VOTRUBA : GERINGFÜGIGE BESCHÄFTIGUNG SCHADET FRAUEN

Landesrätin Votruba fordert Maßnahmen gegen weitere Zunahme

St. Pölten (SPI) Parallel zur zunehmenden Flexibilisierung
der Arbeitszeit ist ein stetes Ansteigen der geringfügigen Beschäftigung zu verzeichen, das vor allem zu Lasten der Frauen geht, die den überwiegenden Teil der geringfügig Beschäftigten stellen. Wurden mit 1.1.1995 noch 18.532 Geringfügige Beschäftigungen in Niederösterreich vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger erfaßt, waren es mit 1.1. 1996 bereits 19.984, mit 1.1. 1997 schon 21.961 und mit
Beginn des heurigen Jahres sogar 23.615, davon 6.233 Männer und 17.382 Frauen. Es sind deshalb Maßnahmen zur Eindämmung eines weiteren Ansteigens dringend erforderlich, forderte Landesrätin Traude Votruba Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit
Dr. Christopher Prinz und Mag. Ruth Finder, im Rahmen derer die
neue Studie des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung zur geringfügen Beschäftigung präsentiert wurde.

Da der Großteil der "Geringfügigen" nur saisonal und mit oft wechselnden Arbeitsplätzen beschäftigt ist, stellen diese Zahlen lediglich eine Momentaufnahme dar, die Studie geht in
realistischer Weise von einem weitaus höherem Anteil an der Gesamtbeschäftigung aus. "So waren es im Sommer 1997 sogar 24.720 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die lediglich geringfügig beschäftigt waren", erinnerte die Landesrätin. Insgesamt dürften im Laufe eines Jahres rund 40.000 Arbeitnehmer allein in Niederösterreich, davon zu rund 3/4 Frauen, betroffen sein. Während es sich bei den Männern zu einem sehr hohen Prozentsatz -man geht von über 60 Prozent aus -, um Zusatzverdienste handelt, würde der Großteil der Frauen vollwertige Arbeitsplätze bevorzugen, stellte Votruba klar.

Die geringfügige Beschäftigung, wobei der Großteil unter 8 Stunden in der Woche arbeitet, bringt kein existenzsicherndes Einkommen und keine sozial- und pensionsrechtliche Absicherung mit sich. "Die geringfüge Beschäftigung geht darüberhinaus zu Lasten der Voll- und Teilzeitarbeitsplätze und entspricht letztendlich jener ‘neoliberalen’ Philosophie, wonach sich die Wirtschaft alle Freiheiten zu Lasten der Rechte, Einkommen und sozialen
Absicherung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer herausnehmen kann, um die Gewinne zu maximieren", kritisierte die Landesrätin. Sie stellt auch jenen Weg in eine abzulehende Zukunft der Arbeitswelt dar, die mit den sogenannten "Mac Jobs" umschrieben werden kann, von denen ein Arbeitnehmer mehrere braucht, um überhaupt überleben zu können - ohne Rücksicht auf die Arbeitszeit, Tageszeit, Wochenenden und soziale Sicherheit. "Der zunehmende Anteil der Geringfügigen kann zur Entstehung einer
neuen Klasse, der sogenannten "Working poor" führen, also
Menschen, die zwar Beschäftigung haben, daraus aber ihre Existenz nicht bestreiten können, warnte Votruba. "Da die Studie von rund 270.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern österreichweit
ausgeht, die von geringfügiger Beschäftigung betroffen sind, zeigt sich, wie groß diese Gefahr in Wahrheit schon ist", unterstrich
die Landesrätin.

Ohne eigene Existenzgrundlage werden aber die bestehenden Abhängigkeiten der Frauen zementiert - und daß bis in Alter, da auch die entsprechenden Versicherungszeiten fehlen oder die Beitragsleistung so gering war, daß die Existenz im Alter aus
einer allfälligen Pension nicht gewährleistet ist. "Die geringfügige Beschäftigung heute provoziert also die Armut von morgen und diese Entwicklung kann und darf man im Interesse der arbeitenden Menschen nicht zulassen - insbesondere aus frauenpolitischer Sicht, sind doch einmal mehr die Frauen die Hauptbetroffenen", stellte Votruba abschließend klar. (Schluß)nk/ns

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