Berger-Deponie: Wettlauf gegen das Grundwasser

Sachverständige befürchten weitere Chemiebomben im Grundwasser-Schwankungsbereich - Räumungsarbeiten sollen forciert werden

Wien (OTS) - Die Bezirkshauptmannschaft Wiener Neustadt und die Arbeitsgemeinschaft Räumung Berger-Deponie teilen mit:

Im Rahmen einer Verwaltungsexekution wird zum Schutz des Grundwassers der Abfall aus der ehemaligen Berger-Deponie in Weikersdorf bei Wr. Neustadt geräumt. Die vom Bundesministerium für Inneres wegen "Gefahr im Verzug" beauftragten Arbeiten laufen seit September 1996. Bis jetzt wurden bis zu einer Tiefe von 9 Metern rund 330.000 Tonnen Haus-, Gewerbe- und Industriemüll und - seit Oktober 1997 in den tieferen Schichten - rund 370 Tonnen gefährlicher Abfall geborgen. Dabei handelt es sich um, mit Chemikalien - in der Hauptsache Phenole, Trichloräthylen und Kohlenwasserstoffverbindungen in flüssiger und pastöser Phase - befüllte, Fässer.

Auf Grund des zwischenzeitlich zurückgegangenen Grundwassers, konnten im Februar erstmals die Abfallablagerungen 10 bis 15 Meter unter Geländeoberkante untersucht werden. Nach Meinung der Sachverständigenn, wird man beim Abbau neuerlich auf viele, mit giftigen Chemikalien befüllte, Fässer stoßen. Bei Probeschürfen wurde festgestellt, daß die meisten Behälter durch Rost, beziehungsweise den Druck der darüber gelagerten Abfälle beschädigt sind und - so die alarmierende Information der Sachverständigen -deren Inhalt die unter dem Deponiekörper liegende Schotterschicht bereits kontaminiert haben dürfte. Chemische Analysen werden derzeit vorgenommen, nach grobsinnlicher Wahrnehmung kann jedoch davon ausgegangen werden, daß es sich dabei um Lösungsmittel und Lacke handeln dürfte.

Da nach geohydrologischen Statistiken bis zum Sommer ein weiteres kontinuierliches Absinken des Grundwasserspiegels zu erwarten ist, besteht derzeit keine Gefahr, daß in massiver Form Schadstoffe in das Grundwasser-Reservoir Mitterndorfer Senke ausgeschwemmt werden. Im nahen Abstrombereich befinden sich keine Hausbrunnen. Die den gesamten Deponiekörper umschließenden Grundwasser-Meßsonden werden laufend von Ziviltechnikern kontrolliert.

Eine - in Folge einer Grundwasserschwankung - auftretende Gefahr würde sofort registriert werden. Um zu verhindern, daß im Spätsommer durch den Grundwasseranstieg neuerlich massiv Schadstoffe in die Mitterndorfer Senke gelangen und um eine teure Naßbaggerung zu vermeiden, sollen die Arbeiten beschleunigt werden. Der im Grundwasser-Schwankungsbereich gelegene Abfall muß, so der Auftrag der Bezirkshauptmannschaft Wr. Neustadt an die ausführenden Entsorgungsfirmen, bis Ende August geborgen werden. Der ursprüngliche Zeitplan sah vor, daß die ehemalige Schottergrube erst bis Anfang 1999 vollständig geräumt wird.

(Fortsetzung möglich)

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