NAMEA: Wirtschaftsdaten werden mit ökologischen Daten verknüpft

Wien (ÖSTAT) - Eine NAMEA ist eine nach Wirtschaftszweigen gegliederte Tabelle, in welcher physische Emissionen (in die Luft, ins Wasser, in Form von Abfällen) und monetäre Daten einander gegenübergestellt werden. Das Kürzel steht für "National Account Matrix including Environmental Accounts”. Darin kommt zum Ausdruck, daß die Emissionen in Form von Umweltkonten mit der traditionellen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung verknüpfbar gemacht werden, um neben den Wirtschaftsindikatoren (Bruttoproduktionswert, Wertschöpfung, Beschäftigte) auch die Mengen der durch die jeweilige Wirtschaftstätigkeit erzeugten Schadstoffe darzustellen.

Als Kooperation zwischen dem Österreichischen Statistischen Zentralamt (ÖSTAT) und dem Umweltbundesamt (UBA) wurde die NAMEA für die Luftemissionen 1994 berechnet. In dieser Matrix sind die Emissionen von acht Luftschadstoffen bzw. Treibhausgasen (CO2, CO, CH4, NMVOC, NOx, NH3, SO2, N2O) dem unmittelbar verursachenden Wirtschaftssektor (Primärverursacher) zugeordnet, gegliedert nach der EU-Systematik der Wirtschaftstätigkeiten ÖNACE Rev.1. Dadurch ist erstmals ein direkter Vergleich von Daten aus Ökologie und Ökonomie möglich. Auch die Emissionen der Privathaushalte werden präsentiert. Im Vergleich zur Emissionsinventur CORINAIR, einer der verwendeten Datengrundlagen, besteht eine der Neuerung in der Aufteilung der Emissionen des Straßenverkehrs auf alle Wirtschaftssektoren mit eigenem Fuhrpark und die privaten Haushalte. Vor allem aber können in einer NAMEA die Emissionen direkt mit wirtschaftlichen Aktivitäten verbunden werden. Es ist geplant, regelmäßig derartige Daten zu erstellen und auch Abwässer und Abfälle miteinzubeziehen.

Die Analyse zeigt die wichtigsten Verursacher für jeden Schadstoff auf und leitet Emissionsintensitäten der Wirtschaftssektoren ab. Die Privathaushalte zählen zu den wichtigsten Verursachern der "klassischen” Luftschadstoffe (CO2, SO2, NOx und CO), wofür vor allem der Hausbrand und der PKW - Verkehr als Ursachen zu nennen sind. Die emissionsintensivsten Branchen der Wirtschaft gehören erwartungsgemäß der Grundstoffindustrie an, aber auch die Schiffahrt und der Landverkehr (Eisenbahnen, gewerblich betriebener Straßenverkehr) produzieren, gemessen am Beitrag zur Volkswirtschaft, große Mengen an Luftschadstoffen. Weiters zeigt sich, daß vor allem die Landwirtschaft ein Produzent von NMVOC, Methan, Lachgas und Ammoniak ist. Die NMVOC umfassen eine große Palette verschiedener Substanzen, darunter auch die in jedem Wald natürlich vorkommenden Terpene, die der Land- und Forstwirtschaft zugeordnet werden müssen. Die Gruppe der NMVOC enthält weiters das in Treibstoffen vorkommende Benzol, Toluol und Xylol; diese Stoffe gelangen durch Verdunstung aus Kraftfahrzeugen und Tankstellen sowie durch unvollständige Verbrennung in Personenkraftwagen in die Atmosphäre. Noch höhere Mengen an NMVOC stellen die Vielzahl von Lösemitteln, die in Farben, Lacken und Klebstoffen enthalten sind, dar, und deshalb sind das Verlagswesen und die Be- und Verarbeitung von Holz andere wichtige Produzenten von NMVOC.

Methan (CH4) ist vorwiegend ein Endprodukt der Verdauung bei den Wiederkäuern (Rinder und Schafe) sowie der anaeroben Gärung von Klärschlamm und von biogenen Abfällen in Mülldeponien. Es entsteht auch bei der Ausbringung von Gülle auf landwirtschaftliche Böden.

Ammoniak (NH3) ist ebenfalls eine Emission aus der Gülle und begünstigt zusammen mit übermäßigen Gaben an mineralischen Stickstoffdüngern die Bildung von Lachgas (N2O) und NOx - Emissionen.

Das Treibhausgas N2O entsteht weiters durch den Straßenverkehr, vorwiegend bei der Umwandlung von Stickoxiden in Luftstickstoff in den Katalysatoren und bei den schweren Nutzfahrzeugen und Bussen.

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