Knoll: Neue staatliche Rahmenbedingungen in der Frauenpolitik

Knoll fordert von Österreichs PolitikerInnen mutige Entscheidungen für Frauen hier und heute

Wien (OTS) - Bundespräsidentschaftskandidatin Mag. Gertraud Knoll nimmt den Internationalen Frauentag 1998 am kommenden Sonntag zum Anlaß ihre Positionen zu frauenpolitischen Themen klarzustellen:

Ich nütze den Frauentag als Chance, Verbesserungen der ganz realen Lebenssituationen von Frauen einzufordern. Es macht mir Sorge, daß die Lohnschere zwischen Frauen- und Männern in letzter Zeit noch größer geworden ist. Männer verdienen im Durchschnitt um 44 % mehr als Frauen. Sie haben sich darum zu kümmern, wie sie Kinder und Beruf unter einen Hut bekommen. Über 130.000 Kinderbetreuungsplätze fehlen. Immer mehr Frauen werden auf schlechte Arbeitsplätze verdrängt. Die Wirtschaft verlangt von ihnen Flexibilität, ist aber selbst nicht flexibel, wenn es um Menschen mit Kindern geht. Frauen leisten Arbeit, von der sie kaum leben können. Sie sind es, die immer häufiger keine oder kaum eine soziale Absicherung haben. Zwei Drittel der bloß geringfügig Beschäftigten sind Frauen. Immer mehr Frauen bekommen bloß Werkverträge. Alleinerzieherinnen werden im Stich gelassen. Arbeitslosigkeit wird immer seltener als persönliches Versagen betrachtet. Gerade ältere Frauen haben verstärkt unter dieser Entwicklung zu leiden: Sie gelten als zu alt für den Arbeitsmarkt, aber als zu jung für die Pension. Überall wird gekürzt und gespart, auf der Strecke bleiben gerade die Schwächeren. Auf der Strecke bleiben auch die Frauen, denen körperlich und seelisch Gewalt angetan wird. Das darf nicht so bleiben.

Deshalb fordere ich von unseren PolitikerInnen mutige Entscheidungen hier und heute.

Wir brauchen neue staatliche Rahmenbedingungen. Es muß zum Gesellschaftspolitischen Ziel werden, daß Frauen ihre Fähigkeiten und Neigungen auch umsetzen können. Kein Staat kann es sich auf Dauer leisten, auf das Potential der Frauen zu verzichten. Egal in welchem Beruf, ob Arbeiterin oder Managerin, ob Pensionistin oder Studentin:
In der Bezahlung muß sichtbar sein, daß alle gleich wertvoll sind.

Seit Jahrzehnten fordern Politikerinnen und engagierte Frauen im Detail die notwendigen Veränderungen ein. Auch die Punkte des Frauenvolksbegehrens zeigen, in welche Richtung es gehen sollte. Es muß gefördert werden, daß Frauen tatsächlich alle Positionen einnehmen können - auch die gut bezahlten, auch solche in angeblichen Männerberufen. Eine Bildungsreform hat dafür zu sorgen, daß Mädchen nicht früh der Mut für ihren eigenen Weg genommen wird. Wir brauchen eine flexible Gesellschaft, in der Kinder selbstbewußt mitleben können und nicht - gemeinsam mit ihren Müttern - ins Private verdrängt werden. Dazu bedarf es guter Betreuungseinrichtungen ebenso wie eines grundsätzlichen Umdenkens. Und wir brauchen ein Netz, bei dem die Schwächsten nicht länger durch die Maschen fallen. Dazu gehört eine eigene Frauenpension ebenso wie neue Bestimmungen im Eherecht und die Sorge für Frauen aus anderen Ländern.

Frauen dürfen nicht mehr länger die Verliererinnen der Gesellschaft sein. Die Zukunft muß weiblich werden. Vor einigen Jahrhunderten wurde geglaubt, daß die Erde im Mittelpunkt steht und die Sonne um die Erde kreist. Seit vielen Jahrhunderten glauben Männer, daß sie im Mittelpunkt stehen und alles andere um sie zu kreisen hat. So kann man sich irren. Im Mittelpunkt steht der Mensch.

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