An die Landeshauptleute

Wien, 9.3.1998 (car-pd)
Sehr geehrte Landeshauptleute!

Die Konferenz der österreichischen Caritasdirektoren hat sich am
3. März 1998 ausführlich mit der Situation und Zukunft der bosnischen Kriegsflüchtlinge in Österreich beschäftigt. Im Auftrag dieser Konferenz wende ich mich nun an Sie, sehr geehrte Landeshauptleute.

Bekanntlich wird Ende Juli dieses Jahres die sogenannte "De-facto-Aktion" zur Unterstützung von bosnischen Kriegsvertriebenen auslau-fen.

Vor dem Hintergrund der Befürwortung von freiwilliger Rückkehr und deren aktiver Bewerbung nehmen wir wahr, daß trotz erster positiver Signale eine breit angelegte Minderheitenrückkehr in die Republik Srpska auf absehbare Zeit nicht realistisch scheint. Wir erwarten da-her, daß Ende Juli noch etwa 4.000 unterstützungsabhängige Bosnier in Österreich leben werden - ohne eine Aussicht auf baldige Rückkehr zu haben. Viele dieser entwurzelten Menschen haben persönliche traumatische Erlebnisse zu bewältigen, sind alt oder krank und haben keine Bezugsperson in ihrem Heimatland, manche stehen mitten in ih-rer schulischen Ausbildung.

Da diese Menschen deren vorübergehender Schutz über Jahre hinweg immer wieder verlängert wurde, bis zu sechs Jahre "provisorische Lö-sung" hinter sich haben, wurde Mitte 1997 anläßlich der Beschließung der letzten Verordnung nach § 12 AufG von allen Seiten der Wille zu einer dauerhaften Lösung bekräftigt.

Vor diesem Hintergrund wende ich mich an Sie mit dem dringenden Ersuchen, durch Ihren persönlichen Einsatz dazu beitragen, die "Bosnier-Aktion" zu einem positiven Ende zu führen, indem für diese nach wie vor betroffenen Menschen eine auf Dauer ausgerichtete hu-manitäre Lösung gefunden, ihnen letztlich also Heimat in Österreich geboten wird.

Österreich hat durch die von Bund und Ländern gemeinsam getragene "De-facto-Aktion" international Anerkennung gefunden. Aufgrund der 1997 durchgeführten Rückkehr-Aktion sind viele Bosnier freiwillig nach Hause zurückgekehrt. Beides konnte nur durch gemeinsame Anstren-gungen von Bund, Ländern und Gemeinden einerseits, sowie durch
das große Engagement von Caritas und anderen sozialen Einrichtun-gen andererseits, gelingen.

An diesem Erfolgsmodell sollte nach Auffassung der Caritasdirektoren-konferenz angeknüpft werden. Entsprechend dem grundsätzlich beste-henden Konsens hinsichtlich dauerhafter Integration erscheint mir zur Sicherung einer angemessenen Lösung für diese durch ihr Schicksal geschundenen Menschen ihre Wahrnehmung von gemeinsamer Ver-antwortung auch für die Zukunft wichtig.

Im Namen der österreichischen Caritasdirektoren appelliere ich daher an Sie, sich bei der am 11. März stattfindenden Landeshauptleute-Konferenz persönlich für eine dauerhafte Lösung für unsere bosni-schen Mitmenschen einzusetzen.

Mit herzlichen Grüßen,
Franz Küberl
Präsident

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