Auch Österreich ist im Weltraum aktiv

Miniatur-Ionenemitter aus Seibersdorf analysiert Kometenstaub

Wien (OTS) - Obwohl in Österreich Weltraumforschung nur sparsam, aber zweckmäßig und wirksam mit finanziellen Mitteln des Wissenschaftsministeriums betrieben wird, können auch österreichische Wissenschafter auf beachtliche internationale Erfolge hinweisen. So wurden im Forschungszentrum Seibersdorf (Austrian Research Centers) in jüngster Zeit von einem Forscherteam unter Leitung von Univ. Prof. Dr. Friedrich Rüdenauer spezielle miniaturisierte Ionenemitter entwickelt, die bereits in mehreren Weltraumprojekten erfolgreich eingesetzt wurden und deren Einsatz in weiteren wissenschaftlichen und technologischen Weltraummissionen geplant ist.

Die miniaturisierten Ionenemitter haben sich bereits mehrfach im Weltraum bewährt: seit mehr als 5 Jahren sind sie auf dem japanischen Geotail-Satelliten in Betrieb, wo sie die elektrische Aufladung des Satelliten gegenüber seiner Umgebung kompensieren und so die Zuverlässigkeit der wissenschafltichen Messungen garantieren. Vor kurzem wurden Ionenemitter zum gleichen Zweck im Rahmen der ESA/NASA-Mission Equator-S in eine Erdumlaufbahn geschossen und dort erfolgreich in Betrieb genommen. Einen Härtetest bestanden diese Geräte beim mißglückten Start der ersten Ariane 5-Rakete: einige dieser Ionenemitter, die für das Cluster-Projekt der ESA vorgesehen waren, konnten aus den abgestürzten Trümmern der Rakete geborgen werden. Beim anschließenden Test im Labor zeigten sie noch ihre volle Funktionsfähigkeit.

Die interessantesten Anwendungen für diese Ionenemitter stehen jedoch erst bevor. Im Jahre 2003 soll die Rosetta-Sonde der ESA zum Kometen Wirtanen starten, um dort zum erstenmal eine chemische Präszisionsanalyse des Kometenstaubes durchzuführen. Zum Zweck dieser Analyse sollen einzelne Staubpartikel mit geladenen Atomen aus den Seibersdorfer Ionenemittern beschossen werden. Die unter diesem Beschuß von den Staubpartikeln ausgeschleuderten Sekundärionen sollen in einem vom Deutschen Max-Planck-Institut gebauten Massenspektrometer analysiert werden.

Ein weiteres vielversprechendes Anwendungsgebiet liegt im Antrieb von Weltraumflugkörpern. Der Rückstoß der von diesen Ionenemittern ausgeschleuderten Atome macht diese auch zu einem ultrapräzisen Antriebsaggregat (Ionentriebwerk), das von der ESA zur Lage- und Orientierungskontrolle von Satelliten eingesetzt werden soll. Mit dieser Form von Antriebaggregaten werden ehrgeizige Missionen, z.B. die erstmalige Messung der von Einstein vorausgesagten Schwerewellen, oder die ultrapräzise Vermessung von Sternpositionen erst möglich. Die Fertigung der Antriebssysteme für diese von der ESA bereits beschlossenen Missionen ist auch für die östereichische Weltraumindustrie eine interessante Entwicklungrichtung, insbesondere, da sich auch Anwendungen in künftigen erdumspannenden Satelliten-Kommunikationssystemen, die aus "Clustern" von einigen zehn bis hundert Miniatursatelliten bestehen werden, absehen lassen.

Die Seibersdorfer Ionenemitter zeichnen sich durch ihre niedrige Masse und ihren niedrigen Energieverbrauch aus. Beides Kriterien, die für die Weltraumanwendung ausschlaggebend sind. Die Elektronik, die zum Betrieb dieser Ionenemitter notwendig ist, wird in Kooperation mit dem Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz entwickelt und dort gebaut.

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Geschäftsfeld Mikrostrukturtechnik
Forschungszentrum Seibersdorf
Tel.: 02254/780 3141
e-mail: friedrich.rüdenauer@arcs.ac.at

Prof. Dr. Friedrich Rüdenauer

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