Wirtschaftskammerpräsident Dr. Günter Puttinger: Keine FactoryOutlet Centers (FOC) in Salzburg und angrenzenden Regionen! - Welle anneuen "Diskont-Verkaufsmaschinen" kostet Arbeitsplätze im Handel

Salzburg (OTS) - Ult.: FOC müssen durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit verhindert

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"Die Wirtschaftskammer Salzburg wird alles
unternehmen, damit es im Bundesland Salzburg und in benachbarten Bundesländern und Regionennicht zur Errichtung von Factory Outlet Centers kommt. 30 derartige Centers gibt es in Europa schon, weitere 30 sind zur Zeit europaweit in Planung, 18 davon allein in unserem Nachbarland Bayern, zehn mögliche Standorte sind in Österreich in Diskussion. Da der Einzugsbereich eines FOC 100 km und mehr beträgt, kann nur die überregionale und grenzüberschreitende Koordination im Kampf gegen FOC helfen", erklärte der Salzburger Wirtschaftskammerpräsident Dr. Günter Puttinger am Donnerstag, 19. 2., in einem Pressegespräch.

Er begrüßte ausdrücklich die beabsichtigte Zusammenarbeit der Handelsorganisationen von Österreich (Bundessektion Handel), des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandels, der Handelskammer Udine sowie der Udineser Kaufleutevereinigung ASCOM in Sachen FOC. Deren Spitzenvertreter sind am Donnerstag zusammen mit den Obleuten der Handelssektionen aus den Wirtschaftskammern Österreichs in Salzburg zusammengetroffen, um die österreichweite und internationale Zusammenarbeit gegen FOC zu besprechen. In einer Resolution wurde beschlossen, gemeinsam und koordiniert gegen die hereinbrechende Flut der neuen "Diskont-Verkaufsmaschinen" (Handelsforscher Pock) vorzugehen.

Damit erhält die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Österreich gegen FOC eine weitere Qualität. Schon Anfang Februar haben die Landeshauptleute von Salzburg, Vorarlberg, Tirol, Oberösterreich und das Bayerische Staatsministerium vereinbart, dem Vordringen der FOC durch eine bessere Koordination Einhalt zu gebieten. "Jetzt treten zusätzlich wichtige Handelsverbände Mitteleuropas gegen die aus den USA herüberschwappende FOC-Welle an. Es muß uns gelingen, diese Flut, die die gewachsenen Strukturen des Einzelhandels noch mehr in Mitleidenschaft ziehen wird, durch eine kluge und international koordinierte Raumordnungs- und Wirtschaftspolitik zurückzudrängen", erwartet sich Puttinger konkrete Ergebnisse der gemeinsamen Vorgangsweise in Politik und Interessenvertretung.

FOC vernichten mehr Arbeitsplätze als sie schaffen

"FOC stellen eindeutig eine Fehlentwicklung dar, die zu wesentlich größeren Problemen führt, als wirtschaftlicher Nutzen entsteht", erklärte der Salzburger Wirtschaftskammerpräsident:

+ FOC haben bereits eine Eigendynamik gewonnen, die weit über ihren ursprünglichen Zweck - Ware zweiter Wahl anzubieten -hinausgeht. Sie sind nach Meinung von Experten zu eigenständigen Formen des Einzelhandels geworden, zu "diskontorientierten Einkaufszentren" (Handelsforscher Erwin Pock). Durch Zusammenschluß mehrerer Hersteller unter einem Verkaufsdach entstehen Mega-FOC, die dem traditionellen Einzelhandel und Fachhandel unterpreisig extreme und vernichtende Konkurrenz machen. Mittlerweile wird bereits reguläres Sortiment verkauft, zu Preisen, mit denen der Fachhandel nicht mehr mithalten kann, sondern nur mehr Diskonter und Großmärkte. FOC drohen, zum Todesstoß für den klassischen Einzelhandel zu werden.

+ Durch Hereinnahme von Elementen des klassischen Sortiments von Geschäften des innerstädtischen Handels (Hausrat, Glaswaren, Bekleidung etc.) werden die ohnehin gefährdeten Ortszentren weiter ausgehöhlt. Die Umsätze von FOC gehen direkt zu Lasten anderer Standorte und tragen insbesondere zu einer weiteren Verödung der Innenstädte bei. Der Einzugsbereich von 100 Kilometern und mehr zieht den Einzelhandel einer ganzen Region in Mitleidenschaft.

+ Längst schon nicht mehr sind FOC in der Nähe der Produzenten angesiedelt, sondern wegen ihrer sortimentsbezogenen Reichweite angünstigen Verkehrsknoten. Die Verkehrsinfrastruktur wird mit weiteren Verkehrsströmen belastet, die Verkehrsemissionen nehmen zu. Enorm ist der Flächenbedarf von FOC. Derartige Zentren können 40.000 qm Verkaufsfläche und 100.000 qm Grundfläche erreichen - ein raumordnerisches und ökologisches Problem erster Klasse.

+ FOC schaffen keine zusätzlichen Arbeitsplätze, sondern sind, volkswirtschaftlich gesehen, "Arbeitsplatzvernichtungsmaschinen". Für einen in der Regel geringer qualifizierten Arbeitsplatz im FOC werden drei qualifizierte Facharbeitsplätze im Handel geopfert, wie eine Untersuchung der deutschen Handelsgewerkschaft HBV ergeben hat.

"Die Wirtschaftskammer Salzburg, die seit Jahren um die Erhaltung der Nahversorgung im Bundesland Salzburg kämpft, sagt deshalb klar und deutlich 'Nein' zu Factory Outlet Centers. Wenn uns der traditionelle Fachhandel und die Nahversorgung etwas wert sind, dann müssen schleunigst rechtliche Handhaben erarbeitet werden, um den Vormarsch der Factory Outlet Centers zu stoppen", erklärte der Salzburger Wirtschaftskammerpräsident. Er erinnerte aber gleichzeitig daran, daß es auch im Bereich der "traditionellen Einkaufszentren" endlich Instrumente geben sollte, die die weitere Aushöhlung der Handelsstrukturen verhindern. Konkret forderte der Salzburger Wirtschaftskammerpräsident erneut die Einführung eines überregionalen "Landesprüfverfahrens" für Einkaufszentren und FOC, das die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Großprojekts einer ganzen Region ins Kalkül ziehen muß. "Factory Outlet Centers zeigen, daß es längst keinen Sinn mehr macht, Einkaufszentren mit enormem Einzugsgebiet nur auf Gemeindeebene zu beurteilen", schloß Puttinger: "Sind der Politik Einzelhandel und Nahversorgung wirklich wichtig, müssen auch endlich die brauchbaren Instrumente zur Regelung und Steuerung eines bisher ungehemmten Verkaufsflächenwachstums geschaffenwerden."

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