeitlich zurückgegangenen Grundwassers,
konnten im Februar erstmals die Abfallablagerungen 10 bis 15 Meter
unter Geländeoberkante untersucht werden. Nach Meinung der
Sachverständigenn, wird man beim Abbau neuerlich auf viele, mit
giftigen Chemikalien befüllte, Fässer stoßen. Bei Probeschürfen
wurde festgestellt, daß die meisten Behälter durch Rost,
beziehungsweise den Druck der darüber gelagerten Abfälle beschädigt
sind und - so die alarmierende Information der Sachverständigen -
deren Inhalt die unter dem Deponiekörper liegende Schotterschicht
bereits kontaminiert haben dürfte. Chemische Analysen werden derzeit
vorgenommen, nach grobsinnlicher Wahrnehmung kann jedoch davon
ausgegangen werden, daß es sich dabei um Lösungsmittel und Lacke
handeln dürfte.
Da nach geohydrologischen Statistiken bis zum Sommer ein weiteres
kontinuierliches Absinken des Grundwasserspiegels zu erwarten ist,
besteht derzeit keine Gefahr, daß in massiver Form Schadstoffe in das
Grundwasser-Reservoir Mitterndorfer Senke ausgeschwemmt werden. Im
nahen Abstrombereich befinden sich keine Hausbrunnen. Die den
gesamten Deponiekörper umschließenden Grundwasser-Meßsonden werden
laufend von Ziviltechnikern kontrolliert.
Eine - in Folge einer Grundwasserschwankung - auftretende Gefahr
würde sofort registriert werden. Um zu verhindern, daß im Spätsommer
durch den Grundwasseranstieg neuerlich massiv Schadstoffe in die
Mitterndorfer Senke gelangen und um eine teure Naßbaggerung zu
vermeiden, sollen die Arbeiten beschleunigt werden. Der im
Grundwasser-Schwankungsbereich gelegene Abfall muß, so der Auftrag
der Bezirkshauptmannschaft Wr. Neustadt an die ausführenden
Entsorgungsfirmen, bis Ende August geborgen werden. Der ursprüngliche
Zeitplan sah vor, daß die ehemalige Schottergrube erst bis Anfang
1999 vollständig geräumt wird.
(Fortsetzung möglich)
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