HÖGER : MENSCHEN SIND WICHTIGER ALS AKTIEN

Weitestgehende Vollbeschäftigung in Niederösterreich möglich

St. Pölten (SPI) Nahezu sämtliche Wirtschaftsexperten prognostizieren der NÖ-Wirtschaft für das heurige Jahr ein weiteres Wachstum. Dieses Wirtschaftswachstum muß auch in zusätzliche Beschäftigung umgesetzt werden, wobei dabei vier Schienen parallel zu fahren sind : Der Kampf um jeden einzelnen Arbeitsplatz ist in Summe äusserst erfolgreich und konsequent fortzusetzen; mit dem zügigen Ausbau der Infrastruktur sowie den regionalen Innovations- und Forschungszentren sind Impulse für qualitativ hochwertige Betriebe mit großer Wertschöpfung zu setzen; die Ausbildung ist auf allen Ebenen, vor allem aber im Bereich der Facharbeit, zu forcieren; und im ‘nicht marktkonformen’ sowie ‘Non profit-Bereich’ ist neue Arbeit zu schaffen, statt die Arbeitslosigkeit zu finanzieren. Für sämtliche vier Schienen gibt es Beispiele, wie das bereits funktioniert, erklärte Landeshauptmannstv. Ernst Höger Mittwoch abends bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Mag. Viktor Klima in St. Pölten, die im Rahmen des NÖ-Tages des Bundeskanzlers stattfand. "Für uns sind Menschen wichtiger als Aktien und es gilt dafür zu sorgen, daß auch die Arbeitnehmer vom Fortschritt in der Wirtschaft profitieren", unterstrich Höger.

Mit diesen Maßnahmen ist in Summe mittelfristig eine weitestgehende Vollbeschäftigung in Niederösterreich erzielbar. "Wir können unsere Zukunft gestalten. Ein immer kleinerer Kreis
von Managern verordnet immer neue ‘Sachzwänge’, von denen immer mehr Menschen negativ betroffen sind. Diese Sachzwänge werden also von Menschen gemacht und sind daher veränderbar", stellte Höger klar. Wir werden auch nicht zulassen, daß in Zeiten steigender Umsätze und wachsender Gewinne unter dem Deckmantel des ‘Neoliberalismus’ den Arbeitnehmern wieder alles weggenommen wird, was sie sich in weitaus schwierigeren Zeiten bei weitaus weniger Beschäftigten erkämpft haben, unterstrich der Landeshauptmannstv. "Mit geht es um die Aufrechterhaltung des sozialen Gleichgewichts und darum, daß der wirtschaftliche Fortschritt nicht zum Rückschritt für tausende Arbeitnehmer wird", betonte Höger.

1. Kampf um jeden Arbeitsplatz erfolgreich

Der Kampf um jeden einzelnen Arbeitsplatz hat sich bezahlt gemacht. In den vergangenen Jahren konnten durch den Einsatz
Högers über 5.500 Arbeitsplätze unmittelbar, mit den betroffenen Zulieferbetrieben mittelbar sogar über 12.000 abgesichert werden. So sind etwa von den rund 2.800 Industriearbeitsplätzen im Triestingtal 1.400 direkt auf diesen Einsatz Högers zurückzuführen - bei der Hirtenberger AG (rd. 400), der Berndorf AG (rd. 900),
der IDL-Schmiede in Berndorf (rd.90) sowie der Polytechnik in Weissenbach/Tr. (rd. 30).

Die erfolgreichen Sanierungen reichen von der Schmid-
Schrauben in Hainfeld, der Gieserei Traisen und der VOEST bis zur Glanzstoff in St. Pöllten, der Zuckerfabrik in Hohenau, Eskimo-Iglo in Großenzerdorf (Absicherung der Tiefkühlproduktion und der Existenz hunderter darauf ausgerichteter Landwirte), der Semperit (Verhinderung der Standortschließung), der Ergee in Schrems, der Holtex (Auffanggesellschaft JIL-Seide und Verkauf Werk Großsiegharts an Eybl) sowie vieler anderer.

"Auch bei der ÖSPAG in Wilhelmsburg war ein MBO fertig vorbereitet und eingeleitet, scheiterte aber letztendlich am Nein von Laufen in der Schweiz. Und für die Konzernentscheidungen im Ausland ist die Politik schwer schuldig zu machen", erinnerte der Landeshauptmannstv. Aber all diese Betriebe haben eines gemeinsam
: Ohne unseren Einsatz gäbe es sie nicht mehr, der die

Schaffung einer Landesbeteiligungsgesellschaft nach dem Vorbild der GBI (Gesellschaft für Beteiligungen an Industrieanlagen des Bundes), die sich bestens bewährt hat - Schmid-Schrauben, Ergee etc....- sowie die

Schaffung von Ausbildungs- und Qualifikationsverbänden, um rechtzeitig Umschulen oder Weiterbilden zu können, forderte. Der Qualifikationsverbund Triestingtal, mit 2.500 Beschäftigten der größte seiner Art in Mitteleuropa, ist dafür ein sehr gutes Beispiel

2. Forcierung von Forschung und Entwicklung

Da wir nur mit modernen, zukunftsweisenden Betrieben mit hoher Wertschöpfung wirtschaftlich reussieren werden, sind die Infrastruktur im Verkehrs- wie Kommunikationsbereich zügig auszubauen und mit neuen Regionalen Innovations- und Forschungszentren über die neue RIZ-Holding forciert Impulse zu setzen. "Dabei sind sowohl europäische wie auch regionale Schwerpunkte zu setzen, die die in den Regionen vorhandenen Ressoursen nutzen und darauf aufbauen", stellte Höger klar.

