"ZEUGEN JEHOVAS: Vergessene Opfer des Nationalsozialismus?"

Wien (OTS) - Unter diesem Thema stand eine wissenschaftliche
Tagung am 29. Jänner, die das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DOW) gemeinsam mit dem Institut für Wissenschaft und Kunst veranstaltete.

Dr. Sybil Milton, leitende Historikerin des United States Holocaust Memorial Museums in Washington D.C., stellte dabei fest, daß bis vor kurzem die Rolle der Zeugen als vergessene Opfer im Holocaust vernachlassigt wurde. "Diese trostlose Bestandsaufnahme muß aber jetzt korrigiert werden."

Ein weiterer Referent war Dr. Detlef Garbe, Leiter der KZ-Gedenkstatte Neuengamme und Autor des Buches "Zwischen Widerstand und Martyrium - die Zeugen Jehovas im Dritten Reich." Er unterstrich die Opferrolle der Zeugen. "Keine andere Religionsgemeinschaft hat mit einer vergleichbaren Geschlossenheit und Unbeugsamkeit dem nationalsozialistischen Anpassungsdruck widerstanden. Unter den im Zweiten Weltkrieg abgeurteilten Kriegsdienstverweigerern stellten sie mit Abstand die größte Zahl dar."

Der Leiter des Geschichtsarchivs der Zeugen Jehovas Franz Aigner, hob die religiose Motivation der Opfer von damals hervor.

Aus einer wissenschaftlichen Tagung wurde lebendige Geschichte, als die Zeitzeugen Hermine und Horst Schmidt sowie Franz Wohlfahrt ihre bewegenden Erfahrungen aus jener Zeit erzahlten. Horst Schmidt saß bereits in der Todeszelle in Berlin-Brandenburg. Das Kriegsende verhinderte seine Hinrichtung. Bis heute hat er das Erlebte nur zum Teil verarbeitet.

Die Zeugen Jehovas sind auch selbst bemüht, dem Vergessen ihrer Opfer entgegenzuwirken. Die Wachtturm-Gesellschaft veröffentlichte zu diesem Zweck die Videodokumentation "Standhaft trotz Verfolgung -Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime". Sie gibt Einblicke in die Geschichte der Glaubensgemeinschaft in dieser dunklen Zeit. Ein 20minütiger Auszug aus dem insgesamt 78 Minuten dauernden Video wurde den Tagungsteilnehmern vorgestellt.

Weiters präsentieren die Zeugen in einer Wanderausstellung 20 Schautafeln mit Dokumenten der Verfolgung. In einer nachgebauten KZ-Baracke werden diese Schautafeln 1998 in vielen Stadten Österreichs zu sehen sein. Zur Zeit befindet sie sich in Salzburg.

Der Landwirt Franz Jagerstatter wurde zu Recht wegen seiner Gewissensentscheidung gegen das damals herrschende Regime weithin bekannt.

144 Zeugen Jehovas aus Österreich, die in den Jahren 1939 bis 1945 wegen ihrer Glaubenstaten starben, sollen ebenfalls nicht vergessen werden.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an: Informationsdienst der Zeugen Jehovas Ing. Bernd Gsell Tel: (01) 804 53 45/ 26Fax: (01) 804 53 45/ 75

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