Flaute am Bau hat Dachdecker und Pflasterer erwischt

Aufträge im 4. Quartal verharren auf Vorjahresniveau Lehrlingssituation hat sich deutlich verbessert

Wien (PWK) - Die Flaute am Bau hat nun auch die österreichischen Dachdecker und Pflasterer erwischt. Wie die jüngste Konjunkturbeobachtung des Instituts für Gewerbe- und Handwerksforschung zeigt, lag der durchschnittliche Auftragsbestand 1997 im IV. Quartal mit 10,6 Wochen um 0,2 Wochen unter dem Wert des Jahres 1996. Der öffentliche Auftragsanteil stagnierte bei 16 Prozent. "Wir haben im letzten Herbst in der Hochsaison so wenige Arbeit wie schon lange nicht mehr gehabt. Es wird um jeden Auftrag gerauft", beschreibt Oswald Schopf, Bundesinnungsmeister der Dachdecker und Pflasterer, die Situation. Besonders das Geschäft im privaten und öffentlichen Wohnbau laufe derzeit 'katastrophal'. Lichtblick gäbe es nur in den Bereichen Sanierung und Wärmetechnik. ****

Sehr unterschiedlich entwickelte sich die Konjunktur in den Bundesländern. Salzburger (-3,5 Wochen) und oberösterreichische (-2,6 Wochen) Dachdeckerbetriebe mußten deutliche Rückgänge verkraften. In Wien (+ 4 Wochen) und im Burgenland (+ 3 Wochen) ist der durchschnittliche Auftragsbestand hingegen gestiegen.

Die Auftragseingangserwartungen für das I. Quartal 1998 sind per Saldo nach wie vor negativ, haben sich jedoch im Vergleich zum Vorjahr etwas verbessert. Im Vorjahr erwarteten 30 Prozent der Betriebe sinkende Auftragseingänge.

Entspannt hat sich in den letzten Jahren die Situation bei den Lehrlingen. "Derzeit haben wir nicht nur Lehrlinge in ausreichender Zahl, sondern auch mit ausreichender Qualifikation" zeigt sich Schopf erfreut. Der Bundesinnungsmeister führt die Entwicklung nicht nur auf die geburtenstarken Jahrgänge, sondern auch auf ein Umdenken bei den Eltern zurück. "Matura ist nicht mehr alles. Wenn es um eine sichere Zukunft geht, gewinnt das Handwerk wieder an Boden". Von 1993 bis 1996 stieg die Zahl der Lehrlinge von 201 auf 261. Dieser Trend werde auch weiterhin anhalten, "wenn der Gesetzgeber nicht die bereits jetzt schon überzogenen Bestimmungen im Kinder- und Jugendlichenbeschäftigungsgesetz (KJBG) weiter verschärft".

Was die Beschäftigungssituation betrifft, so wird der saisonalbedingte Abbau im I. Quartal 1998 geringer ausfallen als im Vorjahr. Im Durchschnitt planen die Unternehmer ihren Personalstand um 14,6% zu reduzieren, im Vorjahr waren es 16%. Als größtes Hindernis für weitere Beschäftigung nannte Schopf den gewerbsmäßigen Pfusch, der auch bei den Dachdeckern bereits existenzgefährdende Ausmaße annimmt. "Wenn wir den Pfusch wirkungsvoll bekämpfen und neue Arbeitsplätze schaffen wollen, dann müssen wir endlich neue Wege gehen", sagte Schopf und sprach sich dafür aus, Privaten nach Luxemburger Vorbild die Mehrwertsteuer für Bauarbeiten zurückzuerstatten, die durch befugte Gewerbetreibende ausgeführt wurden. Der Pfusch könnte damit im gesamten Baubereich um ein Drittel eingedämmt und die Zahl der Arbeitslosen laut WIFO um 7.000 verringert werden. Zusätzlich könnten 11.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Große Chancen für neue Jobs sieht der Bundesinnungsmeister auch im Bereich Althaussanierung, Denkmalschutz und Restaurierung, wo in den nächsten Jahren 10.000 neue Arbeitsplätze und 1.500 neue Lehrplätze geschaffen werden könnten. Die 1.066 österreichischen Dachdecker- und Pflastererbetriebe beschäftigen zur Zeit knapp 6.000 Mitarbeiter.
(Schluß) MH

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