Der ländliche Raum muß Lebens- und Wirtschaftsraum bleiben

Sixtus Lanner im Club IW: Positive Seiten der ländlichen Struktur mit modernen Möglichkeiten der Technik kombinieren

Wien (PWK) - "Der ländliche Raum braucht eine positive
Perspektive. Wir müssen den Menschen Möglichkeiten aufzeigen und Chancen eröffnen, die über die Pflege der Tradition und die Errichtung von Naturparks hinausgehen", erklärte der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Ländlicher Raum, Sixtus Lanner, Donnerstag abend beim Club IW in der Wirtschaftskammer Österreich. Lanner sprach sich vor allem für eine stärkere Vernetzung von Stadt und Land bzw. von ländlichen Bereichen untereinander aus, um dem zunehmenden Funktionsverlust des ländlichen Raumes entgegenzuwirken. ****

Die wichtigste Antwort auf die Globalisierung sei die regionale Kooperation. "Wir müssen der Konzentrationsstrategie der Konzerne die Kooperationsstrategie der Regionen entgegensetzen", so Lanner. Netzwerke sollen die lokalen Kräfte stärken und damit die globalen Beziehungen ergänzen. Dies gilt für den Bereich der Infrastruktur genauso wie für die Produktion, die Vermarktung oder für das äußere Erscheinungsbild einer Region.

Lanner machte darauf aufmerksam, daß die Probleme der städtischen Industriegesellschaft nur im Zusammenwirken mit dem ländlichen Raum gelöst werden können. Wichtig sei dabei, daß nicht nur in der Stadt, sondern auch am Land eine eigenständige Entwicklung stattfindet. Eigenständigkeit bedeutet aber nicht Beziehungslosigkeit zur Stadt, sondern den Mut zu eigenen Wegen. "Städtische Modelle dürfen nicht kritiklos auf das Land übertragen werden", warnte Lanner.

Den Wettlauf mit der Masse kann die Landwirtschaft, die das Rückgrat des ländlichen Raumes bildet, vor allem mit Österreichs klein- und mittelbäuerlicher Struktur nicht gewinnen. Ihre Chancen liegen in der regionalen Spezialität, in der Frische der Produkte und in der Produktsicherheit aus der Region. Die Vernetzung der einzelnen Bereiche mit dem Ziel, die regionale Wertschöpfung zu verbessern, spielt dabei eine entscheidende Rolle. "Dies wird dann zu bestmöglichem Erfolg führen, wenn es gelingt, Landwirtschaft, Gewerbe, Handel und Tourismus organisatorisch zusammenzuführen, damit alle am gleichen Strang ziehen", betonte Lanner.

Der Rückgang der Basisversorgung hat in Teilen des ländlichen Raumes dramatische Ausmaße erreicht. Damit sinkt die Attraktivität und Lebensqualität in diesen Gegenden und verstärkt die Entwicklung der Pendlergesellschaft. Die Telekommunikation kann diesen Prozeß wieder umkehren und stellt daher eine Schlüsselfunktion für die Aufwertung des ländlichen Raumes dar. "Nicht der Mensch soll wandern, sondern Daten, Zahlen, Bilder und Töne werden elektronisch auf die Reise geschickt. Dadurch wird es möglich sein, daß die geistige Elite des ländlichen Raumes zunehmend in ihrer Heimat Arbeit findet und damit Führungskraft und politischer Einfluß auf das Land zurückkehren", ist Lanner überzeugt. Gewiß wird es nach wie vor Wanderungen vom Land in die Stadt geben, aber mehr als bisher werden flexible Arbeitsplätze eine Rolle spielen und über Telekommunikation abgewickelt werden.

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Dr. Peter Schnitt

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