AK: Unternehmen schulden Arbeitnehmern 450 Millionen

141 Mio Schilling hat die AK Wien 1997 erstritten, 450 Mio sind noch offen

Wien (OTS) - Allein in Wien sind Arbeitgeber noch rd 450 Mio Schilling schuldig, die vor dem Arbeits- und Sozialgericht eingeklagt werden müssen. 1997 konnten über 3.200 Fälle abgeschlossen und dabei mehr als 141 Mio Schilling erstritten werden. Nach Ansicht der AK-Experten nur die Spitze des Eisbergs. "Die Fälle, wo Arbeitgeber ihren Beschäftigten den Lohn oder Lohnbestandteile vorenthalten, häufen sich in der Rechtsschutzabteilung der Arbeiterkammer", erklärt der stellvertretende Direktor der AK Wien, Georg Ziniel.****

Spitze des Eisbergs
Werden die erstrittenen 141 Mio zu den noch offenen 450 Mio Schilling dazugerechnet, betrug 1997 der Gesamtschuldenstand der Arbeitgeber über 590 Mio Schilling. Bei einem Durchschnittseinkommen von 28.000 Schilling bedeutet dies, daß die Arbeitgeber Monatslöhne für über 21.000 Arbeitnehmer vorenthalten haben.

Vorenthalten werden beispielsweise Urlaubsentschädigungen, Weihnachtsgeld oder Überstundenentgelt. In 80 Prozent aller Fälle vor Gericht geht es neben anderen Forderungen auch um den Lohn selbst. Über 90 Prozent aller Rechtsfälle werden von der AK gewonnen. Das bedeutet, daß die beklagten Arbeitgeber zu Unrecht die Zahlung von Ansprüchen verweigert haben.
Insbesondere bei kleineren Beträgen, wie vorenthaltenes Überstundenentgelt, fügen sich viele Arbeitnehmer aus Angst um den Arbeitsplatz in ihr Schicksal. "Die Zahl unserer Vertretungsfälle ist nur die Spitze des Eisbergs", so der AK-Experte. Besonders signifikant gestiegen ist der Anteil der Rechtsschutzfälle in der Baubranche und dem Baunebengewerbe (gegenüber 1996 plus 22 Prozent).

Kampf ums Überleben
Die Unternehmer mißbrauchen Arbeitnehmer-Ansprüche zu billigen Krediten für sich selbst. Wenn der Arbeitgeber nach einem Gang durch die Instanzen zahlen muß, zahlt er lediglich, was er
schuldig ist. Dazu kommen noch Aufwandersatz und Verzugszinsen in der Höhe von derzeit 8,5 Prozent. Die Vermutung: Ein Kredit beim Arbeitnehmer ist noch immer billiger, als einer bei der Bank. "Die Arbeitnehmer kommen dadurch in eine äußerst schwierige Lage. Sie erhalten keinen Lohn, Fixkosten wie Miete oder Strom laufen aber weiter", so Ziniel. Für die meisten wird das ein Kampf ums Überleben, denn die Verfahren können bis zu zwei Jahren dauern.

Das Spiel mit der Geduld
Die Geduld der Arbeitnehmer wird dabei in unverschämter Weise ausgenutzt. Zu oft lassen sich die betroffenen Arbeitnehmer von ihren Arbeitgebern mit falschen Vertröstungen abspeisen und warten einige Monate, bis sie ihre Ansprüche geltend machen. 95 Prozent der von der AK vertretenen Arbeitnehmer haben keinen Betriebsrat. Obwohl insgesamt eine Verschärfung des Klimas am Arbeitsmarkt verzeichnet werden muß, zeigt sich, daß es Arbeitnehmern in organisierten Betrieben vergleichsweise besser geht, betont
Ziniel: "Ein Betriebsrat hat eine bessere Verhandlungsposition gegenüber dem Arbeitgeber, als ein auf sich alleingestellter Arbeitnehmer."

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