Kinderlebensmittel - notwendig oder entbehrlich?

Thema des Monats 1998 - Jänner

Wien (OTS) - Das Kind ist kein kleiner Erwachsener. Es benötigt
zum optimalen Wachstum und zur altersgerechten Entwicklung für verschiedene Altersgruppen sehr unterschiedliche Energie- und Nährstoffzufuhr, unterschiedlich vor allem auch zum Erwachsenen. Entsprechend dem altersgemäßen Bedarf an Energie und Nährstoffen gibt es verschiedene kindgerechte Lebensmittelgruppen, die am besten geeignet sind, den Bedarf zu decken.

Ohne Frage ist die Muttermilch die ideale Nahrung für den Säugling. Die ersten 4 bis 6 Lebensmonate werden in der Kinderernährung als das absolute Milchalter bezeichnet, in dem die Alternativen zur Muttermilch - wenn nicht gestillt werden kann oder nicht genügend Muttermilch vorhanden ist - nur die Anfangsnahrungen sind. Alle erhältlichen Milchen von Säugetieren können unbearbeitet nicht die Muttermilch ersetzen, sondern müssen für das Ziel der optimalen Versorgung in ihrer Zusammensetzung der Muttermilch angeglichen werden. Das diätetische Lebensmittel "Anfangsnahrung" ist das klassische "Kinderlebensmittel" dessen Notwendigkeit unbestritten ist, weil selbst hergestellte Alternativen überwiegend für den Säugling nicht ohne Risiko sind.

Das ernährungsbedingte Gesundheitsrisiko für den Säugling wird vermehrt unter dem Eindruck der Auswirkungen langfristiger Fehlernährung und der ökologischen Ernährung im bezug auf Erkrankungen im Erwachsenenalter verfolgt. Aus verschiedenen Beobachtungen verstärkt sich der Eindruck, daß frühe Fehlernährung im Säuglings- und Kleinkindestalter Erkrankungen im Erwachsenenalter programmieren. Diese noch unbewiesene Möglichkeit des "Programmings" gibt Anlaß zur sorgfältigeren Beachtung der kindlichen Ernährungsbedürfnisse.

Konkrete Beobachtungen der Kinderärzte im ersten Lebensjahr weisen darauf hin, daß Muttermilch und Anfangsnahrungen nicht nur als alleinige Ernährung in den ersten 4 bis 6 Lebensmonaten unabdingbar sind, sondern auch als Milchmahlzeiten im ersten Lebensjahr beibehalten werden sollten. Wegen der bedarfsgerechteren Zusammensetzung im Vergleich zu unbearbeiteter Kuhmilch sollen Kleinkinder bis zu drei Jahren Folgemilchen als Milchmahlzeit erhalten. Frische Kuhmilch ist im Säuglingsalter obsolet, da Mikroblutungen im Darm und Unterversorung an Eisen beobachtet wurden.

Sobald der Säugling in der Lage ist, mit dem Löffel zu essen, etwa ab dem 5. Lebensmonat, starten die ersten Schritte hin zur Erwachsenenernährung, beginnt das Beikostalter. Ab jetzt konkurrieren selbst hergestellte Beikost mit industriell gefertigten Kinderlebensmitteln. Gerade für die Ernährung ab dem Beikostalter hat sich das deutsche Forschungsinstitut für Kinderernährung viel Mühe gemacht, optimale Speisepläne bzw. Rezepturen zu erarbeiten, die es ermöglichen, Beikost selbst zuzubereiten. Dennoch werden aus Gründen schadstoffarmer Zubereitung vor allem für Säuglinge im 5. bzw. 6. Lebensmonat industriell hergestellte Gemüsegläschen empfohlen.

Für die Herstellung der Beikost für Säuglinge müssen Lebensmittel von guter Qualität sorgfältig ausgeählt werden. Ebenfalls ist für die nachfolgende Verarbeitung und Aufbewahrung höchste Sorgfalt geboten. Eine engagierte Mutter mit Sachkenntnis und der erforderlichen Zeit ist nach den Rezepturen des Forschunsinstitutes durchaus in der Lage, hochwertige Beikost für Säugling selbst herzustellen.

Große Sicherheit sowohl aus hygienischer Sicht als auch für die optimale Nährstoffversorgung und Nährstofferhaltung bieten die industriell hergestellten Säuglingsnahrungen, die zudem vom Gesetzgeber ganz besonders strengen Qualitätskriterien unterliegen. Diese Convinience-Produkte geben der Mutter Sicherheit und Freizeit, die sie dem Säugling widmen kann.

Der Autor ist Dr. oec.troph. Volker Veitl, Leiter der wiss. Abteilung der Fa. Milupa AG

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