"Menschlichkeit ist kein Finanzproblem"

Caritaspräsident Küberl und Caritasdirektor Landau präsentieren im Flüchtlingsheim den Fastenbrief des Papstes

"Menschlichkeit darf sich nicht auf Leute mit Finanzkraft beschränken", betonten Caritas-Präsident Franz Küberl und der Wiener Caritasdirektor Michael Landau bei einem "Aschermittwoch mit Flüchtlingskindern." Die beiden Caritasverantwortlichen hatten zur Präsentation des päpstlichen Fastenbriefs Journalisten in ein Caritas-Flüchtlingshaus geladen.

Sie lobten die "mutigen Worte des Papstes", der in seiner Botschaft Rassismus und die Intoleranz gegenüber Personen kritisiert hatte, deren einzige "Schuld" darin bestehe, "daß sie Arbeit und bessere Lebensbedingungen außerhalb ihrer Heimat suchen. äDamit erteilt der Papst dem oberflächlichen und abwertenden Gerede über sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge eine klare Absage".

Im Umgang mit Kindern werde der "Opportunismus unserer
Gesellschaft" besonders deutlich, betonte Küberl. "Während Kinder in Österreich zu einem seltenen und kost-baren Gut werden - sie sollen ja schließlich die Pensionen unserer sogenannten Erfolgsgeneration bezahlen - werden Gastarbeiterkinder gerade noch mit Unmut toleriert und Kinder in Afrika als personifizierte Bevölkerungsexplosion mit Naturkatastrophen gleichgesetzt." Wenn diese jungen Menschen dann versuchen, ihrem Elend zu entkommen und in Österreich stranden, wird auch dementsprechend mit ihnen umgegangen.

"Auf Kinder wird keine Rücksicht genommen. Jugendliche werden von unseren Behörden genau wie Erwachsene behandelt. Die Anerkennungsquote von Kindern und Jugendlichen, die ohne Eltern als Flüchtlinge zu uns kommen liegt derzeit praktisch bei Null. Es fällt mir schwer zu glauben, daß es dabei immer fair zugeht, von menschlich ganz zu schweigen," sagte Caritasdirektor Landau. Er wies darauf hin, daß diese Jugendlichen oft in Schubhaft genommen werden, obwohl selbst der Gesetzgeber das nicht wünsche. Auch nach der Schubhaft sind die jungen Menschen gezwungen, unter entwürdigenden Verhältnissen zu leben. Sie sind oft den Aggressionen Erwachsener ausgesetzt und werden leicht Opfer von sexuellem Mißbrauch.
Küberl und Landau appellierten an die Österreicher, die Fastenzeit und die Botschaft des Papstes als "Stein des Anstoßes zu sehen." "Die Christen sollten Anstoß daran nehmen, wie unsere Gesellschaft mit Kindern umgeht, besonders mit jenen, die heimat- und hoffnungslos leben müssen. 40 Tage könnten ausreichen, um einiges in Bewegung zu bringen", hoffen die Caritasverantwortlichen.

Flüchtlingshilfe der Caritas
Österreichweit bietet die Caritas in rund 30 Einrichtungen Beratung und Unterkunft für Flüchtlinge an. 1996 haben sich 43.700 Personen an die Ausländerberatungsstellen der Caritas gewandt.
Die Caritas Wien bietet in vier Wohnheimen 550 Schlafplätze für Flüchtlinge an, drei Beratungsstellen bieten Hilfe in Fragen des Asyl-und Fremdenrechts und finanzielle Aushilfe in den dringendsten Notfällen. Neben der Unterbringung und Verpflegung helfen die Betreuer beim Lauf durch den Behördendschungel, in Fragen der Beschäftigungs- und Aufenthaltsbewilligung, bei der realistischen Beurteilung und Einschätzung der Situation der Flüchtlinge in Österreich und bei der Weiterreise oder Rückkehr ins Heimatland. Wenn sich ein längerer Aufenthalt in Österreich abzeichnet, werden Deutschkurse vermittelt und die Kinder ins Schulsystem integriert. Die durchschnittliche Verweildauer in den Heimen beträgt zwei bis drei Monate. Zeitlich begrenzte Startwohnungen geben den Flüchtlingen die Chance auf ein Leben in Selbständigkeit und Privatsphäre. 85% finden während dieser Zeit eine dauerhafte Bleibe.

Flüchtlingswohnheim Robert-Hamerlinggasse - 1997 ...
... fanden mehr als 1000 Flüchtlinge eine Unterkunft im Haus Robert Hamerlinggasse.
... darunter waren 119 Kinder, die von ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut und teilweise unterrichtet wurden.
... nur 68 der mehr als 1000 beherbergten Flüchtlinge erhielten einen positiven Asylbescheid.
...30% der Flüchtlinge kamen im Vorjahr aus dem Irak, 20% aus Jugoslawien, sieben Prozent aus Algerien. Insgesamt waren mehr als 60 Nationen waren vertreten. (Schluß)

Rückfragen: Caritas Öffentlichkeitsarbeit, Dr. Elisabeth Hotter, Tel. 87812-138, Fax: 8767538
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