Enquete der St. Pöltner Kulturinitiative zur Zukunft der Mariazeller Bahn

Wiederaufnahme des Güterverkehrs und Ausbau der touristischen Nutzung

St. Pölten, (SPI) - Zu einer hochkarätig besetzten Enquete zum Thema "Die Zukunft der Mariazeller Bahn" lud die St. Pöltner Kulturinitiative am vergangenen Sonntag in die "Grasser Mühle"
nach Frankenfels im Pielachtal. Neben dem Obmann der St. Pöltner Kulturinitiative, Labg. Karl Gruber, diskutierten u.a. Nationalrat Robert Sigl, AK-Vizepräsident Walter Pecina, Bgm. Robert Gruberbauer aus Weinburg und in Vertretung des Bürgermeisters der Landeshauptstadt St. Pölten GR Franz Gunacker. Die 25 Teilnehmer erörterten aus technischer und wirtschaftlicher Sicht die Zukunft der Mariazeller Schmalspurbahn und erarbeiteten Schwerpunkte künftiger Verkehrspolitik zur Sicherung der für das Pielachtal so wichtigen Bahnstrecke.****

Zur Absicherung des Bestandes wurde von den Teilnehmern die Wiederaufnahme des Güterverkehrs von Schwarzenbach nach Mariazell und Gußwerk gefordert. Der Rückgang des Güterverkehrs in den letzten Jahren trifft die wirtschaftliche Basis der Bahn, zumal ohnehin hinsichtlich der technischen Infrastruktur in den letzten Jahrzehnten wenig zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit und der Effizienz getan wurde. Laut Aussagen der ÖBB-Vertreter führen die Österreichischen Bundesbahnen derzeit eine Wirtschaftlichkeitsüberprüfung betreffend der Wiederaufnahme des Güterverkehrs durch, wobei Szenerien über die künftige Entwicklung der Bahn konzipiert werden sollen. Die Teilnehmer der Enquete forderten in diesem Zusammenhang die stärkere Berücksichtigung von Fragen der Umweltfreundlichkeit und der Lebensqualität, zumal das Pielachtal in den letzten Jahren unter einer großen Zunahme des LKW-Verkehrs zu leiden hat.

"Ein attraktives Tourismusangebot und die Sicherung des Güterverkehrs sind vereinbar! Schon ein kurzer Blick über die Grenzen in die Schweiz zeigen hier viele funktionierende
Beispiele. Was die Mariazellerbahn betrifft scheinen hier Konzepte auf wenig Gegenliebe zu stoßen", stellt der Obmann der Kulturinitiative, der St. Pöltner SP-Labg. Karl Gruber, fest. Eine Bahn mit reinem Personenverkehr zu betreiben ist - aufgrund der
sehr hohen Infrastrukturkosten - nur in wirklichen Tourismus-Schwerpunktgebieten möglich. Bei der Mariazellerbahn, eine der schönsten Gebirgsstrecken Mitteleuropas, liegen die
Zukunftschancen eher in einer sinnvollen Kombination von Personen-und Güterverkehr. "Trotzdem scheinen die ÖBB die Zielsetzung zu verfolgen, den Güterverkehr auszudünnen bzw. ganz einzustellen. Für die Aufrechterhaltung des Personenverkehrs ein Damoklesschwert - denn die Kostensituation wird sich weiter verschärfen und jenen Stimmen Vorschub leisten, welche die Bahn gänzlich einstellen wollen", so Gruber.

"Die Kulturinitiative St. Pölten weist auf eine globale Betrachtungsweise hin - auf die Umwegrentabilität der Bahn in Sachen Umweltschutz, die wichtige Transportinfrastruktur und die notwendige Mobilität der ansässigen Bevölkerung. Wird der Güterverkehr vollkommen eingestellt, sind nicht nur ansässige Betriebe dem LKW-Verkehr vollkommen ausgeliefert, es sind durchaus auch wirtschaftliche Einbußen zu befürchten. Den Anrainergemeinden blüht dann eine weitere Zunahme des Schwerverkehrs, welcher nicht nur die Lebensqualität beeinträchtigt, sondern auch gesundheitliche Gefährdungen nach sich zieht. Deshalb ist es höchste Zeit, daß sich die Verantwortlichen den zahlreichen Konzepten mit gegebener Ernsthaftigkeit widmen, um der Wirtschaft und der Bevölkerung sinnvolle Lösungen anzubieten", so Gruber weiter.

Einige war man sich in der Diskussion auch über die notwendige Attraktivierung des Personenverkehrs - vor allem für die Schüler und Pendler. Durch Streckenbegradigungen und Investitionen in die Sicherheitstechnik muß es zu einer maßgeblichen Verkürzung der Fahrzeit in die Landeshauptstadt kommen - nur dann können wieder vermehrt Fahrgäste für die Bahn gewonnen werden. Weiters muß das Service auf den Bahnhöfen (Lautsprecherdurchsagen) verbessert werden und es ist für ein zeitgemäßes, komfortables und modernes Waggonmaterial vorzusorgen. Die Akzeptanz der Mariazeller Bahn in der Bevölkerung ist eine der wichtigsten wirtschaftspolitischen Komponenten", schloß Gruber.
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