Beispiel für einen europäischen Schwerpunkt auf höchstem Niveau ist das Projekt Civitas Nova in Wr. Neustadt, wo das RIZ,
die Fachhochschule, das TZU und das neue Kompetenzzentrum für Medizintechnik und Rehabilitation (KMR) eine sinnvolle Ergänzung von Ausbildung, Forschung, Entwicklung und Produktion bilden. "Wr. Neustadt hat damit alle Chancen, zum einem der medizinischen Forschungszentren der EU zu werden", betonte Höger und forderte ausgehend von diesem erfolgreichen Beispiel :

je ein Innovationszentrum pro Landesviertel, mittelfristig eines je Bezirk, wobei dabei nach regionalem Bedarf zwischen Technolgiezentren, Technologieparks, Gründerzentren, Gewerbeparks, Businessparks oder Industrieparks zu entscheiden ist.

3. Klare Schwerpunktsetzung auf Berufsausbildung

Die hohe Qualifikation unserer Arbeitnehmer ist einer der
ganz großen Standortvorteile Niederösterreichs, den es auszubauen gilt. Die Verbesserung des Zugangs auch von Lehrlingen bis in den Fachhochschul- und Universiätsbereich ist eingeleitet, verbessert werden muß die Durchlässigkeit des Schulsystems allerdings sowohl in vertikaler wie horizontaler Richtung. (Leichtere Übertrittsmöglichkeiten zwischen Berufsschulen, BMS/BHS und AHS). Ziel muß es sein, daß kein einziger Jugendlicher durch die Selektionsmechanismen des Schulsystems in eine Sackgasse gerät und damit keine Chancen auf eine Qualifikation mehr hat "Grundvoraussetzung ist allerdings, daß es ein ausreichendes Berufsausbildungsangebot gibt. Deshalb ist eine klare Schwerpunktsetzung auf die Berufsausbildung zu vorzunehmen", forderte Höger.

Wenn die Wirtschaft nach wie vor ihrer Verantwortung nicht nachkommt, so sind

Zwischen- und überbetriebliche Ausbildungsformen zu forcieren Berufsfachschulen zu schaffen, innerhalb derer ein Lehrberuf zur Gänze erlernt werden kann und der Schulabschluß der Lehrabschlußprüfung entspricht,

Lehrwerkstätten in Unternehmen großzügig zu fördern (wie das AMS bereits eingeleitet hat) und ein

Fonds zur Finanzierung dieser Ausbildungsformen zu installieren, der von jenen Unternehmen mitgespeist wird, die nicht ausbilden.

4. Neue Wege zu neuen Formen der Arbeit

Arbeit gibt es in unserer Gesellschaft genug, nur ist sie vielfach nicht marktkonform oder wäre im sogenannten ‘Non profit-Bereich’ angesiedelt. "Anstatt den Menschen Geld in die Hand zu geben und zu sagen ‘Danke, aber wir brauchen dich nicht’, müssen wir Geld in die Hand nehmen und Arbeit finanzieren, nicht die Arbeitslosigkeit", forderte Höger. Das Projekt Startbahn in Bad Vöslau ist eines der erfolgreichen Beispiele für diesen Weg. Obwohl die Leistungen des AMS-NÖ hervorzuheben sind, flossen von den 1997 ausbezahlten 6,3 Milliarden noch immer 5,2 Milliarden an Arbeitslose und -obwohl beispielgebend - ‘nur’ 1,1 Milliarden in Beschäftigungsprojekte. "Hier sieht man, welch großen Spielraum wir für diese Maßnahmen haben, wenn die enstprechenden gesetzlichen und organisatorischen Weichenstellungen vorgenommen werden", betonte der Landeshauptmannstv.und forderte die :

Schaffung von Arbeit durch Finanzierung aus Arbeitslosengeldern
in den Gemeinden und im Sozialbereich

Absicherung von Arbeit für jene, die den raschen technologischen Wandel nicht mitmachen oder nicht mehr mitmachen können oder wollen.

"Die steigenden Anforderungen der Wirtschaft werden nämlich nicht von allen Arbeitnehmern erfüllbar sein, gleichzeitig gehen mit der Umstrukturierung zunehmend die minderqualifzierten Arbeitsplätze verloren. Arbeit schaffen heißt nicht nur Unternehmen zu unterstützen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern, sondern dafür Sorge zu tragen, daß alle Menschen gemäß ihrer Befähigung und Möglichkeiten eine existenzsichernde und erfüllende Beschäftigung finden", so Höger, "denn sonst geht das soziale Gleichgewicht verloren".
(Schluß)nk/ns

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