Osteuropa kann aus Ostasienkrise lernen

Weltbank-Vizepräsident Linn warnt vor Überhitzung bei Aufwertungen in Osteuropa

Wien (PWK) - Die Weltbank hat die Auslöser der Ostasienkrise genau analysiert und ortet Ähnlichkeiten ansatzweise auch in Mittel- und Osteuropa, erklärte der Vizepräsident der Weltbank für Osteuropa und Zentralasien, Johannes F. Linn, heute Freitag bei einem Roundtable in der Wirtschaftskammer Österreich. Linn sprach vor allem die relativ großen Defizite in der Außenhandelsbilanz, rasche Währungsaufwertungen sowie den Umstand an, daß die Außenhandelsdefizite der MOEL vorwiegend von der Privatwirtschaft finanziert werden. Die relativ geringen öffentlichen Defizite - mit Ausnahme von Rußland und der Ukraine - stellen ebenfalls eine Parallele zur Ostasiensituation dar. ****

Um Tendenzen, die zur Ostasienkrise geführt haben, in Mittel- und Osteuropa auszuweichen, schlug Linn vor, das starke Wachstum der kurzfristigen Verschuldung in den MOEL zu bremsen, der Bankenüberwachung mehr Aufmerksamkeit zu widmen sowie den ansteigenden Privatkonsum und die Aufwertung der Währungen im Griff zu behalten.

Bis zu einem gewissen Maße sei der Aufwärtstrend der osteuropäischen Währungen eine ganz natürliche Entwicklung, erklärte Linn, da diese früher zum Teil eher unterbewertet waren. "Doch länderspezifisch muß man zu starke Aufwertungen unter Kontrolle halten und wenn nötig bremsen. Die Aufwertungen sollten jedoch in jedem Fall durch Konjunkturpolitik bereinigt werden und nicht durch strengere Maßnahmen im Handel".

Hält man die angesprochenen Punkte im Auge, rechnet Linn, daß sich die positiven wirtschaftlichen Entwicklungen in Mittel- und Osteuropa auch weiterhin fortsetzen werden. "Das BIP-Wachstum der MOEL betrug in den letzten Jahren rund 4 Prozent und auch in Rußland und der Ukraine rechnen wir mit Stabilisierungen". Die Weltbank ist in dieser Region sehr aktiv und hat seit 1991 rund 28 Mrd US-Dollar für Darlehen eingesetzt. Schwerpunkte werden dabei vor allem auf Umweltschutz, Förderung der privaten Investitionen, Rentenreform, Nachkriegswiederaufbau (Bosnien, Kaukasus, Tadschikistan) sowie zur Vorbereitung der MOEL auf den geplanten EU-Beitritt gesetzt.

Im Hinblick auf die EU-Erweiterung arbeitet die Weltbank eng mit der EU-Kommission, der Europäischen Entwicklungs- sowie der Europäischen Investitionsbank zusammen. "So soll verhindert werden, daß die Beitrittswerber nicht von jeder Institution andere Ratschläge erhalten, sondern eine klare Linie verfolgt wird", so Linn. Große Investitionslücken gilt es bei den MOEL vor allem in den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt und Infrastruktur zu stopfen.

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Dr. Walter Mayr

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